Politische Börse Aktien-Profis hoffen auf Kurssprung nach der Wahl

Die Parteien haben mit dem Wahlkampf gerade erst angefangen, da beginnt für Anleger schon die Zeit der Vorfreude. Denn in diesem Jahr wird der Urnengang für die Börse besonders wichtig: Je nach Ausgang könnten die Kurse in die Höhe schnellen.
Von Arne Gottschalck
Aktienmarkt in Frankfurt: "Politische Börsen haben kurze Beine"

Aktienmarkt in Frankfurt: "Politische Börsen haben kurze Beine"

Foto: A3399 Arne Dedert/ dpa

Hamburg - Noch drei Wochen sind es bis zur Bundestagswahl. Doch was bedeutet das für Aktionäre? Viele Anleger winken ab. Politische Börsen hätten kurze Beine, besagt eine alte Anlegerweisheit. Dabei ist das ein Fehler. Denn die Politik ist wichtiger für die Börse, als viele meinen.

Michael Bechtel vom "Center for Comparative and International Studies" der ETH Zürich beobachtet das Thema seit Jahren. "Der Dax   unterliegt unterschiedlichen politischen Einflüssen", sagt er. "Bemerkenswert ist, dass vor allem die Volatilität steigt, wenn die Erwartungen für den Ausgang einer Wahl sich ändern. Die Dax-Renditen selbst scheinen weniger betroffen."

"Früher war so etwas einfacher zu beurteilen, da gab es das bürgerliche Lager, gebildet von CDU und FDP, und das linke Lager mit SPD und Grünen. SPD und CDU dominierten dabei das Parteiensystem." Drohten die Linken an die Macht zu kommen, stiegen die Volatilitäten regelmäßig an, sagt Bechtel, anders als bei der Vision einer unionsgeführten Regierung.

Doch diese Links-Rechts-Unterscheidung ist nicht mehr so einfach, wie die jüngsten Landtagswahlen gezeigt haben. "Da sind über kurz oder lang auch bundespolitisch ganz neue Konstellationen denkbar", sagt der Experte. Wie sich diese neuen Koalitionsoptionen und die damit verbundenen Unsicherheiten auf die Börse auswirken, sei wissenschaftlich noch nicht erforscht.

Vor einer Wahl geht es traditionell nach unten

Trotzdem steht fest: Je nach Branche ist der Ausgang der Bundestagswahl sehr wohl entscheidend. "Bestimmte Werte profitieren eher von einer wahrscheinlicher werdenden bürgerlichen Regierung, zum Beispiel Rüstungsunternehmen. Hier nimmt die Rendite zu, wenn eine schwarz-gelbe Regierung wahrscheinlicher wird. Bei einer Regierung aus dem linken Lager sind es eher Unternehmen aus dem Sektor erneuerbare Energien", erklärt Bechtel.

In diesem Jahr könnte dies besonders spannend werden. Denn die Bundestagswahl am 27. September hat größeren Einfluss als sonst, sagt Robert Smith. Der Brite analysiert Deutschlands Börsen von Amts wegen - er ist Fondsmanager des Baring German Growth Fund. "Das könnte dann der Fall sein, wenn das Ergebnis unerwartet im Vergleich zu den laufenden Umfragen und Hochrechnungen ausfällt und damit ein deutlicher Schwung nach rechts oder links einherginge."

So wie im Saarland, wo Die Linke mehr als 20 Prozent der Wählerstimmen bekam. Der Einfluss von Wahlen zeigt sich aber auch an einem einfacheren Beispiel: den Aktien der Atomkonzerne RWE   oder E.on  . Stärke die Wahl den Konservativen den Rücken, "bedeutet das unter anderem eine Verlängerung der Laufzeit, wovon diese Unternehmen profitieren würden."

Auch die Fondsgesellschaft Frankfurt Trust hat in einer Studie genauer hingesehen. Fazit: Die ersten 100 Tage vor einer Wahl tendierten die Aktienmärkte regelmäßig nach unten - immerhin in 11 von 13 Wahlen soll das so gewesen sein. Im Schnitt lag der Verlust bei acht Prozent. Nach einer Wahl soll übrigens ein Wechsel den Börsen generell auf die Sprünge helfen. Unabhängig von der politischen Ausrichtung der neuen Regierung.