Porsche gegen Audi "Ich kann diese ganzen Lügen nicht mehr ertragen"

Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück greift die Konzernschwester Audi frontal an und verlangt die Entlassung von deren Vorstand. In der Dieselaffäre fühle er sich "von Audi betrogen".
Uwe Hück

Uwe Hück

Foto: Felix Kaestle/ AP

Im Volkswagenkonzern ist ein bemerkenswerter Streit zwischen den Töchtern Porsche und Audi entbrannt. Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück sieht sein Unternehmen von der VW-Konzernschwester Audi hintergangen. Grund: die Abgasaffäre .

"Ich werde es nicht zulassen, dass Porsche durch Tricksereien von Audi in Gefahr gerät", sagte Hück der "Bild am Sonntag". Er forderte die Entlassung von Vorständen bei Audi. "Eigentlich muss der Audi-Aufsichtsrat die Vorstände freistellen."

Hintergrund seiner Kritik: Bei Audi sollen Teile des Dieselskandals ihren Ursprung haben. "Dieselgate" war im September 2015 bekannt geworden, als US-Behörden und Forscher einen höheren Ausstoß gefährlicher Stickoxide von VW-Dieselautos im Straßenbetrieb aufgedeckt hatten. Der Konzern räumte daraufhin ein, eine Software ("defeat device") eingesetzt zu haben, die nur bei Tests die Reinigung voll aktivierte.

"Ich glaube denen gar nichts mehr"

Von Audi gingen später auch große 3,0-Liter-Dieselantriebe, deren Betrieb zumindest in den USA nicht vorschriftsgemäß war, an Porsche und VW. Dies seien "kranke Motoren" gewesen, sagte Hück: "Wir fühlen uns von Audi betrogen." Er könne nun "diese ganzen Lügen nicht mehr ertragen".

Inzwischen laufen auch gegen Porsche-Mitarbeiter Betrugsermittlungen der Staatsanwaltschaft. "Immer und immer wieder haben sie uns versichert, dass die Motoren in Ordnung sind, sogar schriftlich. Nichts davon stimmte, ich glaube denen gar nichts mehr", sagte Hück mit Blick auf die Audi-Chefetage.

Zu der manipulativen Abgas-Software sagte Hück: "Dieses Krebsgeschwür muss jetzt endlich richtig behandelt werden, und zwar nicht mit Puder, sondern mit Chemotherapie." Er wünsche sich, "dass die Herren Vorstände für den Schaden zahlen müssen, den sie angerichtet haben".

Seine Betriebsratskollegen Bernd Osterloh (VW) und Peter Mosch (Audi) haben das Management bisher nicht so scharf kritisiert.

Neben der Dieselaffäre erschüttert seit Freitag ein weiterer Skandal die deutsche Autoindustrie. Der SPIEGEL hatte enthüllt, dass sich die fünf großen Konzerne Volkswagen, Daimler, BMW, Porsche und Audi über Jahre hinweg im großen Stil bei Technik, Kosten und Zulieferern abgesprochen haben. Die Aktienkurse der Unternehmen sackten daraufhin am Freitag ab.

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hej/dpa-AFX