Porsche-Prozess Freispruch für Wiedeking

Es ging um die gescheiterte Übernahme von Volkswagen durch Porsche - und um Milliardenverluste an der Börse. Jetzt sind Ex-Porsche-Chef Wiedeking und sein früherer Finanzvorstand Härter freigesprochen worden.
Wendelin Wiedeking

Wendelin Wiedeking

Foto: THOMAS KIENZLE/ AFP

Nach fünf Monaten hat das Stuttgarter Landgericht sein Urteil gefällt: Der frühere Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und Ex-Finanzvorstand Holger Härter sind vom Vorwurf der Marktmanipulation freigesprochen worden. In dem Verfahren ging es um die letztlich gescheiterte Übernahme des VW-Konzerns durch Porsche.

"An den Vorwürfen der Stuttgarter Staatsanwaltschaft ist nichts dran, nichts - weder vorne, noch hinten, noch in der Mitte", sagte der Vorsitzende Richter Frank Maurer in seiner Urteilsbegründung.

Die Staatsanwaltschaft hatte den beiden Managern vorgeworfen, sie hätten 2008 Anleger in die Irre geführt und sich der Kursmanipulation schuldig gemacht. Die Anklage hatte für Wiedeking und Härter mehr als zwei Jahre Gefängnis gefordert. Die Verteidiger der Manager hatten dagegen auf Freispruch plädiert.

Holger Härter

Holger Härter

Foto: MICHAELA REHLE/ REUTERS

Knackpunkt war die Frage, wann der Beschluss zur 75-Prozent-Übernahme von VW fiel - laut Staatsanwaltschaft schon Anfang März, laut Wiedeking und Härter erst Ende Oktober. Zwischen den beiden Zeitpunkten hatte Porsche in Pressemitteilungen und Statements mehrfach beteuert, VW nicht beherrschen zu wollen.

Die Staatsanwaltschaft hatte den beiden Top-Managern vorgeworfen, bei der Übernahmeschlacht mit VW 2008 zunächst ihre Pläne verschleiert und dann unvollständig offengelegt zu haben. Dadurch, so die Ankläger, sei der Markt beeinflusst worden. Der VW-Börsenkurs schwankte damals stark, Anleger verloren Milliarden.

Porsche hatte 2008 versucht, den viel größeren Volkswagen-Konzern zu schlucken.  Die Porsche-Manager hatten entsprechende Pläne lange bestritten. Erst Ende Oktober 2008 wurde die Übernahmeabsicht bestätigt. Daraufhin stieg der Wert einer VW-Aktie binnen zwei Tagen etwa um das Fünffache. Investoren, die auf fallende Kurse gesetzt hatten, verloren riesige Summen.

Laut Staatsanwaltschaft manipulierten Wiedeking und Härter damals den Kapitalmarkt und wollten den VW-Kurs zu ihren Gunsten steuern. Dieser Auffassung folgte das Gericht in Stuttgart jedoch nicht. Die Porsche-Dachgesellschaft Porsche SE   muss zudem kein Bußgeld zahlen.

Der Versuch von Porsche, Volkswagen zu 75 Prozent zu übernehmen, war am Ende gescheitert. Stattdessen wurde die Porsche AG von Volkswagen   übernommen. Wiedeking und Härter mussten 2009 ihre Chefposten räumen.

Die Ermittlungen gegen die Manager begannen vor fast sieben Jahren. Im Verlauf des Prozesses hatte kein Zeuge oder Gutachter die Vorwürfe der Ankläger wesentlich stützen können. Dies hatte auch die Staatsanwaltschaft eingeräumt. Sie zeigte sich dennoch von der Schuld der beiden Manager überzeugt und stützte sich hierbei auf Indizien.

Was sich im Detail abspielte, wissen neben Wiedeking und Härter auch die Oberhäupter der Familien Porsche und Piëch, denen Porsche und der größte Anteil an VW gehören. Doch Wolfgang Porsche und Ferdinand Piëch mussten vor Gericht nicht in den Zeugenstand - wegen des mittlerweile beendeten Ermittlungsverfahrens gegen die Aufsichtsräte wegen Beihilfe zur Marktmanipulation hatten sie das Recht, die Aussage zu verweigern.

Mehr zum Thema im SPIEGEL
Foto: Thomas Kienzle/ AP

Mithilfe gewagter Finanztricks wollte die kleine Firma Porsche den großen Volkswagen-Konzern schlucken. Doch der Plan von Wendelin Wiedeking und Holger Härter ging schief.Der SPIEGEL: Die Löwen-Nummer 

mmq/dpa/Reuters