Neuausrichtung Führungskrise in der Playmobil-Welt

Die geplante Neuausrichtung des Spielzeugherstellers Playmobil fordert ein erstes Opfer. Das Ausscheiden von Firmenchefin Judith Weingart legt die Führungskrise offen.
Playmobil-Figuren im Funpark Zirndorf

Playmobil-Figuren im Funpark Zirndorf

Foto: dpa Picture-Alliance / Benjamin Beytekin/ picture alliance / Benjamin Beyt

Der fränkische Spielwarenhersteller Playmobil ist rund ein halbes Jahr nach dem Tod des Alleineigentümers Horst Brandstätter in eine Führungskrise gestürzt. Grund ist ein Streit über den künftigen Kurs des Unternehmens.

Im Zuge der geplanten Neuausrichtung der Unternehmensgruppe wurde die frühere Brandstätter-Vertraute Judith Weingart entlassen, teilte die hinter den Marken Playmobil und Lechuza stehende Unternehmensgruppe Geobra Brandstätter mit.

Das Unternehmen nannte auf eine Anfrage "unterschiedliche Vorstellungen" bei der geplanten Neuausrichtung als Grund. "Dieser Weg bleibt nicht ohne Konflikte", heißt es in einer Stellungnahme. Dem bislang dreiköpfigen Vorstand der Geobra Brandstätter Unternehmensstiftung gehören noch der für Personal und Finanzen zuständige René Feser und der Technische Leiter Robert Benker an. Beide sind wie Weingart altgediente Playmobil-Mitarbeiter.

Weingart gehörte dem Unternehmen seit mehr als 20 Jahren an; im Juni 2015 hatte die frühere Kommunikationschefin des Spielfiguren-Herstellers die Nachfolge der früheren Firmenchefin Andrea Schauer angetreten. Diese war kurz nach dem Tod Brandstätters aus privaten Gründen aus dem Unternehmen ausgeschieden.

Grundlegende Neuausrichtung geplant

In einer Mitteilung kündigte die Unternehmensführung eine grundlegende Neuausrichtung von Playmobil und dem zur Gruppe gehörenden Pflanzengefäß-Hersteller Lechuza an. "Um die Erfolgsgeschichte der Marken Playmobil und Lechuza fortzuschreiben, stellen wir die Strukturen an allen Standorten kritisch auf den Prüfstand und leiten notwendige Veränderungsprozesse ein", teilte die Unternehmensführung weiter mit.

Die Nachrichtenagentur dpa berichtet unter Berufung auf das Firmenumfeld, dass der Tod von Horst Brandstätter zu einer Führungskrise und zu Verunsicherung bei den weltweit mehr als 4100 Mitarbeitern geführt habe. Zwar hatte Brandstätter die Firma noch vor seinem Tod in eine Firmenstiftung überführt, die von einem dreiköpfigen Vorstand geleitet und einem darüber stehenden Firmenbeirat kontrolliert wird.

Da die Vorstandsmitglieder aber gleichberechtigt seien, "und jeder aufpasst, dass sich der andere nicht zu stark profiliert", sei das Unternehmen in den vergangenen Monaten gelähmt worden, heißt es im Unternehmensumfeld. Ein Problem sei es zuletzt auch gewesen, dass Führungskräfte nach jahrzehntelanger Arbeit unter der Führung des Patriarchen Horst Brandstätter nicht gelernt hätten, eigenverantwortlich zu handeln.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes stand, dass seit dem Tod des Firmengründers eineinhalb Jahre verstrichen sind, nicht ein halbes. Der Vorstand für Personal und Finanzen heißt René Feser, nicht wie ursprünglich gemeldet René Benker. Wir bitten, dies zu entschuldigen.

brt/dpa
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