Preisabsprachen Kaffeefirmen müssen Millionen-Kartellstrafe zahlen

Nächstes Millionenbußgeld für die Kaffeeindustrie: Das Bundeskartellamt hat acht deutsche Röster zu einer Geldstrafe von insgesamt 30 Millionen Euro verurteilt. Die Unternehmen hatten über Jahre die Preise für Gastronomie, Hotels und andere Großverbraucher abgesprochen.

Kaffeebohnen: Jahrelang Preise für Gastronomie und Hotels abgesprochen
AP

Kaffeebohnen: Jahrelang Preise für Gastronomie und Hotels abgesprochen


Bonn - Das Bundeskartellamt hat erneut eine Millionenstrafe gegen eine Reihe von Kaffeeröstern verhängt. Insgesamt acht Hersteller sowie der Deutsche Kaffeeverband (DKV) müssen rund 30 Millionen Euro Bußgeld für Preisabsprachen gegenüber Großkunden wie der Gastronomie zahlen. Dies teile die Kartellbehörde am Mittwoch in Bonn mit.

Zu den betroffenen Unternehmen gehören unter anderem Tchibo, Melitta, Kraft Foods Chart zeigen mit der Marke Jacobs Kaffee, Lavazza, Segafredo und J.J. Darboven. Straffrei ging dagegen der Münchner Kaffeeröster Dallmayr aus, der das Verfahren nach Angaben der Behörde über eine Art Kronzeugenregelung ins Rollen gebracht hatte. Die Geldbußen sind noch nicht rechtskräftig.

"Absprachen über Preiserhöhungen bei Konsumgütern wie Kaffee spürt der Verbraucher ganz unmittelbar in seinem Portemonnaie", sagte Kartellamtschef Andreas Mundt. Sechs der acht Röster hätten sich zu einer einvernehmlichen Beendigung des Kartellverfahrens bereit erklärt. Melitta und Darboven seien Teile ihrer Geldbußen erlassen worden, weil die Unternehmen bei der Aufklärung der Vorwürfe gut kooperiert hätten, so Mundt.

Nach Angaben des Kartellamts stimmten die Kaffeeröster "seit mindestens 1997 bis Mitte 2008" in einem Arbeitskreis beim DKV Preiserhöhungen und teils auch
-senkungen für Röstkaffee ab. Dabei ging es um den sogenannten Außer-Haus-Markt, also das Geschäft mit der Gastronomie, Hotels oder anderen Großverbrauchern. Mindestens zwei Preiserhöhungen Anfang 2005 und Anfang 2008 wurden demnach in dem Arbeitskreis abgesprochen.

Ermittlungen wegen Cappuccino-Absprachen laufen noch

Ein weiteres Verfahren läuft wegen des Verdachts von Preisabsprachen bei Cappuccino. Es soll voraussichtlich bis Mitte des Jahres abgeschlossen werden. Bereits Ende 2009 hatten die Wettbewerbshüter eine Strafe von 160 Millionen Euro gegen Tchibo, Dallmayr und Melitta ausgesprochen. Damals ging es um Preisabsprachen gegenüber dem Lebensmitteleinzelhandel.

jok/AFP/dpa



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