Premiere in Deutschland Siemens befragt Aktionäre zu Vorstandsgehältern

Vorreiterrolle für Siemens: Der Konzern will nach Angaben von Aktionärsschützern als erstes deutsches Unternehmen ein Votum der Anteilseiger über die Vorstandsbezüge einholen. Bindend ist der Beschluss der Hauptversammlung allerdings nicht.

Siemens-Chef Peter Löscher: Die Aktionäre können auch über sein Gehalt abstimmen
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Siemens-Chef Peter Löscher: Die Aktionäre können auch über sein Gehalt abstimmen


Düsseldorf/München - Vorstoß von einem der ältesten Konzerne der Republik: Siemens Chart zeigen ist offenbar als erstes deutsches Unternehmen bereit, seine Aktionäre über die Vorstandsbezüge mit abstimmen zu lassen. Der Mischkonzern habe signalisiert, sich einem solchen Votum auf der nächsten Hauptversammlung im Januar 2010 zu stellen, teilte die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) am Donnerstag mit.

"Wir freuen uns über die positive Resonanz. Siemens macht deutlich, dass das Unternehmen heute ein Vorbild in Sachen Corporate Governance ist", erklärte DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker. Erstmals in Deutschland könnten Siemens-Aktionäre damit bei dem Jahrestreffen über die Höhe und die Struktur der Bezüge für das Top- Management einen konsultativen Beschluss fassen, erläuterte die DSW.

Ob der Konzern der Meinung der Hauptversammlung auch folgen wird, ist aber offen: "Bindend ist dieses Votum für das Unternehmen nicht", sagte Hocker, fügte allerdings hinzu, die Abstimmung der Eigentümer biete "eine außerordentlich hohe Symbolkraft". Neben Siemens hatte die DSW exemplarisch auch drei andere Unternehmen, die ihre nächste Hauptversammlung bereits zu einem frühen Zeitpunkt im Jahr 2010 abhalten, zu einem solchen Aktionärsbeschluss aufgefordert: ThyssenKrupp Chart zeigen, Infineon Chart zeigen und WincorNixdorf.

In Dänemark, den Niederlanden und Großbritannien ist die Mitbestimmung über die Vorstandsgehälter laut DSW bereits üblich. Mit dem "Gesetz über die Angemessenheit der Vorstandsbezüge" wollte auch die große Koalition den deutschen Aktionären diese Möglichkeit einräumen. Allerdings verpflichteten Union und SPD mit ihrem Beschluss vom Sommer die Unternehmen dazu nicht, sondern setzten auf das Prinzip der Freiwilligkeit. Deshalb ist derzeit noch offen, wie viele Unternehmen dem Vorbild von Siemens folgen werden.

böl/dpa-AFX



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wischmopp 28.05.2009
1.
Warum verdient jemand der Porsche an den Rande der Insolvenz treibt 77 Millionen? Wer mir das erklären kann - Kompliment.
Rainer Eichberg 28.05.2009
2.
Zitat von sysopDie Gehälter der Dax-Vorstände sind 2008 um 25 Prozent gesunken. Nur einer triumphiert: Porsche-Chef Wiedeking - der mit 77 Millionen Euro erneut der Topverdiener Europas ist. Wie sehen Sie die Höhe der Managergehälter - was ist angemessen?
Das müssen die Aktionäre mit sich selbst ausmachen, ob ein Herr Wiedeking tatsächlich 77 Mio. wert ist. Wäre ich Porsche-Aktionär, wäre ich empört. Da ich jedoch weder Porsche-Aktionär noch Porsche-Kunde bin, ist es mir gänzlich egal. Allerdings wäre es interessant zu erfahren, ob Herr Wiedeking auch nächstes Jahr noch dieses üppige Salär ernten kann. Ich denke: Nö! So toll steht Porsche finanziell nicht da.
Hartmut Dresia, 28.05.2009
3.
Zitat von sysopDie Gehälter der Dax-Vorstände sind 2008 um 25 Prozent gesunken. Nur einer triumphiert: Porsche-Chef Wiedeking - der mit 77 Millionen Euro erneut der Topverdiener Europas ist. Wie sehen Sie die Höhe der Managergehälter - was ist angemessen?
Grundsätzlich liegt die Höhe der Managergehälter in der Zuständigkeit der Unternehmen, die sie bezahlen. Der Staat muss allerdings zwei Grundsätze beachten: Fließen öffentliche Mittel in die Unternehmen, dann sollten die Gehälter nicht wesentlich höher sein als die der öffentlich Bediensteten in vergleichbarer Position. Das Steuerrecht muss zudem so ausgestaltet sein, dass Übermaß ausgeglichen wird. Privilegierung und Diskriminierung (http://www.institut1.de/privilegierung-und-diskriminierung/) sind auch bei der Bezahlung von Mangern zu beachten. In gewisser Weise diskriminiert ein Managergehalt den Durchschnittsverdiener, wenn es z.B. das Zehnfache eines Durchschnittsgehalts übersteigt.
disbeliever 28.05.2009
4. Angemessen?
Nur mal so als ein möglicher "Vergleich": damit kann man ein Krankenhaus mit etwas mehr als 200 Betten ca 3-4 Jahre betreiben.
Rainer Eichberg 28.05.2009
5.
Zitat von disbelieverNur mal so als ein möglicher "Vergleich": damit kann man ein Krankenhaus mit etwas mehr als 200 Betten ca 3-4 Jahre betreiben.
Na und?
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