Prognose für 2010 Ökonomen erwarten kräftigen Konjunktur-Schub

Die deutsche Wirtschaft wächst offenbar stärker als erwartet. Die Ökonomen des RWI haben ihre Prognose für 2010 deutlich angehoben, vor allem der Export zieht kräftig an. Am Ende des Jahres könnte sich die Konjunktur aber schon wieder abkühlen.

Kräne am Hamburger Hafen: Unerwartet starker Aufschwung
dpa

Kräne am Hamburger Hafen: Unerwartet starker Aufschwung


Essen - Die Phase der Dümpel-Wirtschaft ist vorbei, jetzt zieht die Konjunktur wieder an: Das erwartet zumindest das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI). Am Mittwoch haben die Ökonomen ihre Prognose für das laufende Jahr kräftig erhöht.

Die Essener Forscher rechnen für 2010 nun mit einem Wachstum von 1,9 Prozent. Im März waren sie nur von 1,4 Prozent ausgegangen.

Die Konjunktur in Deutschland habe sich im Frühjahr deutlich belebt, schreiben die Volkswirte. Als Wachstumstreiber nannten sie vor allem die Ausfuhren, "die von dem unerwartet kräftigen Aufschwung des Welthandels sowie von der Abwertung des Euro profitierten".

Außerdem wird sich die Lage am Arbeitsmarkt laut RWI weiter verbessern. Immer mehr Menschen nehmen demnach eine Beschäftigung auf, die Zahl der Arbeitslosen sinkt.

Allerdings ist der Aufschwung womöglich nur von kurzer Dauer. So dürften die Industrieunternehmen bestrebt sein, den vorhandenen Personalbestand effizienter zu nutzen, und deshalb kaum neue Arbeitsplätze schaffen. Auch die angespannte Finanzlage des Staates wirke belastend. Schon in den vergangenen Monaten habe die Inlandsnachfrage kaum zugenommen.

Forscher fürchten Konsumentenstreik

Dies deckt sich mit den Angaben des Marktforschungsunternehmens GfK. Dessen Konsumklimaindex verharrt auf bescheidenem Niveau.

Gegen Ende des Jahres könnte sich die Konjunktur dann auch schon wieder abkühlen. Für 2011 erwartet das RWI nur noch ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von 1,7 Prozent.

Zum einen befürchteten einige Schwellenländer schon jetzt eine Überhitzung der Wirtschaft, so dass die Geld- und Finanzpolitik dort auf einen restriktiven Kurs einschwenken dürfte. Zum anderen zwinge die hohe Verschuldung auch die Industrieländer zu einem härteren Kurs in der Finanzpolitik. Vor diesem Hintergrund dürfte der Exportboom im kommenden Jahr an Schwung verlieren, erwarten die Ökonomen.

Immerhin sehen die Forscher keine Gefahr bei der Inflation. Mit 1,1 Prozent in diesem und 1,3 Prozent im kommenden Jahr werde die Teuerungsrate voraussichtlich moderat bleiben.

Ifo-Institut erwartet langfristig hohes Wachstum

Noch optimistischer sieht Hans-Werner Sinn, der Präsident des Münchener Ifo-Instituts, die Zukunft. Deutschland stehe vor einem langen Aufschwung, sagte er dem manager magazin: "Wir haben gute Chancen, einen dauerhaft höheren Wachstumspfad zu erreichen." In den kommenden 10 bis 15 Jahren werde die Wirtschaft trendmäßig schneller wachsen als im vergangenen Jahrzehnt. Deutschland sei "der Gewinner dieser Krise". Insbesondere stehe der Bundesrepublik ein "Bauboom" bevor, sagte Sinn.

Als Begründung für seine These nannte der Ifo-Chef die veränderten internationalen Kapitalströme. "In den vergangenen Jahren wurde viel Geld anderswo in vermeintlich sichere Anlagen investiert: in amerikanische Subprime-Papiere, griechische Staatsanleihen oder spanische Immobilienfinanzierungen." All diese Investments hätten sich aber als "hochgradig risikobehaftet" herausgestellt. Deutschland hingegen gelte nach wie vor als sicherer Hafen. Deshalb werde künftig ein größerer Anteil der hohen deutschen Ersparnisse im Land investiert.

Für dieses Jahr erwartet das Ifo-Institut einen Wachstumsschub von 2,1 Prozent, wie die Ökonomen am Mittwoch in München mitteilten. Für 2011 rechnen die Ökonomen zwar mit einem Dämpfer durch die Sparpläne der Bundesregierung. "Dem steht jedoch das positive Signal gegenüber, dass der deutsche Staat seine Haushalte im Einklang mit der Schuldenbremse zu sanieren beginnt", hieß es. Insgesamt sei 2011 ein Wachstum von 1,5 Prozent zu erwarten.

wal/dpa/Reuters



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