Billig-Modekette Primark bezeichnet Hilferufe nach Untersuchung als Fälschung

In Kleidungsstücken von Primark waren angebliche Hilferufe von Nähern gefunden worden. Laut Untersuchungen der Billig-Modekette sind sie gefälscht.
Primar-Filiale in Gelsenkirchen: Laut Unternehmen sind die Hilferufe gefälscht

Primar-Filiale in Gelsenkirchen: Laut Unternehmen sind die Hilferufe gefälscht

Foto: Henning Kaiser/ picture alliance / dpa

Die irische Billigtextilkette Primark reagiert: Nach dem Fund von Hilferufen in einer Hose, einem Kleid und einem Top hat das Unternehmen die Kleidungsstücke und Labels untersucht. Nun habe man herausgefunden, dass es Fälschungen seien: "Unsere Untersuchungen zu den in zwei Kleidungsstücke eingenähten Etiketten haben uns zur Schlussfolgerung kommen lassen, dass es sich dabei mit großer Wahrscheinlichkeit um eine Fälschung in Großbritannien handelt."

Die Etiketten in den Kleidungsstücke, die separat in einer Filiale in Swansea im Jahr 2013 gekauft worden waren, würden eindeutig aus derselben Quelle stammen. Es sei "nur sehr schwer vorstellbar", dass die beiden gleichen Etiketten in den jeweiligen Fabriken auf die Kleidungsstücke genäht worden sein könnten, in denen sie auch produziert worden sind. Die Kleidungstücke seien durch verschiedene Zulieferer in verschiedenen Fabriken in Rumänien und in Indien, also tausende Kilometer voneinander entfernt, hergestellt worden.

Primark weist außerdem darauf hin, dass es ebenfalls im Jahr 2013 in Swansea eine Ausstellung solcher Etiketten gegeben habe, bei der Besucher ermutigt worden seien, sie in Kleidung einzunähen.

2011 gekaufte Hose gab es nur bis 2009

Auch in Belfast wurde ein Hilferuf entdeckt: Eine Nordirin entdeckte in einer Hose einen Gefangenenausweis und einen Zettel mit den Worten: "Wir sind Gefangene im Xiangnan-Gefängnis in Hubei, China." Der Schreiber fährt fort, sie stellten Kleidung für den Export her und müssten 15 Stunden am Tag arbeiten. "Was wir essen, ist schlimmer als Schweine- und Hundefutter." Die Arbeit sei so hart wie die Arbeit von Ochsen und Pferden. "Wir rufen die internationale Gemeinschaft auf, China für diese unmenschliche Behandlung zu verurteilen."

Auch in diesem Fall hatte das Unternehmen Zweifel an der Echtheit der Hilferufe angemeldet: Die Hose aus Belfast sei zuletzt im Oktober 2009 im Angebot gewesen. Das werfe die Frage auf, wie eine Kundin, die den Hilferuf postete, sie 2011 erstanden haben kann.

Die Billigmodekette ist schon oft wegen unmenschlicher Arbeitsbedingungen ins Visier geraten. Die Firma verweist darauf, dass sie regelmäßig Inspektionen in allen Zuliefererbetrieben durchführe. Doch sind diese offensichtlich nicht rigoros genug, um Missstände zu verhindern: Primark war einer der Auftraggeber jener Fabrik in Bangladesch, die im April 2013 eingestürzt war. Das Unglück hatte mehr als 1100 Arbeiter das Leben gekostet.

mia/dpa
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