Reichenliste Das Vermögen der Familie Porsche wächst gewaltig - trotz Dieselskandal

Keine der größeren deutschen Unternehmerdynastien erlebt eine solche Krise wie die Porsches. Doch trotz des Dieselskandals ist ihr Vermögen stärker gewachsen als das fast aller anderen Milliardäre. Warum dieser Aufstieg?

Wolfgang Porsche mit Partnerin Claudia Hübner
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Wolfgang Porsche mit Partnerin Claudia Hübner

Von manager-magazin-Redakteuren Lukas Heiny und Christoph Neßhöver


Auf den ersten Blick überrascht die sagenhafte Vermögensmehrung der Porsches. Steckt doch derzeit keine größere Unternehmerfamilie in einer so tiefen Krise wie der Clan hinter dem Volkswagen-Konzern. Seit nun drei Jahren erschüttern immer neue Meldungen aus dem Reich von Familienoberhaupt Wolfgang Porsche das Land.

Nach Bekanntwerden des Dieselskandals folgten Milliardenstrafen in den USA und eine unübersichtliche Zahl von Verfahren, auch in Deutschland. Staatsanwaltschaften in Niedersachsen und Bayern ermitteln. In etlichen deutschen Städten drohen Fahrverbote, die Autohersteller stritten mit der Bundesregierung um die Kosten der Nachrüstung.

Im Frühjahr wechselte der CEO bei Volkswagen: Auf Matthias Müller folgte Herbert Diess. Und bei Audi wurde der langjährige Chef Rupert Stadler verhaftet, der immer als besonderer Intimus der Familie Porsche galt.

Deutschlands Geldadel: Das sind die 1001 reichsten Deutschen(kostenpflichtig)

Dem Vermögen hat das im Laufe des vergangenen Jahres nicht geschadet. Es ist um 3,5 Milliarden auf insgesamt zwölf Milliarden Euro gestiegen. Das ergibt die neueste Schätzung des Vermögens der 1001 reichsten Deutschen des manager magazin (mm). Die Sippe zählt damit zu den größten Gewinnern unter den Reichsten und reiht sich als Newcomer sogar ein in die Riege der zehn reichsten Deutschen.

Der Grund für das Wachstum: Die Börsenwerte von VW und der Porsche SE - in der die Porsches gemeinsam mit dem Familienstamm der Piëchs ihre 52 Prozent der VW-Stammaktien bunkern - haben sich wieder erholt. Denn die Geschäfte der Autohersteller laufen trotz allem erfreulich. Volkswagen konnte 2017 den Nettogewinn verdoppeln und im ersten Halbjahr 2018 abermals Rekorde melden. Das macht die Porsches immer reicher. Ganz egal, was Staatsanwälte oder Richter meinen.

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Thiele, Schwarz und Klatten mit satten Zuwächsen

Mehr zusätzliche Milliarden hat im Vergleich zum Vorjahr nur einer angehäuft: Heinz Hermann Thiele, der Eigner von Knorr-Bremse. Auch er zählt zu den zehn reichsten Deutschen. Sein Vermögen stieg um 5,4 auf nun 15 Milliarden Euro. Ursache für den Sprung war der geplante Börsengang seines höchst profitablen Bremsenkonzerns, in Zuge dessen das Unternehmen deutlich höher bewertet wird. Ob Thiele diese Bewertung beim Börsengang tatsächlich durchsetzen und einen entsprechenden Emissionspreis erzielen kann, steht noch nicht fest.

Die weiteren großen Gewinner unter den Reichsten waren in diesem Jahr der Multimilliardär und Discountkönig Dieter Schwarz (Lidl) sowie die Familie Knauf, der mit der Übernahme des US-Konkurrenten USG ein Coup gelang und die so ihren Status als Weltmarktführer im Gips-Baustoffgeschäft festigen konnte. Ihr Vermögen wuchs jeweils um drei Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr.

Um immerhin 2,5 Milliarden Euro wuchs das Vermögen der BMW-Großaktionäre Stefan Quandt und Susanne Klatten. Das Geschwisterpaar schob sich auch deshalb wieder an den Spitzenplatz der Reichstenliste.

Und um 2,2 Milliarden Euro wuchs das Vermögen zweier Männer, die sonst nicht so im Mittelpunkt stehen: Jürgen und Rainer Blickle. Die beiden Gesellschafter des Antriebsherstellers SEW Eurodrive aus Bruchsal haben ihr Vermögen im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Sie rangieren mit vier Milliarden Euro in der Reichstenliste jetzt auf Platz 36.



insgesamt 39 Beiträge
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spon-facebook-10000350067 04.10.2018
1. Wäre mir neu..
..dass Wolfgang Porsche deutscher Staatsbürger ist. Genausowenig wie Piech. Beide sind Österreicher..
Peter Schmidt -fsb 04.10.2018
2. Vermögenssteuer
Allein die 10 reichsten deutschen häufen ein Vermögen von um die 200 Mrd. € an. Eine 1% Vermögensteuer wüde damit jährliche Erträge von mindestens 2 Mrd. € bringen. Das ist doch schon ein ganz guter Anfang um die Einkommenssteuer für Normalverdiener zu senken...
prophet46 04.10.2018
3. Immer die Österreicher
Wenn man bedenkt, dass diese bisherigen Mittelstandsmilliardäre ihren hauptsächlichen Vermögenszuwachs mittels Optionenspekulationen während der gescheiterten Übernahmeschlacht von VW durch Porsche erzielt haben, muss einem der Kapitalismus nachdenklich stimmen.
kodu 04.10.2018
4. Entscheidend ist doch....
...wieviel öffentlichen Einfluss sich solche Clans auf Demokratie und Rechtsstaatlichkeit mit Hilfe ihres Vermögens kaufen können. Der Umstand, daß dieses Thema im öffentlichen Diskurs kaum vorkommt, lässt wenig Gutes befürchten.
syracusa 04.10.2018
5. Erbschaftssteuer
Da muss endlich eine Erbschaftssteuer eingeführt werden, die die Entstehung dynastischer Vermögen und damit Demokratieabbau zuverlässig verhindert. Die Höhe der Erbschaftssteuer muss genau so hoch sein wie die Einkommenssteuer, denn Erbschaften sind Einkommen.
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