Posse um A400M Airbus stellt europäischen Regierungen Ultimatum

Jetzt reicht es Airbus: Der Konzern droht Europas Regierungen unverhohlen mit dem Aus für den Militärtransporter A400M. Sogar neue Jobs für Mitarbeiter werden angeblich schon gesucht. Bis Monatsende soll der Streit um Milliarden-Zusatzkosten beendet sein - sonst sei ein Ende des Projekts denkbar.
Militärtransporter A400M in Sevilla: Unsichere Zukunft

Militärtransporter A400M in Sevilla: Unsichere Zukunft

Foto: CRISTINA QUICLER/ AFP

Paris - Neues Jahr, alte Probleme: Airbus droht offen mit einem Baustopp des Militärtransporters A400M. Ein Ausstieg aus der Produktion des im Dezember erstmals gestarteten Flugzeugs sei ein vorstellbares Szenario, sagte Airbus-Sprecher Stefan Schaffrath am Dienstag. Es gebe Pläne, die mit dem A400M beschäftigten Ingenieure mit dem Bau an zivilen Airbus-Modellen zu beauftragen, falls der Militärtransporter weiter nur Verluste produziere - angeblich vor allem beim geplanten A350.

Der Airbus-Sprecher appellierte an die beteiligten Regierungen, noch in diesem Monat eine Entscheidung über die Finanzierung des derzeit wichtigsten europäischen Rüstungsprojekts zu treffen.

Das einstige Prestigeprojekt der europäischen Militärluftfahrt hat dem Flugzeugbauer und den Bestellnationen bisher vor allem Ärger gebracht. Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien, die Türkei, Belgien und Luxemburg hatten im Jahr 2003 insgesamt 180 Militärtransporter zum Festpreis von 20 Milliarden Euro in Auftrag gegeben. Die "Financial Times Deutschland" ("FTD") berichtete, dass die tatsächlichen Kosten des Projekts inzwischen allerdings um 11,3 Milliarden Euro höher liegen.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE fordert Airbus von den Bestellnationen, sich an den Mehrkosten rund zur Hälfte zu beteiligen. Nicht ganz zu Unrecht, denn daran, dass das Projekt rund drei Jahre in Verzug ist und mehr als 50 Prozent teurer wird, sind nicht nur Fehlkalkulationen bei Airbus schuld. Auch die Regierungen haben immer neue Anforderungen an den Flieger gestellt und den Hersteller dazu verdonnert, Technologie in Europa neu entwickeln zu lassen, anstatt bei Weltmarktführern einzukaufen.

Keine Alternativen zum A400M geprüft

Nach Angaben der "FTD" bezweifelt Airbus-Chef Thomas Enders, dass mit den Bestellerländern bis Ende Januar eine Einigung über die Mehrkosten gefunden werden könne. Dann läuft ein schon mehrfach verlängertes Stillhalteabkommen aus. Enders habe bereits beim Weihnachtsessen mit dem Top-Management gesagt, dass er "nicht mehr an eine erfolgreiche Programmfortführung glaubt", schreibt die "FTD" unter Berufung auf Unternehmenskreise.

Mit der offenen Drohung erhöht der Airbus-Mutterkonzern EADS   den Druck auf die Bundesregierung, mit den anderen europäischen Abnehmerländern doch noch eine Lösung zu finden. Die Staatssekretäre der Abnehmerstaaten wollten sich Mitte Januar zu weiteren Beratungen treffen, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. "Wir halten uns an die Abmachungen des Stillhalteabkommens und versuchen weiterhin, bis Ende des Monats die erforderlichen Details für die Fortführung des Programms mit der Industrie zu klären."

Die Abnehmer strebten weiter eine Einigung mit der Industrie bis Ende Januar an. Deutschland gilt in den Verhandlungen allerdings als besonders hart - während Frankreich eher bereit ist, die Mehrkosten mitzutragen. Entsprechend hat die Pariser Regierung die Möglichkeit eines Ausstiegs aus dem Bau des Airbus-Militärtransporters A400M am Dienstag zurückgewiesen.

Als Miteigner der Airbus-Mutter EADS erwäge der französische Staat keine Aufgabe des Programms, sagte Verteidigungsminister Hervé Morin. "Frankreich ist bereit, einen Teil zu bezahlen." Es komme aber nicht in Frage, dass "die europäischen Steuerzahler die Gesamtheit der Mehrkosten tragen". Der EADS-Konzern müsse "eine zusätzliche Anstrengung" unternehmen.

Die Bundesrepublik ist mit 60 von insgesamt 180 Bestellungen größter Abnehmer des A400M, der bei der Bundeswehr die über 30 Jahre alten Transalls ersetzen soll. Würde das Projekt scheitern, wäre das somit nicht nur ein enormer Prestigeverlust für Airbus. Auch die Bestellnationen stünden vor einem Fiasko. Denn Alternativen zum A400M haben sie nie ernsthaft geprüft.

böl/Reuters/APD/dpa-AFX/ddp/AFP