Prognose der EU-Kommission Euro-Wirtschaft droht der Stillstand

Zur Schuldenkrise der Euro-Zone kommt nun auch noch eine Konjunkturkrise: Die EU-Kommission rechnet für die nächsten Monate nur noch mit einem minimalen Anstieg der Wirtschaftsleistung. Das Wachstum in Europa komme "nahezu zum Erliegen".

Container am Hamburger Hafen: Die Nachfrage aus dem Ausland sinkt
dapd

Container am Hamburger Hafen: Die Nachfrage aus dem Ausland sinkt


Brüssel - Seit eineinhalb Jahren plagen die Schulden einiger Euro-Länder die gesamte Währungsgemeinschaft. Nun schlägt die Krise offenbar auch auf die Konjunktur durch. Die Wirtschaft in den 17 Euro-Ländern wird im zweiten Halbjahr nach Einschätzung der EU-Kommission kaum noch wachsen.

Die Brüsseler Behörde senkte am Donnerstag ihre Prognose für die zweite Jahreshälfte deutlich. Demnach wird das Bruttoinlandsprodukt im Euro-Raum im dritten Quartal nur noch um 0,2 Prozent zulegen. Für das vierte Quartal sehen die Experten sogar nur noch ein Wachstum um 0,1 Prozent.

Das Wachstum in Europa komme zum Jahresende voraussichtlich "nahezu zum Erliegen", prognostiziert die EU-Kommission. An einen Rückfall in die Rezession glaubt die Behörde aber nicht.

Ein Grund für die Schwäche der Euro-Zone ist der erlahmende Konjunkturmotor Deutschland. Bislang hatte das kräftige Wachstum hierzulande die Konjunktur in ganz Europa mit nach oben gezogen. Doch nun scheint die Flaute auch Deutschland erfasst zu haben. Die EU-Kommission erwartet noch gerade mal 0,4 Prozent Wachstum für das dritte und 0,2 Prozent für das vierte Quartal.

Starkes Frühjahr, schwacher Herbst

Damit schließt sich die EU-Kommission dem pessimistischen Urteil der meisten Wirtschaftsforscher an. Mehrere Institute hatten in den vergangenen Tagen ihre Prognosen für die deutsche Wirtschaft nach unten korrigiert. Auch wichtige Konjunkturindikatoren deuteten zuletzt auf ein Ende des Aufschwungs hin.

"Die Aussichten für die europäische Wirtschaft haben sich verschlechtert", erklärte Wirtschaftskommissar Olli Rehn. Er verwies unter anderem auf die Staatsschuldenkrise, eine schwache Inlandsnachfrage und darauf, dass die Erholung von Finanzkrisen häufig "holprig" sei. Damit die Wirtschaft wieder in Schwung komme, "kommt es wesentlich darauf an, die Finanzstabilität zu erhalten und die öffentlichen Haushalte auf einen Pfad zu führen, dessen dauerhafte Tragfähigkeit außer Frage steht".

Für das Gesamtjahr 2011 sehen die Zahlen der EU-Kommission noch gut aus: Für die Euro-Zone erwartet die Behörde weiterhin ein Wachstum von 1,6 Prozent, die Prognose für Deutschland erhöhte sie sogar von 2,6 auf 2,9 Prozent. Die guten Zahlen täuschen allerdings. Sie sind vor allem dem starken Wachstum zu Jahresbeginn zu verdanken.

Die Inflation wird laut Prognose der EU-Kommission im Gesamt bei 2,5 Prozent in der Euro-Zone und 2,3 Prozent in Deutschland liegen. Ähnliche Werte wurden zuletzt vom Statistikamt Eurostat und dem Statistischen Bundesamt gemeldet. Damit bleibt die Teuerungsrate hoch und liegt über dem Ziel der Europäischen Zentralbank, die Preisstabilität bei Werten knapp unter zwei Prozent gewährleistet sieht.

stk/AFP/dpa/dpa-AFX



insgesamt 40 Beiträge
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cogitoergobum 15.09.2011
1. ,
Wo geht es hier zur Logik? Wer droht?
inqui 15.09.2011
2. Das sieht nicht gut aus
Zitat von sysopZur Schuldenkrise der Euro-Zone kommt nun auch noch eine Konjunkturkrise: Die EU-Kommission rechnet für die nächsten Monate nur noch mit einem minimalen Anstieg der Wirtschaftsleistung. Das Wachstum in Europa komme "nahezu zum Erliegen". http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,786419,00.html
da drohen den Leiharbeitsfirmen aber Gewinneinbrüche. Nicht dass Herr Clement (adecco) nicht noch den Gürtel enger schnallen muß
Claudia_D 15.09.2011
3. .
Zitat von sysopZur Schuldenkrise der Euro-Zone kommt nun auch noch eine Konjunkturkrise: Die EU-Kommission rechnet für die nächsten Monate nur noch mit einem minimalen Anstieg der Wirtschaftsleistung. Das Wachstum in Europa komme "nahezu zum Erliegen". http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,786419,00.html
Im Westen nichts neues, würde ich mal sagen.
ergoprox 15.09.2011
4. ...
Seltsam. Jetzt sparen alle und das Wachstum geht zurück....? Wie kann das denn sein? ;-)
Family Man 15.09.2011
5. Wenn..
das ganze Geld was in die Realwirtschaft gehört für Zinsaufwendungen draufgeht, kein Wunder. Die Banken saugen uns leer, und wir werden zu Zinssklaven.
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