Plus 2,2 Prozent Deutsche Wirtschaft boomt wie zuletzt 1990

So ein starkes Wachstum gab es zuletzt vor der Wiedervereinigung: Um 2,2 Prozent legte die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal zu. Neben dem Export wirkte sich der steigende Konsum der Deutschen positiv aus.
Autoproduktion in Wolfsburg: Wirtschaft erholt sich schneller als erwartet

Autoproduktion in Wolfsburg: Wirtschaft erholt sich schneller als erwartet

Foto: KAI-UWE KNOTH/ AP

Berlin - Die Wirtschaft in Deutschland erholt sich schneller als von Experten erwartet: Im zweiten Quartal legte das Bruttoinlandsprodukt um 2,2 Prozent zu, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mit. Das ist der größte Anstieg in einem Quartal seit der Wiedervereinigung. "Der zum Jahreswechsel 2009/2010 ins Stocken geratene Aufschwung der deutschen Wirtschaft hat sich damit eindrucksvoll zurückgemeldet", sagen die Statistiker.

Das stärkste Wachstum übertraf die Erwartungen der Analysten deutlich: Sie hatten nur mit einem Plus von 1,3 Prozent gerechnet. Zudem fiel das Wachstum im ersten Quartal mit 0,5 Prozent besser aus als zunächst mit 0,2 Prozent berechnet. Verglichen mit dem Vorjahr legte die Wirtschaftsleistung um 4,1 Prozent zu.

Der Boom hat mehrere Ursachen: Er wird von den Exporten angetrieben, aber auch vom privaten Konsum der Deutschen, der über Jahre schwach war. Zudem wirken sich den Statistikern zufolge die Konjunkturprogramme des Staates positiv aus. Die Unternehmen investieren außerdem wieder mehr.

Im vergangenen Jahr war Deutschland in der Folge der Finanzkrise in eine schwere Rezession gerutscht. Die Wirtschaft war um 4,7 Prozent geschrumpft, wie das Statistische Bundesamt nun mitteilte. Es korrigierte damit die bisherigen Zahlen leicht, die ein Minus von 4,9 Prozent ausgewiesen hatten. Die beispiellosen Schwankungen in der jüngsten Krise führen dazu, dass die Wachstumswerte ungewöhnlich stark korrigiert werden müssen.

Brüderle will bei Anti-Krisen-Programmen kürzen

Die meisten Wirtschaftsforscher trauen Deutschland in diesem Jahr ein Wachstum von mehr als zwei Prozent zu. Wirtschaftsminister Rainer Brüderle gibt sich ebenfalls optimistisch: "Wir erleben derzeit einen Aufschwung XL", sagte der FDP-Minister. Ein Wachstum von weit mehr als zwei Prozent für 2010 rücke "in den Bereich des Möglichen". Bislang erwartet die Regierung für das laufende Jahr ein Wachstum von 1,4 Prozent.

Brüderle will nun bei den staatlichen Programmen gegen die Krise kürzen. Die neuen Zahlen seien eine "klare Ermutigung, den Ausstieg aus der staatlichen Krisenfürsorge fortzusetzen", sagte er. Stattdessen solle die Regierung den Sparkurs "entschlossen weiterführen". So könnten Spielräume für die Entlastung vor allem der Normalverdiener erschlossen werden.

Ob der Boom auch 2011 anhält, ist allerdings ungewiss. Experten rechnen für das kommende Jahr nur noch mit einem Wachstum von etwa 1,5 Prozent, weil die Weltwirtschaft mit dem Auslaufen der staatlichen Konjunkturprogramme an Schwung verlieren dürfte.


Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, das Wachstum sei das stärkste seit 1987. Diese Aussage beruhte auf Angaben des Statistischen Bundesamtes. Inzwischen hat das Amt sich korrigiert - es handle sich lediglich um das stärkste Wachstum im wiedervereinigten Deutschland. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

cte/AFP/Reuters
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