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20. Januar 2014, 18:54 Uhr

Abgelaufenes Ultimatum

Zukunft von Prokon bleibt ungewiss

Bis spätestens Montag hätten die Anleger der Windenergiefirma Prokon ihre Treue bekunden sollen. Doch nur 60 Prozent kamen der Aufforderung nach, das Vorhaben ist damit gescheitert. Ob nun tatsächlich die angedrohte Insolvenz kommt, ist dennoch ungewiss.

Itzehoe - Der angeschlagene Windparkbauer Prokon hat sein Ziel verfehlt: 95 Prozent der Anleger hätten bis zum Montag eine Erklärung abgeben sollen, nach der sie ihre Genussrechte zunächst behalten und nicht kündigen würden. Andernfalls würde das Unternehmen Insolvenz anmelden. Tatsächlich reagierten laut der Unternehmenswebsite bis zum frühen Abend nur 61 Prozent der Anleger überhaupt auf den Aufruf des Unternehmens; lediglich 52 Prozent gaben die von Prokon erhoffte Treueerklärung ab.

Ob es nun wirklich zu einem Insolvenzverfahren kommt, ist offen. In der vergangenen Woche hatte Prokon-Chef Carsten Rodbertus unter Berufung auf einen Insolvenzrechtler erklärt, dass eventuell die Voraussetzungen für eine Insolvenz doch nicht gegeben seien. Das Unternehmen ist fast vollständig durch Genusskapital finanziert. Nachdem es in eine Liquiditätsklemme geraten ist, kann es gegenwärtig weder die Zinsen auf die Genussrechte noch gekündigte Papiere auszahlen. Das seien aber eventuell keine offenen Forderungen gegen das Unternehmen im Sinne des Insolvenzrechts. Diese Frage soll nun durch Rechtsgutachten geprüft werden.

Prokon hatte vor neun Tagen seine Anleger überraschend vor einer drohenden Insolvenz Ende Januar gewarnt, sollten sie ihr Kapital abziehen. Das Unternehmen im schleswig-holsteinischen Itzehoe mit insgesamt 1300 Mitarbeitern ist ein wichtiger Finanzier von Windparks, investiert aber auch in Bioenergie. Es hatte mit einer festen Verzinsung von sechs Prozent geworben und vielfach bis zu acht Prozent Zinsen ausgezahlt. Das Unternehmen kann nach eigenen Angaben derzeit keinerlei Rück- oder Zinszahlungen leisten.

Diese Mitteilung löste offenbar eine Welle an Kündigungen von Genussrechten aus, was die Lage für das Unternehmen zusätzlich verschlechterte. Prokon entschuldigte sich anschließend für seine Mitteilung und bat Anleger erneut, nicht zu kündigen.

Die Bundesregierung will aus den Vorgängen um Prokon Konsequenzen ziehen. "Die aktuelle Debatte um Prokon zeigt, dass der Verbraucherschutz im Bereich des Finanzmarkts gestärkt werden muss", sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesjustiz- und Verbraucherschutzministerium, Ulrich Kelber, dem "Handelsblatt".

"Die Finanzaufsicht Bafin sollte möglichst schnell in die Lage versetzt werden, Finanzprodukte zu verbieten oder den aktiven Vertrieb zu untersagen, sofern diese die Finanzmarktstabilität gefährden oder unverhältnismäßige Risiken für Anleger bergen", sagte der SPD-Politiker.

aar/dpa/AFP

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