Pharmagigant Bayer Mögliches Milliardenpräparat besteht klinischen Test

Der Pharmariese Bayer kann bald womöglich einen neuen Bestseller ins Programm nehmen. In einem klinischen Test zeigte sich das Thrombose-Mittel Xarelto als wirksames Medikament zur Bekämpfung von Schlaganfällen. Experten schätzen den Markt für diese Arzneien auf rund 20 Milliarden Dollar.
Tablettenproduktion bei Bayer: Milliardenmarkt im Visier

Tablettenproduktion bei Bayer: Milliardenmarkt im Visier

Foto: dapd

Frankfurt am Main - Nach dem Studienerfolg seiner wichtigsten Neuentwicklung kann der Pharma- und Chemiekonzern Bayer   auf Geschäfte in Milliardenhöhe hoffen. Das Thrombosemittel Xarelto schaffte in einem großangelegten klinischen Test das vorrangige Ziel bei der Bekämpfung von Schlaganfällen.

Der Markt für neue Medikamente zur Bekämpfung von Schlaganfällen wird von machnen Experten auf bis zu 20 Milliarden Dollar taxiert. Gelingt die angestrebte Zulassung von Xarelto in den USA, könnte sich Bayer davon einen großen Teil sichern. Der Leverkusener Konzern traut der Tablette Spitzenumsätze von mehr als zwei Milliarden Euro zu.

In der Studie der Phase III mit dem Namen "Rocket AF" wurde Xarelto an 14.000 älteren Patienten mit Herzrhythmusstörungen getestet und dabei mit dem Jahrzehnte alten Standardmittel Warfarin verglichen.

Bereits als Thrombose-Mittel auf dem Markt

Das vorrangige Ziel war laut Bayer zu zeigen, das Xarelto Warfarin in punkto Wirksamkeit nicht unterlegen ist. Dieses Studienziel sei erreicht worden, teilte der Konzern mit. Speziell beim Auftauchen von Blutungen habe das Mittel vergleichbar mit Warfarin abgeschnitten, erklärte der Konzern. Das Blutungsrisiko ist für alle Gerinnungshemmern ein kritischer Punkt.

Das Standardmittel Warfarin ist zwar zum Schutz vor Schlaganfällen lange erprobt. Es ist allerdings schwer zu dosieren und Patienten müssen strikte Diätvorgaben einhalten. Zudem sind regelmäßige Bluttests notwendig, was gerade bei den meist älteren Patienten mit Herzrhythmusstörungen schwierig ist. Mittel wie Xarelto wären deutlich einfacher zu handhaben. Detaillierte Ergebnisse der Großstudie sollen am 15. November auf dem Jahreskongress der Amerikanischen Herzgesellschaft (AHA) präsentiert werden.

Bayer entwickelt Xarelto zusammen mit dem US-Arzneimittelhersteller Johnson & Johnson  . Das Präparat ist in Europa bereits zum Schutz vor Thrombosen nach größeren orthopädischen Operationen auf dem Markt. Der Milliardenmarkt liegt aber bei den großen chronischen Indikationen wie der Schlaganfallbekämpfung.

Analysten warten noch ab

An der Börse kam die Nachricht gut an. Die Bayer-Aktie setzte sich am Montag zeitweise mit einem Kursplus von fast drei Prozent an die Spitze des Dax. "Für den Moment können wir sagen, dass die Studie geklappt hat und dass dies den Weg zur Zulassung in einem 15 Milliarden Dollar schweren Markt ebnen sollte", kommentierten die Experten der Berenberg Bank die Nachrichten. Bayer habe aber erst wenig aus der Studie preisgeben und so sei noch nicht klar, ob das Mittel nicht sogar besser wirke als Warfarin. "Dies wird ein entscheidender Punkt sein beim Wettbewerbsprofil von Xarelto", erklärte das Bankhaus.

Auch für Tero Weckroth von Kepler Capital Markets bleibt diese wichtige Frage ungeklärt. "Das Studienziel erreicht zu haben sagt uns nichts hinsichtlich Überlegenheit gegenüber Warfarin", erklärte der Experte. Gelingt Bayer dieser Nachweis, könnte sich das Mittel im Wettbewerb mit dem bereits zugelassenen Präparat Pradaxa von Boehringer Ingelheim sehr gut schlagen.

Pradaxa war erst jüngst zum Schutz vor Schlaganfällen in den USA genehmigt worden. Es ist das erste von mindestens acht neuen Wirkstoffen zur Schlaganfallbekämpfung, an denen internationale Pharmakonzerne wie Bristol-Myers Squibb  , Pfizer   und Daiichi Pharmaceutical   derzeit arbeiten.

mik/Reuters