Projekt A400M Finanzierung für Militär-Airbus steht

Lange wurde verhandelt - jetzt hat sich der Rüstungskonzern EADS mit sieben Käuferländern auf die Finanzierung des umstrittenen Militärtransporters Airbus A400M geeinigt. Deutschland wird weniger Maschinen kaufen als geplant.

Airbus A400M: Die Finanzierung für den Flieger ist gesichert
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Airbus A400M: Die Finanzierung für den Flieger ist gesichert


Berlin - Der Streit um den Militärtransporter Airbus A400M ist endgültig beigelegt: Die Bestellernationen haben sich auf eine Finanzierung des Projekts festgelegt. Das teilten der Konzern und der französische Verteidigungsminister Hervé Morin am Freitag in Toulouse mit. "Dieser 5. November ist ein großer Tag für die europäische Verteidigungsindustrie", sagte Morin.

Deutschland macht dabei Abstriche: Statt der ursprünglich georderten 60 Maschinen sollten nun nur 53 fest abgenommen werden, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin. Auf sieben weitere Maschinen solle eine Option bestehen. Zudem verzichtet Deutschland auf die geforderte vollautomatische Tiefflugfähigkeit des A400M. "Mit diesen Maßnahmen wird der deutsche Anteil an der Preiserhöhung von rund 670 Millionen Euro kompensiert", sagte der Sprecher.

Auf diese Vertragsänderung einigten sich bei einem Treffen in Toulouse die sieben Käuferländer Deutschland, Frankreich, Spanien, Belgien, Luxemburg, Großbritannien und die Türkei mit dem Airbus-Konzern. Frankreich wird 8,4 Milliarden Euro für 50 Flugzeuge zahlen.

Das A400M-Projekt liegt Jahre hinter dem Zeitplan zurück

In Verhandlungskreisen hieß es, Großbritannien reduziere die Bestellung von 25 auf 22 Maschinen. Damit soll Airbus insgesamt 170 statt 180 Flugzeuge an die Länder ausliefern. Die Pläne müssten noch durch die nationalen Parlamente gebilligt werden, teilte der Sprecher des Verteidigungsministeriums mit.

Die bereits im Frühjahr in Grundzügen vereinbarte Finanzierung sei unverändert geblieben, hieß es in einer Stellungnahme des Airbus-Mutterkonzerns EADS Chart zeigen. Die Zahlungen der Regierung seien nun aber weiter nach hinten verlagert worden als bisher vorgesehen.

Im März hatten die sieben Nationen sich bereiterklärt, insgesamt 3,5 Milliarden Euro der Mehrkosten mitzutragen, um Europas wichtigstes Rüstungsprojekt zu retten. Wegen technischer Probleme liegt das A400M-Projekt um Jahre hinter dem Zeitplan.

Airbus hatte sich 2003 gegenüber den Bestellnationen verpflichtet, 180 Maschinen zu einem Festpreis von 20 Milliarden Euro auszuliefern. Die Verzögerungen in der Entwicklung verursachten jedoch Mehrkosten von 5,2 Milliarden Euro.

Das Unternehmen arbeite nun auf den "Beginn der Serienfertigung zum Ende des Jahres hin", hieß es in der EADS-Mitteilung. Seinen Jungfernflug hatte der A400M im Dezember 2009. Im März 2013 soll die erste Maschine an Frankreich ausgeliefert werden. Der erste Militär-Airbus für die Bundeswehr ist für November 2014 vorgesehen. Diese Flugzeuge sollen bei der Luftwaffe die jahrzehntealten Transportflugzeuge vom Typ C-160 "Transall" ablösen.

wit/dpa/Reuters/dapd/AFP



insgesamt 59 Beiträge
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Realo, 05.11.2010
1. War doch klar....
...als (wenn auch nur nicht ständiges) Mitglied des Weltsicherheitrates braucht man das ! Das Timing ist auch sehr gut, Ärger mit dem A380 und sinkende EADS Aktienkurse und "zack" schnell eine positive Information aus dem Hause EADS. Ich finde es gut, diese uralten Transall Oldtimer mussten ja irgendwann mal erneuert werden. Warum nicht jetzt ?
joe sixpack 05.11.2010
2. Transall Oldtimer
Zitat von Realo...als (wenn auch nur nicht ständiges) Mitglied des Weltsicherheitrates braucht man das ! Das Timing ist auch sehr gut, Ärger mit dem A380 und sinkende EADS Aktienkurse und "zack" schnell eine positive Information aus dem Hause EADS. Ich finde es gut, diese uralten Transall Oldtimer mussten ja irgendwann mal erneuert werden. Warum nicht jetzt ?
und mit dem Geld, das bisher schon in den A400M versenkt worden ist, haette sich die Luftwaffe mit vielem schoenem Alternativem Spielzeug eindecken koennen. Z. B. mit C17 Globemaster oder der C130 Super Hercules.
zack34, 05.11.2010
3. Wer "braucht" A400M zumal so viele Maschinen ?
Dass ausgerechnet die Bundesrepublik überhaupt Bedarf an so etwas hat, zumal noch vor langer Zeit (!) derart viele Maschinen bestellt... wundert mich einzig und alleine wegen der steigenden Interventionsfreude in den entsprechenden Etagen nicht mehr. Meines Erachtens ist A400M im Hier und Jetzt vollkommen überflüssig. Außerdem: es ist längst bekannt, dass es bessere, robustere und zugleich günstigere Alternative gibt, allerdings nicht aus dem EADS-Hause... Tausende gehen auf die Straße gegen S21, Gorleben, Asse, Milliardengeschenke an die Großen Vier... aber keinen scheint diese (!) Verschwendung der Steuergelder zu interessieren. Wie kommt´s? Was ist mit den Kindergärten, Schulen, Schwimmbädern und - ja - öffentliche Bibliotheken, Theaterhäusern, usw. - wäre das Geld dort nicht besser angelegt? Wenn S21 nachträglich beeinflusst werden kann, dann diese A400M-Verschwendung erst richtig.
asso 05.11.2010
4. was das kostet
Über den Daumen 1531111111€ für Deutschland. Der Anschaffungspreis !
Holzkopp 05.11.2010
5. Subvention
hallo, in weiten teilen handelt es sich beim M 400 um eine subvention der europäischen flugzeugindustie, ähnlich wie es in den usa üblich ist. ziel ist es, die entwicklungskosten einer modernen von turbinen angetriebenen propellertechnik staatlich zu unterstützen. dass dabei gleichzeitig ein militärtransporter anfällt, ist als ersatz für die völlig überalterten transall und herkules eine schöne begründung, die auch gut der öffentlichkeit dargeboten werden kann. ergo ein spin off in beide richtungen (grundlagenentwicktung und militärischer (wunsch)bedarf) bei gleichzeitig erhöhter risikobeteiligung der steuerzahler. allerdings wird die finanzierung m.e. immer noch nicht ausreichen, der prototyp konnte beim erstflug gerade so sein minimalgewicht tragen. bekanntlich sind die, von den im laufe der entwicklung immer größer werdeneden propellern tubulent angeströmten und damit kaum auftriebserzeugenden tragflächenanteile so groß, dass der rest gerade so zum fliegen ausreichte. da wird noch einiges verändert und verteuert werden müssen, bis eine einigermaßene nutzlast und reichweite sichergestellt ist. also ein rüstungsprojekt wie gehabt, mit hoffentlich irgend wann eintretendem "return of investment" im zivilen flugzeugbau. das hat beim gesammtprojekt airbus bisher immerhin gut geklappt, auch wenn es dazu jahrzehnte bedurfte. guten flug! holzkopp.
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