Milliardärsfamilie Reimann Erben Mannheims

Verschwiegen, unauffällig, steinreich: Die geplante Übernahme des Kosmetikkonzerns Avon rückt eine Milliardärsfamilie in den Fokus, die typisch ist für deutschen Geldadel. Mit 160 Jahren Firmengeschichte im Rücken planen die Reimanns den Angriff auf einen Weltmarktführer - nicht zum ersten Mal.

Marktplatz in Mannheim: Im Umkreis der Stadt sollen viele der Reimann-Erben leben
Stadt Mannheim

Marktplatz in Mannheim: Im Umkreis der Stadt sollen viele der Reimann-Erben leben


Hamburg - Auch wenn der Soulmusiker Xavier Naidoo sie seit Jahren voller Inbrunst besingt: Mannheim ist eine ziemlich unspektakuläre Stadt, der Kontrast zu New York könnte kaum größer sein. Und doch könnte es bald eine neue Verbindung zwischen beiden Orten geben: New York ist bislang Firmensitz von Avon, einem der weltweit bekanntesten Kosmetikkonzerne. In der Umgebung von Mannheim wiederum sollen viele Mitglieder der Milliardärsfamilie Reimann leben - die Avon nun über den Parfumhersteller Coty übernehmen will.

Die Reimanns sind typisch für den alteingesessenen deutschen Geldadel: Ihren Reichtum zeigen sie der Öffentlichkeit ebenso wenig wie sich selbst. Mit einem Vermögen von acht Milliarden Euro landet die Familie zwar laut Zahlen des manager magazin auf Platz sechs der reichsten Deutschen. Doch ist sie, wie die "Neue Zürcher Zeitung" schrieb, "noch weit verschwiegener" als die Familie der Aldi-Gründer Albrecht.

Die Bescheidenheit dürfte damit zusammenhängen, dass die Familie das Gegenteil von neureich ist: Ihre Erfolgsgeschichte beginnt mit dem Chemiker Ludwig Reimann, der im Jahr 1851 zusammen mit Johann Adam Benckiser in Ludwigshafen eine Chemiefabrik gründete. Die Produkte: Wein- und Zitronensäure sowie Phosphate. Nach kurzer Zeit kommen die Firmengründer mit der englischen Firma Reckitt & Sons in Kontakt, die ihnen Wäschestärke liefert.

In den fünfziger Jahren wird in Ludwigshafen der Wasserenthärter Calgon erfunden, in den Sechzigern das Spülmittel Calgonit. In den Neunzigern spaltet sich das Unternehmen auf: Zum einen gibt es weiter einen Wasch- und Reinigungsmittelkonzern. Er heißt Reckitt Benckiser Chart zeigen, seitdem die Deutschen 1999 mit dem britischen Reckitt-Konzern fusionierten, mit dem sie vor so langer Zeit Kontakt hatten. Das Unternehmen ist ein Global Player, ihm gehören bekannte Marken wie das Anti-Pickel-Wasser Clearasil. Zum anderen gibt es seit 1996 den Parfumhersteller Coty. Von New York aus verkauft er als Marktführer Marken wie Davidoff und Joop sowie Promi-Parfums für Stars wie Jennifer Lopez.

Die Erben ruhen sich nicht aus

Über ihre Familienholding halten die Reimanns gut 15 Prozent an Reckitt Benckiser, Coty gehört ihnen sogar komplett. Die Erben könnten sich also locker auf den Millionen ausruhen, die Reckitt-Benckiser und Coty ihnen einbringen. Doch ihnen wird ein bescheidener Lebensstil nachgesagt, mehrere von ihnen arbeiten sogar selbst als Chemiker. Wohl auch deshalb überwiegt in der Familie die Lust aufs Unternehmertum: Mit der geplanten Übernahme von Avon würde Coty auch im Kosmetikmarkt zum Weltkonzern und könnte sogar Marktführer L'Oreal Konkurrenz machen.

Vom bodenständigen Waschmittelhersteller zum vornehmen Kosmetikhersteller: Um dieses Kapitel könnte die reimannsche Familiengeschichte ergänzt werden, falls die Avon-Übernahme klappen sollte. Dass sie auch in edleren Segmenten erfolgreich sein können, haben die Reimanns bereits bewiesen: 2007 finanzierten sie die Gründung von Labelux, einem neuen Luxuskonzern. Der soll irgendwann dem Marktführer LVMH Chart zeigen gefährlich werden und hat bereits einige erfolgreiche Edelmarken erworben.

Der bislang größte Scoop war im vergangenen Jahr der Kauf des Schuhherstellers Jimmy Choo. Dessen Highheels genießen spätestens Kultcharakter, seitdem die Heldinnen von "Sex and the City" mit ihnen durch New York stöckelten - noch so eine Verbindung zwischen baden-württembergischer Provinz und der US-Metropole.

Avon hat die Offerte von Coty zwar deutlich zurückgewiesen. Doch entmutigen muss das die Reimanns nicht. Zum einen steckt der US-Kosmetikkonzern in einer Krise und schrieb zuletzt tiefrote Zahlen. Zum anderen beweist die Geschichte der Reimanns eines ganz sicher: Sie haben Zeit.

dab



insgesamt 43 Beiträge
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Seite 1
vorschau 03.04.2012
1. Super
Zitat von sysopVerschwiegen, unauffällig, steinreich: Die geplante Übernahme des Kosmetikkonzerns Avon rückt eine Milliardärsfamilie in den Fokus, die typisch ist für deutschen Geldadel. Mit 160 Jahren Firmengeschichte im Rücken planen die Reimanns den Angriff auf einen Weltmarktführer - nicht zum ersten Mal. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,825457,00.html
Ich finde unsere Milliardäre ja auch super. Aber warum macht der Chronist so eine dezente Pause in der Familiengeschichte der Reimanns zwischen 1851 und den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts???? War da nix???
lenny1000 03.04.2012
2. Mannheim
1. Mannheim ist nicht so unscheinbar, wie manche denken! 2. Es ist bestimmt keine "badische Provinz"! Mannheim liegt in der Kurpfalz - jedem Mannheimer würde es hoch kommen, wenn Du ihm mit "Baden" kommst.....
favela lynch 03.04.2012
3. Kurpfalz
Bitte. Mannheim ist Kurpfalz. Mannheim hat mit Baden nichts gemein. Gar nichts.
Gegengleich 03.04.2012
4.
Zitat von lenny10001. Mannheim ist nicht so unscheinbar, wie manche denken! 2. Es ist bestimmt keine "badische Provinz"! Mannheim liegt in der Kurpfalz - jedem Mannheimer würde es hoch kommen, wenn Du ihm mit "Baden" kommst.....
Tja, das können wir so oft schreiben wie wir wollen. Menschen, die sich nur in Aachen, Hamburg, Madrid und München aufhalten, werden das wohl nie verstehen.
neuroheaven 03.04.2012
5. ...
bitte die milliarden zwangsenteignen und den armen bürgern die jahre lang anscheinend zu viel für calgon und co bezahlt haben zurücküberweisen. danke.
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