Prognose Wirtschaftsforscher warnen vor Rezession

Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft trüben sich immer weiter ein. Ein Forschungsinstitut nach dem anderen streicht seine Prognosen zusammen. Die jüngste Hiobsbotschaft kommt aus Essen: Die dortigen Ökonomen erwarten 2012 allenfalls noch ein Mini-Wachstum.

Container am Hamburger Hafen: Die Nachfrage sinkt
REUTERS

Container am Hamburger Hafen: Die Nachfrage sinkt


Berlin - Die Risiken für die deutsche Wirtschaft steigen. Davon gehen zumindest führende Ökonomen aus. Das Essener Wirtschaftsforschungsinstitut RWI korrigierte seine Wachstumsprognose für Deutschland am Mittwoch deutlich nach unten. Für 2011 erwarten die Experten nur noch ein Wirtschaftswachstum von 2,9 Prozent. Noch im Juni hatte das RWI 3,7 Prozent vorhergesagt. Für 2012 sehen die Forscher nun nur noch ein Mini-Wachstum von einem Prozent.

"Die Rezessionsgefahr hat sich vergrößert", warnt das Institut in seiner Prognose. Zum einen verunsichere die Staatschuldenkrise im Euro-Raum Verbraucher und Unternehmen. "Zum anderen haben die Spannungen im Finanzsektor wieder spürbar zugenommen, die jederzeit auf die Realwirtschaft durchschlagen können."

Das Wachstum in diesem Jahr sei im Wesentlichen den hohen Werten aus dem Vorjahr und dem starken ersten Quartal zu verdanken: "Für das zweite Halbjahr 2011 und für 2012 sind nur geringe Zuwächse zu erwarten." Auch die Lage am Arbeitsmarkt werde sich wegen des nachlassenden Wachstums voraussichtlich nur noch wenig verbessern.

Vor dem RWI hatten bereits das Kieler IfW und das Hamburger HWWI ihre Prognosen für die deutsche Wirtschaft gesenkt. Auch das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) rechnet nur noch mit 0,8 Prozent Wachstum für 2012.

Die Konjunktur-Experten des privaten Bankenverbands schätzen die Lage etwas positiver ein. "Es droht aus heutiger Sicht kein Absturz unserer Wirtschaft in eine Rezession", sagte Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Verbands, am Mittwoch. Das Wachstum habe zwar deutlich an Schwung verloren, werde in den nächsten Quartalen aber nicht zum Erliegen kommen.

Der Verband halbierte allerdings seine Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts 2012 auf 1,1 von 2,3 Prozent. Für das laufende Jahr erwarten die Experten ein Plus von 2,8 Prozent.

stk/Reuters/dpa



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