Postbank-Übernahme Vorgezogenes Angebot soll Milliarden sparen

Die Deutsche Bank hat die Öffentlichkeit am Wochenende mit einem freiwilligen Übernahmeangebot für die Postbank überrascht. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann nutzt damit den derzeit niedrigen Kurs der Postbank-Aktie, um die milliardenschwere Übernahme für die Deutsche Bank billiger zu machen.


Frankfurt am Main - Die Übernahme der Postbank Chart zeigen kostet die Deutsche Bank insgesamt 6,3 Milliarden Euro. Diese Summe nannte Bankchef Josef Ackermann am Montag. Damit kalkuliert er mit rund 1,3 Milliarden Euro für die freien Aktionäre. Denn für die Anteile der ehemaligen Postbank-Mutter Deutsche Post Chart zeigen hatte die Deutsche Bank Chart zeigen bereits einen Kaufpreis von fünf Milliarden Euro vereinbart.

Derzeit hält die Post noch knapp 40 Prozent an der Postbank und die Deutsche Bank knapp 30 Prozent. "Wir zahlen jetzt 1,7 Milliarden Euro weniger, als wenn wir mit der Übernahme gewartet hätten", sagte Ackermann. Dann nämlich müsste die Deutsche Bank den mit der Post vereinbarten Preis von 45 Euro je Aktie auch den freien Aktionären bezahlen. Nun bietet sie den Aktionären lediglich den vorgeschriebenen Mindestpreis - voraussichtlich zwischen 24 und 25 Euro je Aktie.

Die frühere Übernahme der Postbank beinhaltet allerdings auch einen großen Wermutstropfen. Die Deutsche Bank muss noch im dritten Quartal 2,4 Milliarden Euro auf die Postbank-Anteile abschreiben.

Arbeitsplatzabbau zu erwarten

Trotz der nötigen Wertberichtigungen verteidigte Ackermann die Übernahme. Der Gesamtpreis sei "vom strategischen Wert her gesehen außerordentlich attraktiv", sagte Ackermann am Montag in Frankfurt.

Ackermann bekräftigte, strategisches Ziel der Bank sei es, neben dem florierenden Investmentbankgeschäft das Privatkundengeschäft zu einem zweiten starken Standbein auszubauen. Zusammen mit der Postbank komme die Deutsche Bank künftig auf 24 Millionen Kunden und sei damit die mit Abstand größte Privatkundenbank des Landes. "Damit steht der größere Deutsche-Bank-Konzern künftig auf zwei starken Säulen und verfügt über einen besser ausgewogenen Ergebnismix und insgesamt stabilere Erträge", sagte Ackermann.

Die Deutsche Bank werde damit künftig ein härterer Konkurrent für die Sparkassen im Geschäft mit den Privatkunden sein. Ziel der Deutschen Bank sei es, im Privatkundengeschäft eine ähnliche Erfolgsgeschichte wie im Investment Banking zu schreiben, wo das Geldinstitut heute weltweit zur Spitzengruppe gehöre.

Für Postbank-Kunden ändert sich vorerst nichts

Für Postbank-Kunden soll sich durch die Übernahme zunächst nichts ändern. Der Name Postbank bleibe erhalten, auch an Kontonummern oder Bankleitzahl werde sich nichts ändern, hieß es. Beschäftigte von Postbank und Deutscher Bank müssen sich allerdings wohl auf eine Reduzierung der Stellen einstellen. Wie viele Arbeitsplätze betroffen sein werden, könne man aber noch nicht sagen. Doch würden die Maßnahmen sozialverträglich erfolgen, sagte Ackermann.

Die Deutsche Bank erwartet durch den Zusammenschluss Einsparungen in einer Höhe von rund einer Milliarde Euro. Die künftigen Ertragserwartungen an die vergrößerte Privatkundensparte sind ehrgeizig. Angestrebt wird laut Ackermann eine Eigenkapitalrendite vor Steuern von mehr als 20 Prozent oder anders gesagt ein jährliches Ergebnis vor Steuern von über drei Milliarden Euro. Die Deutsche Bank hatte am Wochenende ein freiwilliges Übernahmeangebot für die noch von anderen Aktionären als der Post gehaltenen Postbank-Aktien sowie eine Kapitalerhöhung um fast zehn Milliarden Euro angekündigt.

mik/Reuters/apn



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Ghost12 13.09.2010
1. Hier wurde "Dauerwerbesendung" über dem Artikel vergessen.
Lieber Spiegel. Bankannoncen sind schön. Sollte man dafür Journalismus aufgeben? Nimmt sich der Spiegel jetzt ein Beispiel am Haussender der Deutschen Bank, der ARD? Dort wird jetzt in der Tagesschau (!)schon seit Tagen Werbung für die Kapitalerhöhung der Deutschen Bank. Nachdem vorher ein Werbeblock der Deutschen Bank kommt. Und vorher Anja Kohl ihre Börsen-"Nachrichten" bringen darf, obwohl sie selbst für die Deutsche Bank Vorträge hält. Und hinterher Tagesthemen ansehen- mit Tom Buhrow, der auch von der Deutschen Bank "für Vorträge" bezahlt wird.
leidenfeuer 13.09.2010
2. Nicht eben verlockend!
Warum eigentlich sollten Aktionäre der Deutschen Bank dieser das Geld zum Kauf weiterer Postbank-Aktien geben? Sie könnten ja stattdessen auch gleich selbst Aktien der Deutschen Postbank an der Börse kaufen und wären an ihr dann direkt beteiligt. Natürlich können sie auch auf Teilnahme an der Kapitalerhöhung der Deutschen Bank und auf Erwerb von Postbank-Aktien verzichten, wofür immerhin sprechen würde, dass etwa im Sinne von "Basel III" und nach Meinung staatlicher Einflussnehmer Dividenden der Kreditinstitute künftig eher mäßig ausfallen sollen. Und praktisch alle Banken werden, ob sie an der Finanzkrise mitschuldig wurden oder nicht, über den gleichen Kamm geschoren und mit allerlei neuen Anforderungen und Abgaben in die Mange genommen, um künftige Krisen eventuell zu verhindern. Dann verkleinern sich aber die Chancen der Banken auf gute Gewinne und die Hoffnungen der Bankaktionäre auf gute Dividenden. Verlockend sieht diese Perspektive nicht gerade aus.
Optimisten, 13.09.2010
3. Gut gemacht
Zitat von sysopDie Deutsche Bank hat die Öffentlichkeit am Wochenende mit einem freiwilligen Übernahmeangebot für die Postbank überrascht. Deutsche-Bank-Chef-Josef Ackermann nutzt damit den derzeit niedrigen Kurs der Postbank-Aktie, um die milliardenschwere Übernahme für die Deutsche Bank billiger zu machen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,717201,00.html
Das zeigt mal wieder wrum die Deutsche Bank so erfolgreich ist - super Timing und gute Story. hut ab.
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