Sozialbetrug in Millionenhöhe Spanische Polizei zerschlägt Netz von Scheinfirmen

Die Unternehmen täuschten Arbeiten in Hotels, auf Baustellen und im Reinigungsgewerbe vor: Die spanische Polizei hat rund 750 Verdächtige festgenommen, die ein Netz von Scheinfirmen betrieben haben sollen - um später Arbeitslosenhilfe zu kassieren.

Kran vor der Skyline von Madrid: Sozialbetrug mit angeblichen Bauunternehmen
AP

Kran vor der Skyline von Madrid: Sozialbetrug mit angeblichen Bauunternehmen


Madrid - Die spanische Polizei hat ein Netz von Scheinfirmen zerschlagen, das die staatliche Sozialversicherung um mehr als 20 Millionen Euro betrogen haben soll. In mehreren Städten Spaniens seien insgesamt mehr als 750 Verdächtige festgenommen worden, teilte der spanische Polizeichef Ignacio Cosidó mit.

Es handele sich "ohne Zweifel" um die bislang größte Polizeioperation gegen diese Art von Betrug in Spanien, sagte Cosidó. Die Ermittlungen laufen den Behörden zufolge weiter, außer den nun Festgenommenen gebe es noch 1256 weitere Verdächtige.

Unter den Beschuldigten seien 30 Manager von angeblichen Unternehmen, die im ganzen Land Arbeiten etwa in Hotels, auf Baustellen und im Reinigungsgewerbe vorgetäuscht hätten. Dem Netz gehörten Polizeiangaben zufolge rund 140 Scheinfirmen an, die sich als Hotels, Baufirmen, Botendienste, Reinigungsunternehmen oder Gärtnereien ausgaben. Sie zahlten nach Angaben der Ermittler für vermeintliche Beschäftigte geringe Beiträge an die Sozialversicherung und kassierten später Arbeitslosenhilfen.

Zudem verhalfen sie 362 Ausländern mit falschen Arbeitsverträgen zu Aufenthaltsgenehmigungen. Die Verdächtigen wurden in Madrid, Barcelona, Alicante und anderen spanischen Städten dingfest gemacht. In welchem Zeitraum die Festnahmen erfolgten, wurde nicht mitgeteilt.

Die spanische Polizei hat den Kampf gegen Sozialbetrug zu einer "strategischen Priorität" erhoben; die Zahl der dafür eingesetzten Beamten wurde verdoppelt. Sei Anfang Januar seien dreimal so viele Menschen wegen Sozialbetrugs festgenommen worden wie im gesamten vergangenen Jahr, sagte Cosidó.

bos/dpa/AFP

insgesamt 9 Beiträge
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TS_Alien 14.05.2014
1.
Scheinfirmen gibt es auch in Deutschland. Mitunter sind alle (!) erwachsene nahe Verwandte bei einem Restaurantbetrieb Selbständige und können sich lustig Rechnungen über Rechnungen schreiben. So wird der Gewinn steuergünstig verteilt. Und natürlich hat jeder dieser Selbständigen auch entsprechende Ausgaben. Natürlich auf dem Papier. Und bei Bedarf wird ein entfernter Verwandter oder Bekannter für kurze Zeit angestellt, um hinterher alles mögliche zu kassieren. Bei Langzeitarbeitslosen (findet man oftmals am Bahnhof) bezahlt sogar der Staat noch einen Teil des Gehalts, das nur auf dem Papier in voller Höhe ausgezahlt wird. Interessant ist, dass in Spanien dagegen vorgegangen wird. In Deutschland leider nicht.
herbert 14.05.2014
2. Genau das ist das Problem der EU
Zitat von sysopAPDie Unternehmen täuschten Arbeiten in Hotels, auf Baustellen und im Reinigungsgewerbe vor: Die spanische Polizei hat rund 750 Verdächtige festgenommen, die ein Netz von Scheinfirmen betrieben haben sollen - um später Arbeitslosenhilfe zu kassieren. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/polizei-in-spanien-zerschlaegt-netz-von-scheinfirmen-a-969434.html
und des Euros! Die Mittelmeerländer, egal welches Land man betrachtet, haben nicht die Ehrlichkeit, die für eine EU gebraucht wird. Diese Art von Skandale sind der Alltag ! Wer solche Länder noch mit Geld unterstützt, ist schlicht dumm !
women_1900 14.05.2014
3.
Plünderung der Sozialsysteme ist in Deutschland ganz legal: Amazon beschäftigt Aufstocker oder bekommt zur Saison kostenfrei Leute von der Arge, Kindergeld für Saisonarbeiter, deren Kinde rnicht in Deutschland leben, sichert Billigstlohn usw. usw. In D brauchts gar keine Scheinfirmen. Hier wird die Plünderung der Sozialsysteme staatlich unterstützt, forciert.
el_realist 14.05.2014
4. Normal würde ich sagen
Eine Gaststätte um die Ecke wird von einem Paar geführt. Einer von beiden ist als Arbeitslos gemeldet und wohnt bei seinem Partner zur Untermiete, so gibts H4+Wohngeld. Möchte nicht wissen, wie oft so etwas gemacht wird. Aber das sind wohl die Auswüchse eines komplett aus dem Ruder gelaufenen Sozialsystem. Komischerweise liest man davon nie irgendetwas, sondern nur von den bösen Reichen... Das Schlimme: Die dafür Verantwortlichen werden immer wieder gewählt.
cutestrabbitonearth 15.05.2014
5. Ich verstehe den Text nicht
"Dem Netz gehörten ... rund 140 Scheinfirmen an, die sich als Hotels, Baufirmen, Botendienste, Reinigungsunternehmen oder Gärtnereien ausgaben. Sie zahlten ... für vermeintliche Beschäftigte geringe Beiträge an die Sozialversicherung und kassierten später Arbeitslosenhilfen." Arbeitslosenhilfe können doch nur Arbeitslose beantragen und erhalten? Wie können denn Scheinfirmen Arbeitslosenhilfe für (reale oder vielleicht auch gar nicht vorhandene) Personen erhalten?
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