VW-Tochter Ukrainekrieg gefährdet Börsenpläne der Porsche AG

Der Autokonzern VW will seine Sportwagentochter Porsche eigentlich noch 2022 an die Börse bringen. Doch Russlands Angriff auf die Ukraine sorgt für Verunsicherung.
Porsche-Produktion in Leipzig

Porsche-Produktion in Leipzig

Foto: Jan Woitas / dpa

Der Krieg in der Ukraine belastet die Börsenpläne für den Sportwagenbauer Porsche AG. Der Volkswagen-Haupteigner Porsche SE hält es zumindest grundsätzlich für möglich, dass er das womöglich 80 Milliarden Euro schwere Vorhaben bei einem länger dauernden Krieg überdenken muss.

»Wir können auch nicht ausschließen, wenn der Konflikt länger andauert, dass sich hier potenzielle Implikationen auf den Börsengang ergeben«, sagte Porsche-SE-Finanzchef Johannes Lattwein bei der Bilanzpräsentation. Das Unternehmen hoffe jedoch auf eine diplomatische Lösung – und darauf, dass sich die konjunkturellen Risiken durch den russischen Überfall auf das Nachbarland in Grenzen hielten.

Erst im Februar war bekannt geworden, dass Volkswagen den Börsengang von Porsche für 2022 vorbereitet. Laut einer Vereinbarung zwischen Volkswagen und den Familieneignern soll das Grundkapital der Porsche AG je zur Hälfte in Vorzugs- und Stammaktien aufgeteilt werden. Bis zu 25 Prozent der stimmrechtslosen Vorzüge sollen am Kapitalmarkt platziert werden, also 12,5 Prozent des Gesamtkapitals. Die Porsche Automobil Holding SE (PSE), über die die Familien Porsche und Piëch die Mehrheit an Volkswagen halten, soll 25 Prozent zuzüglich einer Aktie der Stammaktien zeichnen und erhält damit eine Sperrminorität.

Der Vorstand der Volkswagen-Dachgesellschaft Porsche SE: Lutz Meschke, Manfred Döss, Hans Dieter Pötsch und Johannes Lattwein (v.l.)

Der Vorstand der Volkswagen-Dachgesellschaft Porsche SE: Lutz Meschke, Manfred Döss, Hans Dieter Pötsch und Johannes Lattwein (v.l.)

Foto: Marijan Murat / dpa

Entscheidung Ende September erwartet

Die PSE bekräftigte nun ihre Unterstützung für den Börsengang der VW-Tochter Porsche AG. Durch ihn wollen die Eignerfamilien wieder Zugriff auf den Sportwagenbauer und damit auf ein wichtiges Stück Familiengeschichte bekommen. Auf Fragen, unter welchen Bedingungen der Porsche-Börsengang nicht stattfinden würde, antwortet PSE-Chef Hans Dieter Pötsch, es sei davon auszugehen, dass es bei Volkswagen dazu klare Vorstellungen gebe.

Volkswagen hatte zuletzt Mitte März bekräftigt, an einem möglichen Börsengang im vierten Quartal 2022 werde weiter gearbeitet. Ende September wird dazu eine Grundsatzentscheidung erwartet. Analysten halten bei gutem Börsenumfeld eine Bewertung der Porsche AG mit 80 Milliarden Euro und mehr für möglich. Zum Vergleich: Der Wolfsburger Mutterkonzern mit seinen zwölf Marken ist nach Analysten-Schätzungen an der Börse derzeit knapp 97 Milliarden Euro wert.

Porsche-SE-Chef Hans Dieter Pötsch, der in Personalunion den Aufsichtsrat des Wolfsburger VW-Konzerns leitet, hofft durch den Börsengang auf höhere finanzielle Flexibilität für Volkswagen und eine schnellere technologische und industrielle Transformation.

Die Porsche AG würde ihrerseits größere unternehmerische Freiheiten erhalten und könnte trotzdem weiterhin die Synergien im Konzernverbund nutzen. Bei einem Börsengang würde auch die Bewertung der Porsche AG am Kapitalmarkt sichtbar. Es entstehe zudem eine attraktive Bewertungsperspektive für Volkswagen. Von beidem profitiere auch die Porsche SE.

apr/Reuters