Probleme mit "Boklok" Ikeas Fertighaus steht leer

In "Boklok" wird bisher weder gewohnt noch gelebt. Möbelgigant Ikea hat große Probleme, sein geplantes Fertighaus in Deutschland loszuwerden. Zwei Bauprojekte wurden vorerst gestoppt - auch weil Warentester die Pläne scharf kritisiert hatten.

Ikea-Musterhaus "Boklok": Kein Termin für den Baubeginn bekannt
Markus Hildebrand

Ikea-Musterhaus "Boklok": Kein Termin für den Baubeginn bekannt


Frankfurt am Main - Über mangelnde Nachfrage bei seinen günstigen Möbeln kann sich der Ikea-Konzern nicht beklagen - bei kompletten Häusern ist das offenbar anders. Den Möbelhändler plagen echte Probleme mit seinem Fertighausprojekt "Boklok" ("Wohn klug"). Man könne derzeit keinen Baubeginn nennen, sagte Unternehmenssprecherin Sabine Nold.

Von ursprünglich vier angekündigten Bauprojekten für Reihen- und Mehrfamilienhäuser im nordischen Design hat das Unternehmen zwei in Hofheim-Langenhain und Nürnberg vorläufig gestoppt. Auch die Objekte in Offenbach und Wiesbaden-Auringen sind nach Firmenangaben noch nicht komplett verkauft.

Grund für den Rückzieher ist auch die herbe Kritik der Stiftung Warentest. Nach einer Analyse der Pläne hatten die Warenprüfer die Bauqualität und vertragliche Regelungen zum Beispiel zur Energieversorgung bemängelt.

Man sei derzeit in einer Überprüfungsphase und werte die Rückmeldungen der Kunden aus, sagte Nold. Einen Termin für den Baubeginn der ersten Häuser könne man frühestens zur Jahreswende nennen. Ursprünglich hatte Ikea bei der Vorstellung im Frühjahr mit einer so großen Nachfrage gerechnet, dass man das Recht zum Kauf verlosen wollte.

Hausbau sei in Deutschland ein sehr ernstes Thema. "Einen Hausverkauf per Losverfahren wird es bei zukünftigen Projekten sicher nicht geben", sagte Nold. In Skandinavien und Großbritannien hat Ikea bereits Tausende Häuser ähnlicher Typen errichtet.

Gute Verkaufszahlen in Deutschland

Ungeachtet der Probleme hat der Möbelmarktführer im Geschäftsjahr 2009/2010 seinen Umsatz in Deutschland in einem rückläufigen Markt erneut um 4,2 Prozent auf 3,48 Milliarden Euro gesteigert. Deutschland bleibt mit einem Anteil von 15 Prozent am Gesamtumsatz der größte Einzelmarkt der in Schweden gegründeten Kette vor den USA.

Weltweit hatte der Umsatz stärker um 7,7 Prozent zugelegt. Dies sei auf einem gesättigten Markt nicht möglich. Angaben zum Gewinn in Deutschland machte das von einer niederländischen Holding gelenkte Unternehmen erneut nicht.

jok/dpa-AFX



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