PrivatBank Ukraine verstaatlicht größte Bank

Die ukrainische Regierung hat die angeschlagene PrivatBank verstaatlicht. Eigentümer war ein Intimfeind des ukrainischen Präsidenten, der Oligarch Igor Kolomoiskij.

Oligarch Igor Kolomoiskij
REUTERS

Oligarch Igor Kolomoiskij


Die ukrainische Regierung hat die schwer angeschlagene größte Bank des Landes verstaatlicht. Mit der hundertprozentigen Nationalisierung sollten das Fortbestehen der PrivatBank garantiert und die Einlagen der Sparer gesichert werden, teilte die Regierung mit. Berichten zufolge sitzt die Bank auf einem Berg fauler Kredite, der ihre Existenz akut gefährdet habe.

Die PrivatBank verwaltet gut ein Drittel aller Spareinlagen in der Ukraine, ihr Zusammenbruch hätte unabsehbare Folgen für das Land gehabt. Die Entscheidung der Regierung zur Verstaatlichung steht in Einklang mit den Vorgaben des Internationalen Währungsfonds (IWF), der eine grundlegende Sanierung des angeschlagenen ukrainischen Bankensektors verlangt.

Bisheriger Besitzer der PrivatBank war der Milliardär Igor Kolomoiskij. Kolomoiskij war nach der Maidan-Revolution zu einem der mächtigsten Männer in der Ukraine aufgestiegen. Er wurde zum Gouverneur der Region Dnipropetrowsk ernannt und rüstete Freiwilligenverbände mit Waffen für den Kampf in der Ostukraine aus. Im vergangenen Jahr wurde er als Gouverneur entlassen - vorausgegangen war ein erbittert geführter Konflikt mit dem Präsidenten der Ukraine, Petro Poroschenko.

Berge fauler Kredite

Die ukrainische Zentralbank hatte Kolomoiskij aufgefordert, die Bank mit mehreren Milliarden Dollar zu rekapitalisieren. Dieser Forderung kam er aber nicht nach. Kolomoiskij steht unter Korruptionsverdacht.

Ukrainischen Medienberichten zufolge haben faule Insider-Kredite die Bank in eine Schieflage gebracht. Sie soll demnach hohe Kredite an Unternehmen vergeben haben, die ebenfalls von Kolomoiskij kontrolliert werden; eine Rückzahlung sei nicht vorgesehen gewesen. Die Aktienkurse der Bank brachen nach Bekanntwerden dieser Vorwürfe im November um 50 Prozent ein.

Die PrivatBank warf in einer ersten Reaktion am Sonntag den Medien Panikmache vor. Die Bank habe der Verstaatlichung zugestimmt, nachdem klar geworden sei, "dass diese Medienattacken unsere Kunden gefährden könnten", hieß es in einer Erklärung. Die Bank werde ihre Geschäfte fortsetzen.

Korrektur: In einer früheren Version des Artikels stand, der Oligarch Kolomoiskij habe die Verstaatlichung seiner Bank als "typische feindliche Übernahme" durch die Staatsmacht kritisiert. Der Milliardär hat sich allerdings nie so geäußert. Das betreffende Zitat war über ein gefälschtes Facebook-Konto unter Kolomoiskijs Namen in Umlauf gebracht worden. Wir bitten um Entschuldigung für diesen Fehler.

beb/AFP



insgesamt 32 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
omanolika 19.12.2016
1. Wem glaubt man?
Sind die ukrainischen Medienberichte wahr? dann drohte den Spareinlagen große Gefahr,und die Verstaatlichung war ja gar ein Glück! Falls es Poroschenkos Rache war, nehm ich das Urteil zurück. Das Problem ist doch, bevor wir uns echt ein Urteil erlauben,müssen wir uns entscheiden, welchen Medien wir glauben...
Teile1977 19.12.2016
2. Verstaatlichung
Hmm, bei uns wurden doch auch einige (eine?) Banken verstaatlicht, bei einer Pleite ist es ein Totalverlust, so werden (auf Staatskosten) die Spareinlagen der Menschen geschützt. Das man in einem so korruptem Land wie der Ukraine genauer hinschauen sollte ist aber auch klar, das selbe gilt übrigens auch für Russland (an alle Kremelschreiben ;-) schönen guten Morgen übrigens an alle!)
herumnöler 19.12.2016
3. Dnipopetrowsk?
Das "r" fehlt: Richtig heisst es Dnipropetrowsk oder Dnjepropetrowsk, solange man es aus dem Kyrillischen transkribiert. Aber immer mit "r". Der Dnjepr, einer der groessten Fluesse Europas, laesst gruessen. - - - - Vielen Dank für den Hinweis, wir haben den Fehler korrigiert. Redaktion Forum
hefe21 19.12.2016
4. Wenn die tollen DefrauTanten kommen
Ukraine - das ist Balkan zur Potenz. Wann ist es eigentlich üblich geworden, Banken mittels rein kriminell konzipierter Kreditvergaben auszuräumen? Das verleiht ja schon seit Langem allen Bankräubern mit Pistolen eine geradezu rührende Auffassung ihres Berufes. Und haben sich das die Ostbanken nun im Westen abgeschaut oder war es umgekehrt? Und warum hat sowohl da wie dort die Politik und die Aufsicht so auffallend wenig Drang, den Geldern mal zumindest ansatzweise hinterherzuhatschen? Und ist diese offensichtliche Ausplünderung aller nichtbegünstigten aber haftungsmässig immer vollbeteiligten restlichen Teilnehmern an der Volkswirtschaft nicht schon lange ein hauptbefeuernder Teil der allgemeinen Wut auf dieses Staatsmonopolkonglomerat? Denn der Titel des bekannten Buches "Der grösste Bankraub aller Zeiten" bezieht sich ja auf diese nun in staatlicher Komplizenschaft möglichen großflächigen Volksvermögensplünderungen mittels organisiertem Kreditbetrug.
von111derletzte 19.12.2016
5. Kolomojskyj
Zitat von omanolikaSind die ukrainischen Medienberichte wahr? dann drohte den Spareinlagen große Gefahr,und die Verstaatlichung war ja gar ein Glück! Falls es Poroschenkos Rache war, nehm ich das Urteil zurück. Das Problem ist doch, bevor wir uns echt ein Urteil erlauben,müssen wir uns entscheiden, welchen Medien wir glauben...
oder Kolomoiskij oder Komomoiskij oder. Kolomoiski oder wie er auch immer heisst, ihm alleine gehörte die PrivatBank nicht, wie das in allen westlichen Medien verbreitet wird. Ich behaupte, er ist wie alle Oligarchen der Ukraine inkl. Präsident, ein korrupter Betrüger und Gauner und hat u.a. einen Israelischen Pass und weilt derzeit in den USA, wo ihm nichts passieren wird, obwohl diese Bank etwa 1,8 Mrd. USD des IWF "veruntreut" hat. Lasse mich aber gerne eines Besseren belehren.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.