Pleitekonzern Ermittler durchsuchen Arcandor-Zentrale

Im Fall des insolventen Handelskonzerns Arcandor hat die Bochumer Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen ausgedehnt. Jetzt sollen sämtliche elektronischen Daten des Konzerns gesichert und ausgewertet werden. Eine Insolvenzverschleppung wird nicht mehr ausgeschlossen.


Essen - Zwei Staatsanwälte und vier Zivilbeamte präsentierten am Donnerstagmorgen vergangener Woche in der Essener Hauptverwaltung des Konzerns einen Beschluss des Amtsgerichts Bochum, wonach sämtliche elektronischen Daten auf Arcandor-Rechnern zu sichern seien.

Dafür wurden laut SPIEGEL-Informationen rund 2000 Beschäftigte der Zentrale aufgefordert, übers Wochenende ihre Dienst-Laptops abzugeben, damit die Daten kopiert und an die Fahnder weitergegeben werden können. "Wir gehen der Frage nach, ob Verträge, wie sie abgeschlossen wurden, wirtschaftlich vertretbar waren", erklärte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft die Aktion.

Hintergrund ist offenbar das Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Untreue gegen den ehemaligen Arcandor-Vorstandschef Thomas Middelhoff. Auch aufgrund mehrerer SPIEGEL-Artikel geht die Bochumer Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftsstrafsachen seit Mitte Juli der Frage nach, ob Middelhoff eine millionenschwere Schadensersatzklage gegen seinen Vermögensverwalter Josef Esch im Zusammenhang mit Karstadt-Immobiliengeschäften hätte anstrengen müssen. Middelhoff bestreitet das kategorisch.

Offenbar interessieren sich die Ermittler darüber hinaus dafür, wie es überhaupt zu der Insolvenz des Handelsriesen kommen konnte. Die großflächige Sicherstellung von Daten jedenfalls deutet darauf hin, dass auch Insolvenzverschleppung nicht ausgeschlossen wird.

ala



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Rainer Eichberg 13.08.2009
1.
Zitat von sysopDie Arcandor-Tochter Quelle steht vor drastischen Einschnitten. Allein im Raum Nürnberg-Fürth sollen einem Bericht zufolge 1500 Jobs wegfallen - auch beim Schwesterkonzern Karstadt droht ein Kahlschlag. Wie sieht die Zukunft für Arcandor aus?
Die Zukunft sieht ziemlich finster aus, befürchte ich. Allerdings darf wohl die Frage gestellt werden, wieso nahezu der gesamte Online-Handel in Deutschland boomt, die klassischen Versandhäuser aber offensichtlich davon nicht profitieren können. Zu spät geschaltet? Zu altbackenes Konzept? Falsches Warenangebot?
kleinrentner 13.08.2009
2. Leichenfledderei
Zitat von sysopDie Arcandor-Tochter Quelle steht vor drastischen Einschnitten. Allein im Raum Nürnberg-Fürth sollen einem Bericht zufolge 1500 Jobs wegfallen - auch beim Schwesterkonzern Karstadt droht ein Kahlschlag. Wie sieht die Zukunft für Arcandor aus?
Jetzt kommen die Geier und holen sich die besten Brocken. Der Rest vermoddert und wird weggekehrt.
wowiku, 13.08.2009
3. Quelle
Um Quelle ist es nicht schade. Wer nur für die private Tasche arbeitet, bekommt eines Tages die Quittung. Otto leistet dagegen viel für die Allgemeinheit, Überschüsse werden in gemeinnützige Projekte gesteckt (Natur-,Tier- und Denkmalschutz). Und das weiß der Kunde eben zu honorieren. Warum also dieses Gejammere, mal abgesehen dass es im Osten seit 1990 weit mehr als 1500 traf. Wer nicht mehr gebraucht wird muß sich eben was Neues suchen. Das muß der kleine Innenstadthändler Tag für Tag erfahren, ohne das ihm jemand eine Träne nachweint.
shokaku 13.08.2009
4.
Zitat von Rainer EichbergDie Zukunft sieht ziemlich finster aus, befürchte ich. Allerdings darf wohl die Frage gestellt werden, wieso nahezu der gesamte Online-Handel in Deutschland boomt, die klassischen Versandhäuser aber offensichtlich davon nicht profitieren können. Zu spät geschaltet? Zu altbackenes Konzept? Falsches Warenangebot?
Schon mal auf der Webseite von Quelle gewesen? Alptraum ist da noch eine höfliche Umschreibung.
I'm a Substitute 13.08.2009
5.
Zitat von sysopDie Arcandor-Tochter Quelle steht vor drastischen Einschnitten. Allein im Raum Nürnberg-Fürth sollen einem Bericht zufolge 1500 Jobs wegfallen - auch beim Schwesterkonzern Karstadt droht ein Kahlschlag. Wie sieht die Zukunft für Arcandor aus?
Es ist ein typisches Zeichen der Zeit, alte Markennamen, alte Wirtschaftsstandorte aufzugeben... Die Mentalität des homo oeconomicus unserer Jahre giert nach neuem; und nach "Image". Ein Markenname wie "Quelle" läßt den bescheidenen Konsum großelterlicher Wohnkultur assoziieren. Selbst das vor nicht allzu langer Zeit fast konkurrenzlos erfolgreiche Modelabel "Escada (http://www.faz.net/s/RubB62D23B6C6964CC9ABBFCB78BC047A8D/Doc~E5401E65299404A649AE714B8059BCE4A~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_googlenews)" siecht dahin... man könnte meinen, daß Kapital lediglich noch für Markennamen Interesse zeigt, die entweder ganz neu auf dem Markt sind - oder jahrzehntelang vom Markt verschwunden waren. Und wenn eben jedes Modelabel gewissermaßen seine eigene Ladenkette benötigt, werden "universelle" Handelsmarken die in zentraler Lage verlangten Ladenmieten nicht aufbringen, und wird in der Prospektflut auch untergehen, wer allein auf den vertrauten Namen seines alteingesessenen Unternehmens vertraut. Die KUNDSCHAFT der Kaufhäuser und des Versandhandels war der bürgerliche Mittelstand, den es de facto nicht mehr gibt; zynisch gesagt müßte "Quimondo" Quelle neu positionieren - in den neuen Bundesländern ließe sich unter dem "Label" VEB Grundbedarfsdeckung ein Discount-Versandhandel lancieren, der zugleich "ostalgische" Gefühle bedient, in den alten müßte eine massive Werbekampagne (für die das Geld wie überall jedoch fehlt) die "Solidität" der Waren preisen; in Hinblick auf die Altersstruktur der Kundschaft wäre das Warensortiment drastisch auszudünnen: Die "überalterte Gesellschaft" richtet die Wohnung nicht neu ein, ist auch kaum noch als Heimwerker tätig; abgesehen davon läßt sich gegen die marktführenden Unterhaltungselektronik-"Fachmärkte" sowieso nicht konkurrieren. Insofern könnte Quelle sich auf Bekleidung, "Wellness"-Produkte, Bandagen/Sanitätsartikel und nicht apothekenpflichtige "Selbstmedikamentierungs"-Produkte beschränken. Es ist traurig, aber Quelle hat den schleichenden Wandel der Konsumgewohnheiten "verschlafen". Und eine unternehmeenstragende Gewinnmarge läßt sich im Handel sowieso nicht mehr realisieren.
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