Pleitedrohung Prokon entschuldigt sich bei Anlegern

Der Ökokonzern Prokon warnte Anleger davor, Kapital abzuziehen, sonst drohe die Pleite. Für dieses Vorgehen erntete das Unternehmen heftige Kritik - und entschuldigt sich jetzt bei den Investoren.

Außenaufnahme des Prokon-Sitzes: "Bevor 'nichts mehr da ist'"
DPA

Außenaufnahme des Prokon-Sitzes: "Bevor 'nichts mehr da ist'"


Hamburg - Seit einer Woche sorgt der Ökokonzern Prokon für Aufsehen. Am vergangenen Wochenende warnte die Unternehmensführung die Anleger davor, Kapital abzuziehen - sonst drohe die Pleite. Nach heftiger Kritik an dem Vorgehen rudert die Geschäftsführung nun zurück: "Wir bitten Sie ausdrücklich um Entschuldigung, wenn Sie sich durch unser Schreiben vom 10.01.2014 angegriffen oder gar bedroht gefühlt haben sollten", heißt es in einem Schreiben des Geschäftsführenden Gesellschafters Carsten Rodbertus, das auf der Internet-Seite des Unternehmens veröffentlicht wurde.

Die Unternehmensführung sei selbst zutiefst betroffen darüber, dass es zur jetzigen Situation gekommen sei. Man könne verstehen, dass die Besitzer von Genussrechten um ihr Kapital fürchten und durch eine Kündigung oder sogar durch eine Klage versuchen möchten, wieder an ihr Geld zu kommen, "bevor 'nichts mehr da ist'". Nach Angaben von Prokon bestehen Kündigungen über fast 227 Millionen Euro, Kündigungen im Umfang fast 11 Millionen Euro seien bislang in 2014 zurückgenommen worden.

Erst am Vortag hatte die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) wegen des ersten Schreibens vom 10. Januar eine einstweilige Verfügung gegen Prokon beantragt. Dem Unternehmen solle per einstweiliger Verfügung untersagt werden, auf Genussscheininhaber "in unangemessener Weise" Druck auszuüben, teilte der vzbv mit.

"Wir sehen in diesem Verhalten einen Verstoß gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb und lassen daher die Rechtmäßigkeit gerichtlich prüfen", erklärte Lars Gatschke, Referent im Team Finanzen beim vzbv. Es dürfe nicht unnötig mit der Angst der Verbraucher gespielt werden, die bei Prokon investiert haben.

Prokon teilte mit, die gekündigten Genussrechte seien möglicherweise nicht als fällige Forderungen gegen Prokon zu bewerten. Dann läge auch keine Insolvenz vor. Das Unternehmen hat etwa 1,4 Milliarden Euro von rund 75.000 Kleinanlegern eingesammelt, die nun um ihr Geld bangen.

vks/dpa



insgesamt 21 Beiträge
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Seite 1
irgendwieanders 17.01.2014
1. Nett
Zitat von sysopDPAÖkokonzern Prokon warnte Anleger davor, Kapital abzuziehen - sonst drohe die Insolvenz. Für dieses Vorgehen erntete das Unternehmen heftige Kritik - und entschuldigt sich jetzt bei den Investoren. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/prokon-entschuldigt-sich-nach-pleite-drohung-bei-anlegern-a-944051.html
Da entschuldigt man sich ein wenig, gestaltet das PDF-Formular so um, das darüber die Entscheidigung der Kündigung nicht mehr mitgeteilt werden kann, und lässt die angemahnten Formulierungen im Online-Formular weiter stehen. Das muss wohl richtig ernst gemeint sein mit der Entschuldigung......
townsville 17.01.2014
2.
Natuerlich sind gekuendigte Genussrechte offenen Forderungen. 14 Tage nach Ende der Vertragsaufzeit ist eine volle Auszahlung des Genussrechtkapitals zum Buchwert durchzuführen.
trick66 17.01.2014
3. zahlungsunfähig
"Prokon teilte mit, die gekündigten Genussrechte seien möglicherweise nicht als fällige Forderungen gegen Prokon zu bewerten. Dann läge auch keine Insolvenz vor." Wie praktisch, die gekündigten Genussrechte werden einfach nicht zurückgezahlt, aber das begründet keine Insolvenz? Sondern nur einen vorübergehenden Liquiditätsengpass, bis sich wieder genug gutmütige Idioten finden, die neue Genussrechte zeichnen?
Wassup 17.01.2014
4. Zeit für die Grünen, sich zu entschuldigen
Wann entschuldigen sich die Grünen beim kleinen Mann für die steigenden Stromkosten? Mieter zahlen für Strom immer mehr, nur wohlhabenden Eigenheim Besitzer profitieren, mit ihren Photovoltaik Anlagen auf dem Dach....
BettyB. 17.01.2014
5. Bärenstark
Sich für eine ehrliche und sinnvolle Warnung Zu entschuldigen, dass ist wirklich stark....
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