Nintendo und Apple Wer am "Pokémon Go"-Hype verdient

Der Erfolg von "Pokémon Go" lässt Investoren träumen: Der Kurs der Nintendo-Aktie steigt um mehr als 50 Prozent. Es ist eine Wette auf einen ungewissen Erfolg - denn an dem Spiel verdienen bisher andere.
Pikachu und anderes Spielzeug

Pikachu und anderes Spielzeug

Foto: KAZUHIRO NOGI/ AFP

Sie können es noch: 20 Jahre nach ihrer Einführung sind die Pokémons zurück. Das Spiel "Pokémon Go" gibt es nun auch in Deutschland - und es bricht derzeit einen Rekord nach dem anderen. Server sind überlastet, in den USA hat "Pokémon Go" schon Verkehrsunfälle verursacht.

An der Börse in Tokio schoss der Aktienkurs von Nintendo in die Höhe: Innerhalb von einer Woche gewann das Unternehmen 52 Prozent an Wert. Dabei ist völlig ungewiss, ob Nintendo mit "Pokémon Go" überhaupt Geld verdienen kann. Woher kommt der Hype? Und was sind die Risiken? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Warum ist die Börse so begeistert?

Am 6. Juli wurde "Pokémon Go" veröffentlicht, dann stieg der Börsenkurs von Nintendo innerhalb weniger Tage von 14.380 Yen auf 25.300 Yen, rund 216 Euro.

"Pokémon Go" habe gezeigt, dass es viele Nintendo Fans gibt, die die Inhalte auf dem Smartphone ausprobieren wollen, schreibt ein Analyst der Deutschen Bank.

Der Hintergrund: Bisher hatte Nintendo sich geweigert, seine bekannten Marken wie "Pokémon" oder "Super Mario" auf Smartphones zu vertreiben. Stattdessen mussten Nutzer Nintendo-Hardware kaufen, um die Spiele zu spielen. Doch genau dieses Kerngeschäft schwächelte in den vergangenen Jahren. Nach den Welterfolgen Nintendo DS und Wii floppten die Nachfolger 3DS und Wii U.

In der Folge gingen die Umsätze des Spieleriesen zurück. Der Aktienkurs stürzte mit der Finanzkrise ab und dümpelte jahrelang bei 10.000 Yen. Nun haben die Aktionäre neue Hoffnung.

Wer verdient an "Pokémon Go"?

Nintendo selbst hat mit "Pokémon Go" erstmal wenig zu tun. Entwickelt hat das Spiel die Software-Firma Niantic in Kooperation mit The Pokémon Company, die die Rechte an den kleinen bunten Kreaturen besitzt. Da das Spiel kostenlos ist, verdient auch an den millionenfachen Downloads zunächst niemand etwas.

Erst wenn Nutzer in der App Extras kaufen, fließt Geld. Von einem Euro gehen 30 Cent an die Store-Betreiber Apple beziehungsweise Android. Nach Schätzungen des Analysten David Gibson von Macquarie Capital Securities gehen von den verbleibenden 70 Cent

  • 30 Cent an Niantic,
  • 30 Cent an The Pokémon Company und
  • gerade einmal zehn Cent direkt an Nintendo.

Die Unternehmen haben diese Zahlen bisher nicht offiziell bestätigt, die Kooperationsvereinbarung ist nicht öffentlich.

Nintendo verdient zudem auf jeden Fall indirekt mit: Der Spielekonzern besitzt laut Geschäftsbericht 32 Prozent an The Pokémon Company und einen Anteil in unbekannter Höhe an Niantic.

Trotzdem müsste "Pokémon Go" ein Dauerrenner werden, um Nintendos Gewinn merklich zu beeinflussen. Die Investmentbank Morgan Stanley beziffert den nötigen Umsatz auf 140 bis 196 Millionen Dollar pro Monat - und zwar dauerhaft. In den ersten Tagen lagen die geschätzten Umsätze in dieser Größenordnung.

Video: So funktioniert die Monsterjagd

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Wie geht es weiter?

Das ist die große Frage. Zwei Szenarien sind denkbar:

1. Das Top-Szenario

Der "Pokémon Go"-Hype bleibt bestehen und wird für Nintendo zum erfolgreichen Start in Welt der Smartphone-Spiele. Mit "Super Mario" und "Zelda" für das Smartphone kann Nintendo weitere erfolgreiche Marken auf die Handys bringen.

Auch Zusatzgeräte wie das Armband "Pokémon Go Plus" werden ein Erfolg. Mit dem Gerät wird Nutzern angezeigt, wenn ein Pokémon in der Nähe ist, ohne dass sie auf ihr Handy schauen müssen. Das Armband will Nintendo demnächst auf den Markt bringen.

Die Nutzer bekommen durch die Smartphone-Spiele wieder Lust auf die alten Bekannten und Nintendo kann in seinem Kerngeschäft, den Spielen auf den eigenen Geräten, wieder wachsen.

2. Das Flop-Szenario

Die Aufregung um "Pokémon Go" hält nur kurz. Nachdem die Nutzer die 150 verfügbaren Pokémons gefangen haben, wenden sie sich wieder ab. Statt die Verkäufe der eigenen Nintendo-Geräte anzukurbeln, passiert das Gegenteil: Die Nutzer spielen lieber die kostenlose Version auf einem Gerät, das sie sowieso schon besitzen.

Der Erfolg von "Pokémon Go" könnte sich so ins Gegenteil verkehren. Die Aktie wäre dann wohl ganz schnell wieder zurück bei 10.000 Yen.