Preisabsprachen Bahn verklagt Lieferanten auf Schadensersatz

Die Deutsche Bahn geht juristisch gegen Zugmateriallieferanten vor: Wegen Preisabsprachen hat der Konzern Klage beim Londoner Kartellgericht eingereicht - und fordert nun mehr als 100 Millionen Euro Schadensersatz.

Bahn-Chef Grube: Schadensersatzansprüche im unteren dreistelligen Millionenbereich
dapd

Bahn-Chef Grube: Schadensersatzansprüche im unteren dreistelligen Millionenbereich


Berlin - Die Bahn geht auf Konfrontationskurs zu Lieferanten aus der Karbonindustrie: Der Konzern fordert Schadensersatz von einer Gruppe von Unternehmen, die über viele Jahre Kohlebürsten für die Bahn produziert haben. Diese benötigen Elektrolokomotiven für die Stromabnahme.

Die Bahn hat die Klage gemeinsam mit weiteren europäischen Bahnunternehmen beim Londoner Kartellgericht eingereicht, sagte ein Konzernsprecher und bestätigte damit einen Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Zur Gruppe der verklagten Spezialfirmen gehören demnach die in Europa führenden Lieferanten von Kohlestoff- und Grafitbauteilen - namentlich Morgan Crucible, Schunk, SGL Carbon, Le Carbone-Lorraine und Hoffman & Co. Elektrokohle.

Den Unternehmen werden jahrelange Preis- und Mengenabsprachen sowie Boykottaktionen gegen potentielle Wettbewerber vorgeworfen. Die Bahnunternehmen machen Schadensersatzansprüche in Höhe eines unteren dreistelligen Millionenbetrages geltend, teilte der deutsche Staatskonzern mit. Davon stehe der Deutschen Bahn ein Anteil von rund 30 Prozent zu.

Das Kartell aus den Jahren 1988 bis Ende 1998 wurde bereits nachgewiesen; 2003 verhängte die EU-Kommission gegen die Unternehmen ein Bußgeld von 101 Millionen Euro. Diese Entscheidung bestätigte der Europäischen Gerichtshof (EuGH) 2009.

Da das Londoner Kartellgericht an die Feststellung des EuGH gebunden sei, rechnet sich die Bahn gute Erfolgschancen aus.

cte/AFP/dpa



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