Windparkfinanzierer Amtsgericht eröffnet Insolvenzverfahren gegen Prokon

Die Anleger bangen seit Monaten um ihr Kapital - jetzt gibt es bald Gewissheit: Das Amtsgericht Itzehoe hat das Insolvenzverfahren gegen den Windparkfinanzierer Prokon eröffnet.

Windräder: Schlecht angelegtes Geld bei Prokon
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Windräder: Schlecht angelegtes Geld bei Prokon


Hamburg - Gut drei Monate nach dem Antrag hat das Amtsgericht Itzehoe das Insolvenzverfahren gegen das Windparkunternehmen Prokon eröffnet. Das teilte das Insolvenzgericht am Donnerstag mit. Betroffen von dem Verfahren ist die Prokon Regenerative Energien GmbH mit 480 Mitarbeitern.

Andere Firmen aus dem Prokon-Bereich mit gut 800 Mitarbeitern sind nicht insolvent. Die Prokon Regenerative Energien GmbH sei zahlungsunfähig und überschuldet. Forderungen von 391 Millionen Euro stünden flüssige Mittel von 19 Millionen Euro gegenüber. Zum Insolvenzverwalter wurde der Hamburger Rechtsanwalt Dietmar Penzlin bestellt, der diese Funktion bereits vorläufig ausübte. Erst am 1. April hatte Penzlin den bisherigen Geschäftsführer und Gründer der Firma, Carsten Rodbertus, und den Vertriebsleiter Rüdiger Gronau von der Arbeit freigestellt. Er sehe "keinen Raum mehr für eine konstruktive Zusammenarbeit", sagte Penzlin damals.

74.000 Anleger haben Prokon rund 1,4 Milliarden Euro in Form von Genussrechtskapital zur Verfügung gestellt. Davon sind nach der Mitteilung des Amtsgerichts 368 Millionen Euro gekündigt worden. Die Anleger bangen seit Monaten um ihr Kapital. Penzlin hatte zuletzt erklärt, die Anleger müssten nicht mit einem Totalverlust rechnen, wohl aber mit Einbußen. Er will sich am Freitag zum weiteren Verlauf des Insolvenzverfahrens äußern.

Besserer Schutz vor riskanten Finanzprodukten geplant

Prokon war 1995 von dem Unternehmer Carsten Rodbertus gegründet worden, um mit Windenergie Ökostrom zu produzieren. Den Anlegern versprach Rodbertus gleichzeitig hohe Renditen bis zu acht Prozent. Zuletzt konnte Prokon jedoch die Zinsverpflichtungen nicht mehr erfüllen und keine Genussrechte von Anlegern mehr zurücknehmen, weil die Liquidität im Unternehmen nicht mehr ausreichte. Verbraucherschützer hatten schon lange vor der Anlage in Genussrechten gewarnt.

Als Konsequenz aus der Prokon-Pleite plant die Bundesregierung eine schärfere Regulierung für den sogenannten "Grauen Kapitalmarkt". Anleger sollen besser vor riskanten Finanzprodukten geschützt werden. So soll die Finanzaufsicht BaFin mehr Kontrollmöglichkeiten erhalten. Auch ein Werbe- oder Vertriebsverbot für zweifelhafte Kapitalanlagen steht in der Diskussion.

mhu/dpa



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Seite 1
mundusvultdecipi 01.05.2014
1. :-)
Zitat von sysopDPADie Anleger bangen seit Monaten um ihr Kapital - jetzt gibt es bald Gewissheit: Das Amtsgericht Itzehoe hat das Insolvenzverfahren über den Windparkfinanzierer Prokon eröffnet. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/prokon-amtsgericht-itzehoe-hat-das-insolvenzverfahren-eroeffnet-a-967122.html
..gleich kommen sie wieder,die Protagonisten der fossilen,atomaren Vergangenheitskirche,die die Abkehr von dem "Teufel"Energiewende fordern,weil eine Schneeballsystem mit WK Inhalt gescheitert ist.
Steuerzahler0815 01.05.2014
2.
Traurig aber sowas passiert eben wen man etwas ohne Verstand kauft nur weil der Geschäftsführer Banken kritisiert
PolitBarometer 01.05.2014
3. Wieder mal so ein...
Zitat von sysopDPADie Anleger bangen seit Monaten um ihr Kapital - jetzt gibt es bald Gewissheit: Das Amtsgericht Itzehoe hat das Insolvenzverfahren über den Windparkfinanzierer Prokon eröffnet. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/prokon-amtsgericht-itzehoe-hat-das-insolvenzverfahren-eroeffnet-a-967122.html
...Laden, der sich selbst und andere belügt und vom Umverteilen staatlicher Subventionen lebt, weil er die Realität kontinuierlich ausblendet. Da gab es mal so ein Verlagshaus in Aachen, nannte sich Photon Europe GmbH (nach der 2. Pleite jetzt unter neuem Namen). Die machten neben Magazinen auch noch in der Solarbranche mit, als Verfechter eines schon lange toten Industriezweigs. Die führten allerdings mit einer verworrenen Holding-Struktur nicht nur ihre Mitarbeiter und Kunden an der Nase herum, sondern hatten auch sonst nichts Gutes im Schilde.
ehf 01.05.2014
4.
Ich finde das richtig gut, dass das Geld dieser naiven grünen Windkraftfuzzis weg ist. Solche Leute lernen nur durch Strafen.
triptucker 01.05.2014
5. Gesundes Misstrauen
Ich beziehe selbst Ökostrom von einem zertifizierten und TÜV-geprüften Ökostromanbieter. Ich kümmere mich über Jahrzehnte selbstständig um meine Wertpapiere. Aber vor dem Briefkastenprospekt von Prokon bin ich zurückgescheut. Wie kann man 8% Zins versprechen, wenn das Tagesgeld vor einem Jahr nicht mal mehr 2% brachte.
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