Möglicher Pofalla-Wechsel "Politiker im Vorstand steigern den Unternehmenswert"

Sollte die Bahn Ronald Pofalla in die Konzernspitze holen? Ja klar, sagt der Lobbyismus-Experte Jörg Rocholl - und vergleicht den Ex-Kanzleramtsminister mit einem Teebeutel, der frisch aufgegossen wird.

Ronald Pofalla: Umstrittene Wechselpläne
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Ronald Pofalla: Umstrittene Wechselpläne

Ein Interview von und


Zur Person
  • Jörg Rocholl, 40, ist Präsident der European School of Management and Technology (ESMT) in Berlin. Er hat für die Boston Consulting Group und die Deutsche Bank gearbeitet und an der renommierten Columbia Business School Wirtschafts- und Finanzwissenschaften studiert.

SPIEGEL ONLINE: Herr Rocholl, wäre es für die Bahn eine gute Idee, Ronald Pofalla in den Vorstand zu berufen?

Rocholl: Eindeutig ja. Wir haben in den USA die Entwicklung von Unternehmen untersucht, die einen Ex-Politiker in den Vorstand geholt haben. Die Studien zeigen einen positiven Zusammenhang: Die Unternehmen bekommen mehr Regierungsaufträge, ihre Aktienkurse ziehen an. Es müssen allerdings Ex-Politiker sein, die Zugang zur richtigen Partei haben. Zu der, die regiert. Nur dann funktioniert das auch.

SPIEGEL ONLINE: Die Bahn ist ein Staatsbetrieb. Eigentlich braucht sie keinen privilegierten Zugang zur Politik, sie ist Teil von ihr.

Rocholl: Das stimmt. Aber auch die Deutsche Bahn unterliegt regulatorischen Anforderungen, auch ihr nützen Kontakte in die Politik. Wäre die Bahn börsennotiert, hätte sie mit einem Vorstandsmitglied Pofalla sicher Vorteile am Aktienmarkt. In den USA habe ich mir Unternehmen wie Boeing angeguckt, die sehr stark von staatlichen Aufträgen abhängen. Wer Politiker der Mehrheitspartei in Senat und Repräsentantenhaus im Vorstand hatte, bekam mehr öffentliche Aufträge.

SPIEGEL ONLINE: Ist das nicht ein Indiz für Korruption im System? Bei öffentlichen Ausschreibungen sollte es doch keine Rolle spielen, ob ein Bewerber politisch gut vernetzt ist.

Rocholl: Der Verdacht auf Korruption ist in diesen Fällen immer gegeben. Gerade deshalb ist es so wichtig, dass es klare Regeln gibt, wenn Politiker in Unternehmen wechseln.

SPIEGEL ONLINE: Nämlich?

Rocholl: Transparenz und Karenzzeiten. Eine Auszeit ist vor allem dann wichtig, wenn der neue Job eines Politikers mit seinem alten zu tun hat. Unnötig finde ich eine längere Karenzzeit, wenn beispielsweise ein ehemaliger Landwirtschaftsminister in die Autoindustrie wechselt.

SPIEGEL ONLINE: Und im Fall von Pofalla?

Rocholl: Bei ihm gibt es kaum eine Tätigkeit, die sich nicht mit seiner alten überschneidet. Es sei denn, er würde in den Hochschulbereich gehen.

SPIEGEL ONLINE: Ihr Fazit lautet also: Lobbyismus lohnt sich. Gilt das auch für Parteispenden?

Rocholl: Das haben wir auch untersucht. Hier waren die Effekte aber nicht so deutlich. Spenden sind nichts Dauerhaftes. Wenn ich jedoch einen Politiker einstelle, ist das eine sehr deutliche Aussage, die nicht so leicht revidiert werden kann. Die Reaktion am Aktienmarkt ist übrigens besonders positiv, wenn ein Politiker zum ersten Mal in einen Vorstand berufen wird. Wechselt derselbe Mann später in ein anderes Unternehmen, fällt das Echo schon nicht mehr ganz so positiv aus. Das ist wie mit einem Teebeutel: Jedes Mal, wenn ich ihn in die Tasse hänge, wird die Wirkung schwächer.

insgesamt 72 Beiträge
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Seite 1
ambulans 13.01.2014
1. jesus -
die verpflichtung von r. pofalla soll "den unternehmenswert steigern"? etwa - von minus unendlich auf irgend etwas deutlich unter null?
marty_gi 13.01.2014
2. gesteigerter Unternehmenswert?
Ich will vernuenftigen Service, und Einhaltung dessen, wofuer man gezahlt hat (nicht "Verspaetung wegen Verzoegerung"!). Der Unternehmenswert ist mir schnuppe, der macht den Laden auch nicht puenktlicher
orthos 13.01.2014
3. Die USA sind n super Beispiel!
Die USA sind n super Beispiel. Überwaschungsstaat, Pleite und undemokratisch! Wieso sollten wir solch einen Staat als vorbild nehmen?
visitor_2007 13.01.2014
4. der klassische Bärendienst
Au weia, manche Formulierungen bleiben hängen - Ronald "Teebeutel" Pofalla.. Damit hat der Lobbyisums-Experte Herrn Pofalla keinen guten Dienst erwiesen.
rainer_humbug 13.01.2014
5.
Zitat von sysopDPASollte die Bahn Ronald Pofalla in die Konzernspitze holen? Ja klar, sagt der Lobbyismus-Experte Jörg Rocholl - und vergleicht den Ex-Kanzleramtsminister mit einem Teebeutel, der frisch aufgegossen wird. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/pofallas-wechsel-zur-deutschen-bahn-interview-mit-joerg-rocholl-a-942928.html
Ja na klar! Denn die Selbstbediener im Vorstand möchten auch in Zukunft große Kasse machen, ohne selber in die Infrastruktur investieren zu müssen. Nur mit direktem Einfluss auf die Politik lässt sich das noch bewerkstelligen, da dort scheinbar keiner in der Lage ist sich um das eigentliche Kerngeschäft zu kümmern, den Transport der Kunden und von Gütern. Ticketpreise immer schön erhöhen und gleichzeitig Linien zusammenstreichen und Fahrpläne kürzen, das können sie. Langfristig lässt sich so aber kein Profit machen, es sei denn man hat seine Connections in der Politik, dann kann man selbst mir leeren Zügen, bzw. nicht fahrenden Zügen Geld machen. Die Connections haben se ja sowieso, nur versucht man das jetzt offenbar Gesellschaftsfähig zu machen.
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