Niedrigere Pflichtgrenze Chef der Privatversicherer will Eintrittshürde senken

Zehn Prozent der Deutschen sind privat krankenversichert. Dem neuen Cheflobbyisten der PKV ist das zu wenig: Verbandschef Laue fordert, die Versicherungspflichtgrenze von derzeit 52.200 Euro deutlich zu senken.
Arztpraxis: PKV-Chef warnt vor Bürgerversicherung

Arztpraxis: PKV-Chef warnt vor Bürgerversicherung

Foto: Patrick Pleul/ picture-alliance/ dpa

Düsseldorf - Erst seit Anfang Juli ist Uwe Laue oberster Lobbyist der privaten Krankenversicherer. Nun mischt sich der neue Chef des PKV-Verbands in den Wahlkampf ein. Im "Handelsblatt" kritisierte Laue Pläne von SPD, Grünen und Linken, das Nebeneinander von privater und gesetzlicher Krankenversicherung abzuschaffen. Die Bürgerversicherung würde die Gesundheitsversorgung deutlich verschlechtern, sagte Laue der Zeitung. Zudem seien Hunderttausende Arbeitsplätze in Gefahr.

Ähnlich hatte sich zuletzt Laues Vorgänger an der Spitze des PKV-Verbands geäußert. Spannender ist, was der Mann, der zugleich Chef des größten Krankenversicherers Debeka ist, zur Zukunft seiner eigenen Branche sagt. Laue fordert, die Versicherungspflichtgrenze zu senken, ab der Arbeitnehmer aus der gesetzlichen in eine private Krankenversicherung wechseln können. Seine Begründung: "Viele haben vergessen, dass die gesetzliche Versicherung ursprünglich nur für besonders Schutzbedürftige eingeführt wurde. Das sollte auch heute noch gelten", sagte er dem "Handelsblatt". Er glaube nicht, "dass 90 Prozent der Bürger schutzbedürftig sind".

Derzeit liegt die Versicherungspflichtgrenze bei 52.200 Euro im Jahr. Wer weniger verdient, muss in der gesetzlichen Versicherung bleiben. Nur Beamte und Selbständige haben unabhängig vom Einkommen ein Wechselrecht. Aktuell sind 90 Prozent der Bürger gesetzlich versichert. Auf welches Niveau die Grenze gesenkt werden solle, sagte Laue nicht. Das sei Sache der Politik. Zugleich wies er darauf hin, dass das Durchschnittseinkommen derzeit bei mehr als 40.000 Euro liege.

"200.000 bis 400.000 Arbeitsplätze im Feuer"

Das Geschäftsmodell der privaten Krankenversicherer ist in den vergangenen Jahren immer wieder in die Kritik geraten. Grund sind vor allem Beitragssteigerungen, die für ältere Versicherte zum Problem werden können. Zudem stößt das Verhalten einiger Gesellschaften beim Tarifwechsel auf Kritik. Obwohl sie gesetzlich dazu verpflichtet sind, den Wechsel in einen günstigeren Tarif zu ermöglichen, behindern sie Kunden bei der Umstellung.

SPD und Grüne wollen das duale System von privater und gesetzlicher Versicherung beenden und eine Bürgerversicherung einführen. Laue warnte im "Handelsblatt" vor möglichen Folgen einer solchen Reform: "Das beginnt bei der ambulanten Versorgung. Die Ärzte werden auf die höheren Honorare für privatärztliche Behandlung verzichten müssen, in der Folge werden in kürzester Zeit 30.000 Arztpraxen geschlossen. Das wäre bei rund 140.000 Praxen ein gewaltiger Einbruch."

Auch für den Arbeitsmarkt hätte eine Reform gravierende Folgen. Das Gesundheitswesen sei mit 4,5 Millionen Beschäftigten der größte Arbeitgeber und fünf bis zehn Prozent dieser Jobs würden gefährdet. "Hier stehen also 200.000 bis 400.000 Arbeitsplätze im Feuer", warnte der PKV-Chef.

cte
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