Prognosen Wirtschaft erholt sich nur langsam

Wenig Hoffnung auf einen raschen Aufschwung: Wirtschaftsminister Brüderle schätzt, dass die deutsche Wirtschaft erst in zwei bis drei Jahren das Wohlstandsniveau von 2008 erreicht. Auch die Europäische Zentralbank und die Weltbank sind in ihren Prognosen verhalten.

Duisburger Hafen: "Deutsche Wirtschaft braucht zur Erholung noch zwei bis drei Jahre"
AP

Duisburger Hafen: "Deutsche Wirtschaft braucht zur Erholung noch zwei bis drei Jahre"


Berlin/Frankfurt am Main/Washington - Das Wirtschaftsministerium dämpft die Hoffnung auf eine baldige Erholung der deutschen Wirtschaft: Sie braucht zur Überwindung der Krise nach Einschätzung von Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) zwei bis drei Jahre. Erst dann könne das Wohlstandsniveau des Jahres 2008 wieder erreicht werden, sagte der Minister am Donnerstag im Bundestag.

Auf dem Arbeitsmarkt hätten sich dank moderater Tarifabschlüsse und der Kurzarbeit "Horrorszenarien" nicht erfüllt. Auch für die Verbraucher gebe es gute Nachrichten: "Die Menschen haben seit fünf Jahren zum ersten Mal wieder mehr Netto im Geldbeutel."

Auch die Europäische Zentralbank (EZB) sieht nach wie vor Unsicherheiten für die wirtschaftliche Erholung im Euro-Raum. Zwar bekräftigte die Notenbank in ihrem Monatsbericht, sie rechne insgesamt mit einem moderaten Wachstum der Wirtschaft des Euro-Gebiets im Jahr 2010. Der EZB-Rat verkenne aber nicht, "dass der Erholungsprozess uneinheitlich verlaufen dürfte".

Noch stützen staatliche Hilfsprogramme in vielen Ländern die Konjunktur. Die EZB ihrerseits will die Kreditvergabe der Banken weiterhin unterstützen, betonte aber zugleich: "Die bereitgestellte Liquidität wird bei Bedarf abgeschöpft, um jeglicher Gefahr für die Preisstabilität auf mittlere bis längere Sicht effektiv entgegenzuwirken."

Schmerzhafte Folgen noch in den kommenden Jahren zu spüren

Auch global gesehen werden die staatlichen Hilfsmaßnahmen die Konjunktur stützen. Nach Einschätzung der Weltbank wird die Weltwirtschaft zunächst um 2,7 Prozent wachsen. Der Aufschwung werde sich jedoch im Verlauf des Jahres abschwächen, wenn die Wirkung staatlicher Hilfsmaßnahmen nachlasse, teilte die Weltbank am Mittwoch in Washington mit. Angesichts des Ausmaßes der Krise würden Staaten und Menschen die schmerzhaften Folgen auch noch in den kommenden Jahren spüren, warnte Chef-Ökonom Justin Lin.

Das Wirtschaftswachstum in den Industrieländern wird nach Einschätzung der Weltbank-Ökonomen in diesem Jahr 1,8 Prozent betragen. Die Regierung in Deutschland rechnet zurzeit mit 1,5 Prozent Wachstum. Am stärksten wird die Wirtschaft laut Weltbank-Prognose erneut in den Schwellenländern wachsen: in China um neun Prozent, in Indien um 7,5 Prozent. In den Entwicklungsländern wird das Bruttoinlandsprodukt laut Weltbank-Prognose um 5,2 Prozent zulegen, in Lateinamerika um 3,1 Prozent.

Etwas optimistischere Prognosen hatten am Mittwoch der Internationale Währungsfonds (IWF) und auch die Uno gegeben. Die globale Wirtschaftsleistung werde 2010 wahrscheinlich um mehr als drei Prozent zunehmen und damit die bisherige IWF-Prognose übertreffen, sagte IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn. Auch die Vereinten Nationen sahen die Weltwirtschaft wieder auf Erholungskurs. Nach dem dramatischen Absturz Ende 2008, der sich Anfang 2009 noch vertiefte, meldeten mehr und mehr Länder jetzt wieder Zuwächse ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP), hieß es in dem Bericht "Lage und Aussichten der Weltwirtschaft 2010".

fro/dpa



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