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Irische Billigkette Protest gegen Primark-Filiale in Berlin

Drinnen Jubel, draußen Protest: die Eröffnung einer neuen Primark-Filiale in Berlin polarisiert. Den irischen Premier Kenny beeindrucken die jüngsten Vorwürfe gegen den Textil-Discounter offenbar nicht: Er eröffnet den neuen Billig-Tempel.

Berlin - Jubelnde Mitarbeiter, glückliche Kunden: Bei der Eröffnung der zweiten Berliner Primark-Filiale ging es am Donnerstag betont gutgelaunt zu. Sogar der irische Ministerpräsident Enda Kenny war gekommen, um den Billig-Tempel am Alexanderplatz zu eröffnen.

Draußen dagegen protestierten mehrere Hundert Menschen gegen den irischen Textildiscounter, der wegen fragwürdiger Produktionsbedingungen in Billiglohnländern in der Kritik steht. Zuletzt hatten angebliche Hilferufe von Mitarbeitern für Aufsehen gesorgt, die in Kleidungsstücke eingenäht waren. Primark bezeichnet die Botschaften allerdings als Fälschung.

Für die Aktivisten am Alexanderplatz steht die irische Billigkette trotzdem für all die Probleme, die die internationale Arbeitsteilung mit sich bringt. Sie werfen Primark vor, ihre preisgünstigen Produkte auf Kosten der Textilarbeiter anzubieten. Berndt Hinzmann vom entwicklungspolitischen Netzwerk Inkota beklagte "unmenschliche Arbeitsbedingungen und Löhne".

Die Kampagne für Saubere Kleidung kritisierte, die niedrigen Preise seien nur möglich, weil europäische Textilfirmen wie Primark ihre Einkaufsmacht ausnutzten. Sie zwängen ihre Lieferanten in Asien und Südosteuropa, immer schneller, billiger und flexibler zu produzieren. "Primark verfolgt ein Geschäftsmodell, das diese Produktionsweise fördert", sagte Inkota-Aktivist Hinzmann. Da helfe es auch wenig, dass der Konzern sich an einem Programm für ethisch verantwortbaren Handel beteilige.

Primark ist seit 2009 auf dem deutschen Markt, zählt heute 13 Filialen und will in den kommenden Monaten weitere eröffnen. Vor dem Laden am Alexanderplatz standen am Donnerstag Hunderte, zumeist junge Kunden Schlange. Der Ansturm war jedoch geringer als erwartet.

Ministerpräsident Kenny, der gerade in Berlin weilte, war zur Eröffnung gekommen und warb in seiner Ansprache für das Unternehmen aus seinem Heimatland. Primark sei ein "erstklassiger Laden", der "strenge ethische Grundsätze" verfolge und sogar ein "Vorreiter in diesen Dingen" sei, sagte Kenny. Die Aktivisten draußen am Alexanderplatz sehen das sicher anders.

stk/dpa/AFP
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