Pleite-Bank Hypo Real Estate muss Bonus zahlen

Die Hypo Real Estate muss einem Angestellten einen Bonus für das Jahr 2008 nachzahlen. Das entschied das Arbeitsgericht München einem Zeitungsbericht zufolge. Im Urteil wurde die Bank außerdem dazu verpflichtet, auch für 2009 eine Bonusvereinbarung abzuschließen. Die Pleite-Bank ist nur noch dank staatlicher Milliardenspritze am Leben.

Logo der Hypo Real Estate: "Boni waren Standard"
ddp

Logo der Hypo Real Estate: "Boni waren Standard"


München - Die Hypo Real Estate (HRE) hängt am staatlichen Tropf und muss dennoch einen Bonus zahlen: Ein Angestellter hat nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" beim Arbeitsgericht München eine nachträgliche Bonuszahlung für das Geschäftsjahr 2008 erstritten. Die Immobilien- und Pfandbriefbank müsse dem Urteil zufolge 7000 Euro plus Zinsen für den Zeitraum seit Mai 2008 zahlen. Das entspreche etwa einem 13. Monatsgehalt. Die HRE war vor gut einem Jahr beinahe pleite gegangen und musste vom Staat mit mehr Hilfen gerettet werden als jedes andere Kreditinstitut in Deutschland.

Das Arbeitsgericht München hat in dem Urteil (Aktenzeichen 26 Cs 11272/09) die Bank außerdem dazu verpflichtet, auch für das Jahr 2009 eine Bonus-Vereinbarung abzuschließen, schreibt die Zeitung. Der Münchner Anwalt Knut Müller, der das Urteil erwirkt hat, berichtet dem Blatt von weiteren anhängigen Verfahren. Auch andere HRE-Beschäftigte verklagten bereits die Bank.

Müller sagte, die HRE wäre "gut beraten, sich nun mit allen betroffenen Mitarbeitern auf Bonuszahlungen zu einigen". Solche Zahlungen seien in den Arbeitsverträgen regelmäßig vorgesehen gewesen. Das sei zwar teilweise unterschiedlich geregelt gewesen, "aber Boni waren Standard". Nach Müllers Einschätzung geht es um Fälle bis hinein in das mittlere Management. Frühere Vorstände sind von diesen Verfahren und Auseinandersetzungen nicht betroffen.

Der im Herbst 2008 nach der Beinahe-Pleite bei der HRE als Vorstandschef eingesetzte Axel Wieandt und dessen Kollegen hatten einige Monate später entschieden, keine Boni mehr zu gewähren. Wieandt schwor die Belegschaft, die damals noch rund 2000 Mitarbeiter umfasste, in einem Rundschreiben auf einen strikten Sparkurs ein. Für das vergangene Geschäftsjahr und auch für dieses Jahr werde es zusätzlich zum normalen Gehalt nichts mehr geben. Die wirtschaftliche Lage der Bank rechtfertige kein anderes Vorgehen, schrieb Wieandt.

Die Immobilien- und Pfandbriefbank hat zuletzt Verluste in Milliardenhöhe gemacht und kann nur mit Bürgschaften und Kapitalhilfen des Staates in Höhe von insgesamt fast 100 Milliarden Euro überleben.

fro/dpa-AFX



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