Prozess gegen Holger Härter Ex-Porsche-Manager weist Betrugsvorwurf zurück

Er war fast ganz oben, nun steht er vor Gericht. Der ehemalige Porsche-Finanzchef Holger Härter wurde einst für seine Tricks im Übernahmekampf mit VW gefeiert. Doch die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, sich einen Bankkredit erschlichen haben. Zum Prozessbeginn streitet der Ex-Manager alles ab.

Holger Härter im Gerichtssaal: Mit "gewohnter Gelassenheit"
dapd

Holger Härter im Gerichtssaal: Mit "gewohnter Gelassenheit"


Stuttgart - Vehement wehrt sich Holger Härter gegen die Vorwürfe, die ihn vor Gericht gebracht haben. "Ich weise die Vorwürfe eindeutig zurück", sagte der frühere Finanzchef des Autoherstellers Porsche siegessicher, "sie sind nachweisbar unrichtig und ich werde das jetzt in der Gerichtsverhandlung in meiner gewohnten Gelassenheit vortragen und auch die Dinge klarstellen."

Vor dem Stuttgarter Landgericht hat am Mittwoch ein Prozess begonnen, der aus einem der größten Dramen der deutschen Wirtschaftsgeschichte entstanden ist: Zwischen 2005 und 2009 versuchten der damalige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und sein Finanzvorstand Holger Härter den deutlich größeren Partner Volkswagen zu übernehmen. Wiedeking machte die Pläne, Härter tüftelte an waghalsigen Finanzkonstrukten. Am Ende scheitern beide.

Wiedeking hat sich mit den Millionen, die er zu Porsche-Zeiten verdiente, zurückgezogen. Sein Partner Härter steht nun vor Gericht - zusammen mit zwei damaligen Mitarbeitern. Sie müssen sich wegen des Vorwurfs des gemeinschaftlichen Kreditbetrugs verantworten.

Es geht um einen Milliarden-Kredit

Die Staatsanwaltschaft wirft den drei Ex-Managern vor, einer Bank wichtige Angaben verheimlicht haben, um während des turbulenten Übernahmeversuchs leichter an fehlendes, frisches Geld zu kommen. Es geht um die Anschlussfinanzierung eines damals dringend benötigten Zehn-Milliarden-Euro-Kredits, der im Frühling 2009 von einem Bankenkonsortium fließen sollte.

Beteiligt mit 500 Millionen Euro war laut Anklage auch die französische Bank BNP Paribas. Ihr soll Porsche bei den Kreditverhandlungen eigene Finanzrisiken von bis zu 1,5 Milliarden Euro verschwiegen haben. Es geht dabei um mitunter schwierig zu planende Geldgeschäfte, mit deren Strategie sich Porsche nach und nach die Macht beim VW-Konzern sichern wollte.

Die Staatsanwaltschaft spricht sowohl von falschen Angaben als auch von bewusst zurückgehaltenen Informationen. Das wertet die Anklagebehörde als Kreditbetrug. Der ist auch strafbar, falls der Bank - so wie im vorliegenden Fall - am Ende kein Schaden entstand.

In einer rund einstündigen Erklärung gab sich Härter zum Start des Prozesses siegessicher. Er warf der Staatsanwaltschaft vor, bei ihren Ermittlungen einen zentralen Begriff der englischsprachigen Finanzwelt falsch übersetzt zu haben und die Anklage damit auf falschen Voraussetzungen aufzubauen.

Der seit Monaten mit Spannung erwartete Prozess in Stuttgart wird sich aller Voraussicht nach noch bis ins nächste Jahr hineinziehen. Die vorläufige Liste mit Verhandlungsterminen reicht bis zum Januar. Härter drohen bis zu drei Jahre Haft oder eine Geldstrafe in Höhe eines Netto-Jahreseinkommens.

Doch für den ehemaligen Top-Manager könnte es noch schlimmer kommen. Denn neben dem Vorwurf Kreditbetrug ermittelt die Staatsanwaltschaft in dem Fall zusätzlich auch noch wegen Untreue und Marktmanipulation. Dabei muss auch Ex-Porsche-Boss Wiedeking eine Anklage fürchten.

stk/dpa-AFX/AFP



insgesamt 6 Beiträge
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ferdi111 05.09.2012
1. ha ha
Herr Härter wird die Staatsanwaltschaft am Nasenring durch die Arena schleifen...am Ende bleibt ein Prozess, den der Steuerzahler bezahlt! Die Geldgeschäfte checkt doch niemand und die Interpretationsmöglichkeiten sind hier grenzenlos. So einen Prozess gegen Manager sollte man verbieten, weil sie hinten und vorne keinen Wert haben. Und falls doch...die 500000 Euro (selbstredend mit Bewährung) kramt die kleine Tochter aus dem Sparschwein...einfach nur LACHHAFT! LOL
Blaufrosch 05.09.2012
2. nixn hahaha
Da wäre ich mir mal nicht so sicher, dass ein Herr Härtter hier Nasenringarena spielt... spätestens seit dem arroganten Auftritt eines Dirk Notheis vor dem EnBW U-Ausschuss wissen wir ja, wie man sich als Banker blamieren kann, da helfen auch die bornierten HInweise auf fehlende Sprachkenntnisse bei den Ermittlern nichts. Sowas kommt meistens ganz schlecht an. Herr Härter ist beruflich verbrannt, keiner wird ihn mehr einstellen. Der Arme muss jetzt also als Freelancer arbeiten... wie grausam. Dumm eben, wenn man global Player sein will und dann feststellt, dass einem das notwendige Kapital dazu ausgeht... Ob Härter oder Wiedeking hinterher Strafen aus dem Sparschwein bezahlen oder nicht, spielt keine Rolle. Entscheidend ist das Signal! Blender und Selbstüberschätzer werden enttarnt. So wird das auch im Fall Mappus und Notheis passieren.
ofelas 05.09.2012
3. mal schauen
Zitat von ferdi111Herr Härter wird die Staatsanwaltschaft am Nasenring durch die Arena schleifen...am Ende bleibt ein Prozess, den der Steuerzahler bezahlt! Die Geldgeschäfte checkt doch niemand und die Interpretationsmöglichkeiten sind hier grenzenlos. So einen Prozess gegen Manager sollte man verbieten, weil sie hinten und vorne keinen Wert haben. Und falls doch...die 500000 Euro (selbstredend mit Bewährung) kramt die kleine Tochter aus dem Sparschwein...einfach nur LACHHAFT! LOL
Dann soll der Staatsanwalt mal die Informationen die Haerter und Freunde den Banken gegeben haben unter die Lupe nehmen - bei der Darlehensverhandlungen (VW Uebernahme) wurden gelogen das sich die Balken biegen
zberg 05.09.2012
4. hhaarrtt
abwarten. wenn ein gericht die anklage zuläßt,kann auch ein überselbstbewußter härter die vorwürfe nicht in gewohnter schau aus der welt schaffen. es wird bestimmt lustig dargelegt zu bekommen ,wie ein weltfinanzmann die eigene firma verspielt. ein tor sozusagen aufs eigene tor spielt
2049er 05.09.2012
5. ...der sieht aber nett aus....dem glaub ich Alles.
der ist auch 100% an gar nix schuld. versprochen !
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