Plus 15 Prozent Aktionäre feiern USA-Rückzug der Telekom

Telekom-Chef Obermann spricht von der "besten Lösung", Anleger sehen das genauso: Nach vielen Jahren unklarer Strategie und immenser Kosten trennt sich der Konzern von seiner Amerika-Tochter. Die Aktie des Dax-Konzerns gewinnt zeitweise zweistellig.

T-Mobile-Blackberry: Börsenhändler sehen wichtigstes Problem gelöst
REUTERS

T-Mobile-Blackberry: Börsenhändler sehen wichtigstes Problem gelöst


Frankfurt am Main - Auftrieb für die Telekom-Aktie: Die Papiere der Deutschen Telekom Chart zeigen verteuerten sich am Montag zeitweise um zwölf Prozent. Zum Handelsstart am Montagmorgen kosteten die Papiere sogar 15,4 Prozent mehr als am Freitagabend.Am Sonntag hatte der Konzern bekannt gegeben, seine Mobilfunktochter T-Mobile USA an AT&T zu verkaufen.

Der US-Marktführer zahlt der Telekom 39 Milliarden Dollar in bar und eigenen Aktien. "Wir haben die beste Lösung für unser Unternehmen, unsere Kunden und unsere Aktionäre gefunden", sagte Telekom-Chef René Obermann. Börsianer sehen das auch so: "Der Verkauf löst wohl das wichtigste Problem bei der Telekom und zudem wird T-Mobile USA zu einem sehr attraktiven Preis abgegeben", kommentierte ein Börsianer.

Der deutsche Branchenprimus kämpfte in den USA im Mobilfunkgeschäft seit einiger Zeit mit Problemen. Das Privatkundengeschäft lief schlecht - unter anderem weil das Unternehmen Apples iPhone nicht im Angebot hat.

In der Vergangenheit gab es immer wieder Spekulationen über einen Verkauf. Die Telekom selbst hatte sich für das US-Geschäft alle Optionen offen gelassen, darunter auch Partnerschaften und einen Teilverkauf.

AT&T hat sich das Recht vorbehalten, den Baranteil zu erhöhen und dafür weniger Aktien herzugeben. Die Deutschen werden jedoch mindestens fünf Prozent der Anteile erhalten. Die Telekom selbst will mit dem größten Teil des Geldes die Schulden reduzieren - 13 Milliarden Euro sollen dafür verwendet werden. Zudem will die Telekom für fünf Milliarden Euro eigene Aktien zurückkaufen.

Der Dax Chart zeigen legte in den ersten Minuten nach Handelsstart 1,9 Prozent zu auf 6791 Punkte. In der vergangenen Woche hatte der deutsche Leitindex noch rund 4,5 Prozent verloren. Für den MDax Chart zeigen der mittelgroßen Werte ging es um 1,5 Prozent auf 10.005 Punkte nach oben und der TecDax Chart zeigen gewann 2,2 Prozent auf 888 Punkte.

cte/Reuters/dpa



insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
wekrue 21.03.2011
1. Endlich
Zitat von sysopTelekom-Chef Obermann spricht von der besten Lösung für sein Unternehmen, viele Anleger sehen das*genauso: Nach dem Verkauf der US-Tochter stieg die Aktie des Dax-Konzern zeitweise um 10,5 Prozent. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,752141,00.html
hat der Fuchs die Pfote abgebissen, die in der Falle gesteckt hat.
prüfling 21.03.2011
2. Milliardengrab US-Markt
Die Managementfähigkeiten unserer deutschen Manager zeigen sich beim Eintritt in den US-Markt. Noch nie wurde soviel Geld verbrannt, wenn Leute wie Ron Sommer, Herr Schrempp etc. sich am schwierigen US-Markt die Finger verbrannten. Hoffentlich passiert Herrn Winterkorn bei dem ehrgeizigen Plan, mit Lowtec-Kisten wie Passat und Jetta den Markt aufzurollen, nicht das Gleiche.
steyla 21.03.2011
3. Schade ...
.. das es die Telekom in den USA nicht 'gepackt' hat. Das liegt wohl zum einen daran, dass man in einem Markt so ganz ohne Regierungsunterstützung deutlich flexibler vorgehen muss, besonders auch, wenn man der Underdog ist. Als T-Mobile Anwender in Deutschland und in den USA muss ich sagen, dass da noch eine Menge mehr an Möglichkeiten 'drin' gewesen wäre - z.B. ein USA / Europa Kombi-Tarif - ein Service, den andere nicht anbieten können. Auch hätte die Telekom von den Telefonica (O2) Diensten in D'land abgucken können, die sich trotz spätem Start aufgrund der flexiblen Tarife gut positionieren konnten. Null-Acht-Fuffzehn funktioniert eben nicht in den USA. Wenn sich ein (eigentlich starkes) Unternehmen nicht in einem der wichtigsten Märkte der Welt behaupten kann - das sagt eine Menge .... mm.
mexi42 21.03.2011
4. Ja, so ...
Zitat von prüflingDie Managementfähigkeiten unserer deutschen Manager zeigen sich beim Eintritt in den US-Markt. Noch nie wurde soviel Geld verbrannt, wenn Leute wie Ron Sommer, Herr Schrempp etc. sich am schwierigen US-Markt die Finger verbrannten. Hoffentlich passiert Herrn Winterkorn bei dem ehrgeizigen Plan, mit Lowtec-Kisten wie Passat und Jetta den Markt aufzurollen, nicht das Gleiche.
ist es. Alle wollten Global-Player werden - sie hatten nicht die Voraussetzungen dazu.
chagall1985 21.03.2011
5. Management aus dem Lehrbuch
Solve it, Fix it or sell it. Mehr braucht man im Management nicht wirklich. Er hat den Mist übernommen. Versucht das Problem zu lösen. Scheiterte und verkaufte es. Jetzt wird er gelobt für eine Entscheidung die schon vor Jahren hätte fallen müssen. Unsere Journalisten sollten mal eine Kosten Nutzen Rechnung aufmachen über die wirklichen "Gewinne" die die Telekom aus diesem Angagement gezogen hat. Ich würde mich nicht wundern wenn da einige Milliarden Verlust hinter dem Komma stehen.
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