Pleite von MF Global Anleger verklagt Unternehmenschef Corzine

Die Pleite des US-Finanzkonzerns MF Global wird ein Fall fürs Gericht: Ein Anleger hat Unternehmenschef Jon Corzine verklagt. Er wirft ihm Täuschung der Investoren vor. Die Untersuchung durch die Behörden hat bereits einen pikanten Aspekt.

MF-Global-Chef Jon Corzine: Verschwundene Kundengelder
REUTERS

MF-Global-Chef Jon Corzine: Verschwundene Kundengelder


New York - Anleger des Wertpapierhändlers MF Global wollen die Hintergründe der Pleite des Unternehmens gerichtlich klären lassen. Wenige Tage nach der Insolvenz des US-Brokerhauses hat ein Anleger Unternehmenschef Jon Corzine verklagt. Er wirft ihm und weiteren Mitgliedern des Managements vor, die Liquidität des Unternehmens entgegen besseren Wissens als problemlos angepriesen und die Investoren damit in die Irre geführt zu haben.

Die Klage wurde bei einem New Yorker Bezirksgericht eingereicht und könnte ein Präzedenzfall für weitere Klagen sein. Berichten zufolge werden bei dem insolventen Brokerhaus auch Kundengelder in Höhe von mehreren hundert Millionen Dollar vermisst. Die amerikanischen Behörden gehen der heiklen Frage nach, ob MF Global zuletzt die strikt vorgeschriebene Trennung zwischen Kunden- und Geschäftsvermögen verletzt und Kundengelder für eigene Geschäfte verwendet hat.

Die Nachrichtenagentur AP berichtete über ein weiteres heikles Detail der MF Global-Pleite. Demnach hat Konzernchef Corzine enge persönliche Beziehungen zu Gary Gensler, der den Zusammenbruch der Firma und die Hintergründe der verschwundenen Gelder untersuchen soll. Beide kennen sich demnach aus ihren Zeiten bei der US-Investmentbank Goldman Sachs. Zudem habe Gensler Geld gespendet, als Corzine sich für den Gouverneursposten in New Jersey beworben habe. Experten forderten Gensler nun auf, sich aus den Untersuchungen zu MF Global zurückzuziehen.

MF Global ist das erste größere Opfer der Euro-Schuldenkrise in den USA. Der Finanzkonzern hat sich mit Wetten auf europäische Staatsanleihen verhoben. Es war die achtgrößte Pleite in der US-Geschichte und die größte seit dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers.

mmq/AP



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jrfruehauf 04.11.2011
1. Und immer wieder Goldman Sachs
Um Ex-Goldman-Sachs Manager sollten Brandmauern errichtet werden. Zuviel steht auf dem Spiel.
bolonch 04.11.2011
2. Textrecycling
Im Artikel steht der Satz "MF Global ist das erste größere Opfer der Euro-Schuldenkrise in den USA". Das stand in einer der ersten Agenturmeldungen zur Pleite von MF Global und findet sich exakt so in drei von vier Artikeln zum Thema. Nur - von der unreflektierten und gebetsmuehlenartigen Wiederholung wird die Aussage nicht wahrer: Es hat (noch) keine Staatspleite gegeben. MF Global ist Opfer von Fehlspekulationen auf Euro-Papiere geworden.
beebo 04.11.2011
3. Opfer von der Fristentransformation
Zitat von bolonchIm Artikel steht der Satz "MF Global ist das erste größere Opfer der Euro-Schuldenkrise in den USA". Das stand in einer der ersten Agenturmeldungen zur Pleite von MF Global und findet sich exakt so in drei von vier Artikeln zum Thema. Nur - von der unreflektierten und gebetsmuehlenartigen Wiederholung wird die Aussage nicht wahrer: Es hat (noch) keine Staatspleite gegeben. MF Global ist Opfer von Fehlspekulationen auf Euro-Papiere geworden.
MF ist an die Fristentransformation gescheitert. MF hat sich kurzfristig Geld bei US Geldmarktfonds geliehen, und es langfristig in Italien Staatsanleihen investiert. Die US Geldmarkfonds wollten MF kein Geld mehr leihen, und die Anleihen konnten die auch nicht so schnell zu Geld machen. Die Anwälte und Insolvenzverwalter freuen sich jetzt auf dicke und vor allem risikolose Geschäfte.
bolonch 04.11.2011
4. Ernster als es klingt
Wenn wir nicht die Lehman-Pleite hinter uns haetten und nicht gerade die Finanzkrise 2.0 erleben wuerden, wuerde dieser Fall weitaus ernster genommen werden. Hier hat sich ein Broker an seinen separierten Kundenkonten vergriffen. Das hat es bisher noch nicht gegeben und galt auch bisher als ausgeschlossen.
beebo 04.11.2011
5. Gibt es doch immer wieder
Zitat von bolonchWenn wir nicht die Lehman-Pleite hinter uns haetten und nicht gerade die Finanzkrise 2.0 erleben wuerden, wuerde dieser Fall weitaus ernster genommen werden. Hier hat sich ein Broker an seinen separierten Kundenkonten vergriffen. Das hat es bisher noch nicht gegeben und galt auch bisher als ausgeschlossen.
Madoff hat sich doch auch an seinen Kundengeldern vergriffen. Die Vorgängerfirma von MF soll sich auch an Kundengelder vergriffen haben. Da gab es auch mal eine Pleite DE Geldtransportfirma, die sich zu transportierendes Geld eingesteckt hat.
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