Sondereinheit gegründet Deutsche Bahn wehrt sich selbst gegen Kartelle

Die Deutsche Bahn will offenbar selbst gegen Kartelle vorgehen, die dem Konzern finanziellen Schaden zufügen. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, hat das Staatsunternehmen dafür eine Sondereinheit gegründet. Preisabsprachen sollen die Bahn bereits mehr als eine Milliarde Euro gekostet haben.

Bahnstrecke (Frankfurt am Main): Sondereinheit gegen Kartellsünder gegründet
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Bahnstrecke (Frankfurt am Main): Sondereinheit gegen Kartellsünder gegründet


Berlin - Jetzt nimmt die Deutsche Bahn den Kampf gegen Preisabsprachen selbst in die Hand: Der Konzern will sich offenbar verstärkt gegen Kartelle wehren, die ihm finanzielle Schäden zufügen. In den vergangenen sieben Jahren sei das Staatsunternehmen um vermutlich mehr als eine Milliarde Euro betrogen worden, sagte der für Compliance zuständige Bahnvorstand Gerd Becht der "Süddeutschen Zeitung". Hinzu kämen die Zinsen, die den eigentlichen Schaden teilweise noch überstiegen. Dieses Geld wolle man wiederhaben. Dem Bericht zufolge wird das Unternehmen demnächst Klagen gegen mehrere Brauereien einreichen wegen eines Bierkartells.

Derzeit klagt die Bahn schon unter anderem gegen einige Stahlunternehmen wegen eines Schienenkartells, gegen Hersteller von Karbonbürsten für Stromabnehmer von Lokomotiven sowie gegen mehrere Kaffeelieferanten. "Wir sind direkt oder indirekt fast von jedem dritten Kartell betroffen, das in Deutschland aufgedeckt wird", sagte Becht.

Der "SZ" zufolge geht seit einigen Monaten eine neue Sondereinheit namens CRK4, bestehend aus sechs Juristen, gegen die Kartellsünder vor. "Bei Kartellen verstehen wir keinen Spaß. Wir wollen jeden Euro eintreiben, der uns und auch den Steuerzahlern zusteht", sagte Becht. Bislang hätten ertappte Kartellsünder zwar oft mit den Behörden kooperiert, die geschädigten Kunden aber "abblitzen" lassen.

Der Bahnvorstand begrüßte daher, dass die EU mit einer neuen Richtlinie betrogenen Kunden helfen wolle. "Wir haben mehr Möglichkeiten, an Beweise heranzukommen, auch wenn wir an einigen Stellen noch schärfere Regelungen begrüßt hätten", sagte Becht der "SZ". Lieferanten der Bahn müssten in ihren Verträgen mittlerweile unterschreiben, dass sie 15 Prozent der Kaufsumme pauschal zurückzahlen, sollten sie bei Preisabsprachen erwischt werden.

Allerdings steht die Bahn selbst unter Kartellverdacht: Das Bundeskartellamt sieht einen hinreichenden Anfangsverdacht und ermittelt gegen die Deutsche Bahn wegen des Verdachts auf Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung beim Fahrkartenverkauf.

nck/AFP

insgesamt 7 Beiträge
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ambulans 24.03.2014
1. also,
wenn das das problem der deutschen bahn ist, kann ihr leicht geholfen werden: 1. eingehende rechnungen werden grundsätzlich auf stichhaltigkeit, richtigkeit und plausibilität geprüft. 2. zusätzlich finden turnusmäßig überprüfungen der bestell- und liefervorgänge inkl. aller beteiligten personen statt. 3. eine interne revision überprüft alle mitarbeiter auf jeder beteiligten ebene. 4. inhaltliche und organisatorische kooperation mit polizei und staatsanwaltschften ist weiterhin unerlässlich. sollte diese ankündigung allerdings von eigenen problemen (selbst in kartell-vorwurf verstrickt?) ablenken, wären schnellstmöglich bahn-interne maßnahmen fällig: personal-wechsel in der presse- und öffentlichkeitsarbeit, compliance einrichten und/oder verstärken, personalstruktur/-organisation überarbeiten, entrümpeln, motivation neu ausrichten, usw. ...
sebastian.teichert 24.03.2014
2.
Kann mal wer erklären was die Bahn mit Kartellen zu zu. Hat/davon geschädigt wird?
HerbertVonbun 24.03.2014
3. Märkte
Wieder einmal mehr als toll, wie Märkte funktionieren! Man müsste noch viel mehr Märkte installieren, dann hat man immer etwas, um sich zu amüsieren. Nur leider immer zum Schaden der Konsumenten und Verlierer!
prince62 24.03.2014
4. Da gibt es nur zwei Möglichkeiten!
Die Bahn kauft z. B. Büro- und Verbrauchsmaterial grundsätzlich zu absoluten Höchstpreisen, was dann nur zu zwei Eklärungen führen kann: 1.) die Einkäufer und deren Aufsichtsführende sind absolut dämlich und haben von den realen Marktpreisen nicht die geringste Ahnung, oder 2.) hier wird ganz gezielt zum Nachteil des Unternehmens eingekauft und den Reibach teilen sich Käufer und Verkäufer, es bleibt nun jedem selber überlassen, sich die wahrscheinlichere Variante eigen zu machen.
cascada 24.03.2014
5. Aus eigener Erfahrung
Na hoffentlich haben die Herrschaften zuerst vor der eigenen Haustür auch gründlich gekehrt. Mit Kartellen kennt sich die Deutsche Bahn ja bekanntlich aus. Wir erinnern uns ja an das Verfahren wg. illegaler Preisabsprachen gegen die Bahn und ihrer Tochterfirmen Schenker und Bax Global - vor fast genau 2 Jahren im März 2012. Die Deutsche Bahn zahlte damals ein Bußgeld in Millionenhöhe: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/eu-verhaengt-strafen-wegen-logistikkartell-a-824416.html
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