Elektrofahrzeug Post stellt Produktion von Streetscootern dieses Jahr ein

Monatelang versuchte die Post, einen Käufer für den Streetscooter zu finden: Nun kommt das Aus für das Elektrofahrzeug. Die Post schrieb in diesem Geschäft bisher immer rote Zahlen.
Streetscooter im Ford-Werk Köln (Archivbild): Die Post will nur noch den Bestand betreiben

Streetscooter im Ford-Werk Köln (Archivbild): Die Post will nur noch den Bestand betreiben

Foto: SASCHA STEINBACH/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Noch im Lauf des Jahres wird die Deutsche Post die Produktion ihrer Streetscooter-Elektrofahrzeuge komplett einstellen. "Neubestellungen wird es keine mehr geben", sagte ein Postsprecher der Nachrichtenagentur dpa. Die Auslieferung von Fahrzeugen werde sich voraussichtlich noch bis ins nächste Jahr hinziehen.

Man wolle die Sondierungen für einen Käufer nicht mehr weiterverfolgen, teilte der Konzern außerdem mit. Über Monate hinweg hatte die Post versucht, potenzielle Interessenten zu finden. Die Konzerntochter werde nun zu einem reinen Betreiber der Bestandsflotte. Der Vorstand rechnet deshalb für 2020 mit einmaligen Aufwendungen von 300 bis 400 Millionen Euro.

Streetscooter hat eigenen Angaben zufolge Hunderte Mitarbeiter in seiner Zentrale in Aachen, wo zum Beispiel die Entwicklungsabteilung und der Vertrieb angesiedelt sind.

Gewinnziel kassiert

"Wir haben immer gesagt, dass wir kein Autohersteller sein wollen", sagte Vorstandschef Frank Appel. Dank des unter dem Dach der Post entwickelten Fahrzeugs habe die Post heute zwar eine der größten elektrisch betriebenen Lieferflotten der Welt. Ein weiterer Ausbau der Produktion ohne den richtigen Partner entspreche aber nicht der langfristigen strategischen Zielsetzung des Konzerns. Trotzdem wolle die Post ihre Flotte wie angekündigt weiterhin auf E-Antriebe umstellen.

Die Post hatte lange nach einem Partner für ihre Tochter Streetscooter gesucht. Zusammen mit Ford baut sie auch eine größere Version des gleichnamigen Lieferwagens. Allerdings schrieb die Post in diesem Geschäft bisher immer rote Zahlen.

Das Unternehmen kündigte zudem an, die Gewinnziele für 2020 zusammenzustreichen. Der operative Gewinn (Ebit) werde die angepeilte Marke von fünf Milliarden Euro in diesem Jahr voraussichtlich nur übertreffen, wenn man die Folgen der Coronavirus-Epidemie und neue Sonderbelastungen bei der Konzerntochter Streetscooter herausrechne, teilte das Unternehmen in Bonn mit.

Die Corona-Krise bekommt die Post eigenen Angaben zufolge bisher deutlich bei DHL Express und im DHL-Frachtgeschäft vor allem bei Transporten von und nach China zu spüren. Im Monat Februar belaste dies das Ergebnis mit etwa 60 bis 70 Millionen Euro.

brt/dpa
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