Milliardendeal Philips verkauft Haushalts-Sparte an Fonds aus Hongkong

Philips wird ein reiner Medizinkonzern und verkauft sein Geschäft mit Kaffeemaschinen und Gartengeräten an einen asiatischen Investor. Das könnte Miele und Bosch noch zu schaffen machen.
Senseo-Espressomaschinen von Philips: verkauft an asiatischen Investor

Senseo-Espressomaschinen von Philips: verkauft an asiatischen Investor

Foto: Sabeth Stickforth / imago images

Der niederländische Konzern Philips stößt seine Haushaltsgeräte-Sparte ab. Die Produktion von Geräten wie Staubsaugern, Kaffeemaschinen, Bügeleisen und Gartengeräten werde für rund 3,7 Milliarden Euro an den Investmentfonds Hillhouse Capital aus Hongkong verkauft, teilte Philips am Donnerstag in Amsterdam mit.

Der Konzern erwartet, dass unterm Strich – nach Abzug von Steuern und Kosten – etwa drei Milliarden Euro übrig bleiben. Außerdem erhält Philips für Lizenzen 700 Millionen Euro in 15 Jahren. Der Verkauf war erwartet worden und soll im dritten Quartal 2021 abgeschlossen sein.

Philips setzt auf Medizintechnik und persönliche Hygieneprodukte

Die Haushaltsgeräte-Sparte hatte 2020 einen Umsatz von 2,2 Milliarden Euro erzielt. Das Unternehmen soll weiter in den Niederlanden bleiben. Weltweit arbeiten dort 7000 Arbeitnehmer, Entlassungen sollen dabei zunächst nicht vorgesehen sein.

Der Konzern will sich künftig vor allem auf Medizintechnik und persönliche Hygieneprodukte wie Zahnbürsten oder Rasierapparate konzentrieren, die bereits jetzt das Hauptbetätigungsfeld des Konzerns ist. Bei der Medizintechnik lag der Umsatz 2019 bei 5,85 Milliarden Euro. Der Verkauf der Haushaltssparte passt zur Unternehmensstrategie. Philips war groß geworden mit Glühbirnen, TV-Geräten, Staubsaugern, Rasierapparaten und Audiotechnik.

Andere Sparten waren bereits abgestoßen worden, etwa die Produktion von TV-Geräten, Audio-Apparaten und Glühbirnen. Das Lichtgeschäft war 2018 unter dem Namen Signify an die Börse gegangen.

»Mit dieser Transaktion haben wir unsere größeren Verkäufe abgeschlossen«, sagte Philips-Chef Frans van Houten. Man werde sich künftig darauf konzentrieren, die »Führung in der Medizintechnologie auszubauen«.

Der Fonds aus China darf nach Angaben von Philips noch 15 Jahre lang Staubsauger oder Fritteusen unter dem Namen Philips verkaufen und zahlt den Niederländern dafür insgesamt etwa 700 Millionen Euro. Hillhouse will für die Philips-Produkte neue Märkte erschließen.

Miele und Bosch könnte der Verkauf unter Druck setzen

Branchenkennern zufolge könnte der Verkauf langfristig Folgen für Miele oder Bosch haben. Denn: Hillhouse Capital, ein asiatischer Großinvestor, hält außerdem Beteiligungen an chinesischen Haushaltsgeräteherstellern wie Gree und Midea. »Der Investor wird sicher nach Synergie-Effekten suchen und dann unter der Marke Philips weltweit chinesische Wasserkocher und vielleicht auch Großgeräte wie Waschmaschinen verkaufen«, sagt ein Branchenkenner dem SPIEGEL.

»Bis vor 15 Jahren gab es noch Philips-Waschmaschinen. Wenn bald chinesische Waschmaschinen mit Philips-Logo hier auf den Markt drängen, wird das Miele oder Bosch gehörig unter Druck setzen.« Verbraucherinnen und Verbraucher würden womöglich gar nicht mitbekommen, dass sie ein chinesisches Produkt gekauft haben.

caw/dpa-AFX/AFP