Abgelaufenes Ultimatum Zukunft von Prokon bleibt ungewiss

Bis spätestens Montag hätten die Anleger der Windenergiefirma Prokon ihre Treue bekunden sollen. Doch nur 60 Prozent kamen der Aufforderung nach, das Vorhaben ist damit gescheitert. Ob nun tatsächlich die angedrohte Insolvenz kommt, ist dennoch ungewiss.

Prokon-Filiale in Hannover: Frist verstrichen
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Prokon-Filiale in Hannover: Frist verstrichen


Itzehoe - Der angeschlagene Windparkbauer Prokon hat sein Ziel verfehlt: 95 Prozent der Anleger hätten bis zum Montag eine Erklärung abgeben sollen, nach der sie ihre Genussrechte zunächst behalten und nicht kündigen würden. Andernfalls würde das Unternehmen Insolvenz anmelden. Tatsächlich reagierten laut der Unternehmenswebsite bis zum frühen Abend nur 61 Prozent der Anleger überhaupt auf den Aufruf des Unternehmens; lediglich 52 Prozent gaben die von Prokon erhoffte Treueerklärung ab.

Ob es nun wirklich zu einem Insolvenzverfahren kommt, ist offen. In der vergangenen Woche hatte Prokon-Chef Carsten Rodbertus unter Berufung auf einen Insolvenzrechtler erklärt, dass eventuell die Voraussetzungen für eine Insolvenz doch nicht gegeben seien. Das Unternehmen ist fast vollständig durch Genusskapital finanziert. Nachdem es in eine Liquiditätsklemme geraten ist, kann es gegenwärtig weder die Zinsen auf die Genussrechte noch gekündigte Papiere auszahlen. Das seien aber eventuell keine offenen Forderungen gegen das Unternehmen im Sinne des Insolvenzrechts. Diese Frage soll nun durch Rechtsgutachten geprüft werden.

Prokon hatte vor neun Tagen seine Anleger überraschend vor einer drohenden Insolvenz Ende Januar gewarnt, sollten sie ihr Kapital abziehen. Das Unternehmen im schleswig-holsteinischen Itzehoe mit insgesamt 1300 Mitarbeitern ist ein wichtiger Finanzier von Windparks, investiert aber auch in Bioenergie. Es hatte mit einer festen Verzinsung von sechs Prozent geworben und vielfach bis zu acht Prozent Zinsen ausgezahlt. Das Unternehmen kann nach eigenen Angaben derzeit keinerlei Rück- oder Zinszahlungen leisten.

Diese Mitteilung löste offenbar eine Welle an Kündigungen von Genussrechten aus, was die Lage für das Unternehmen zusätzlich verschlechterte. Prokon entschuldigte sich anschließend für seine Mitteilung und bat Anleger erneut, nicht zu kündigen.

Die Bundesregierung will aus den Vorgängen um Prokon Konsequenzen ziehen. "Die aktuelle Debatte um Prokon zeigt, dass der Verbraucherschutz im Bereich des Finanzmarkts gestärkt werden muss", sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesjustiz- und Verbraucherschutzministerium, Ulrich Kelber, dem "Handelsblatt".

"Die Finanzaufsicht Bafin sollte möglichst schnell in die Lage versetzt werden, Finanzprodukte zu verbieten oder den aktiven Vertrieb zu untersagen, sofern diese die Finanzmarktstabilität gefährden oder unverhältnismäßige Risiken für Anleger bergen", sagte der SPD-Politiker.

aar/dpa/AFP

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roquefort 20.01.2014
1. Wo bleibt das Recht auf Risiko?
Wie schon Warren Buffett (http://de.wikipedia.org/wiki/Warren_Buffett) so richtig festgestellt hat: "Mache nur Geschäfte, die du verstehst." Wer nicht weiß, dass er mit "Genussrechten" praktisch Geldgeber für eine Geschäftsidee mit vollem Risiko wird, sollte die Finger davon lassen. Das gehört doch zur Allgemeinbildung wie die Erkenntnis, dass man in flachem genauso wie in tiefem Wasser ertrinken kann. Vorher das Kleingedruckte lesen, sonst endet man wie die Teilhaber des phönizischen Kaufmannes bei Asterix, die nicht gelesen hatten, dass sie das Schiff rudern mussten. Mal ehrlich, wer glaubt denn auch, dass bei einem Geschäft auf Dauer eine Verzinsung von sechs bis acht Prozent herausspringen kann? So ein tolles Geschäft lässt sich doch keine Bank entgehen. Wieso sollte ein Unternehmen Kleinanleger mit solchen Zinsen beglücken? In so einem Köder muss doch irgendwo der Haken stecken. Dann die Werbung. Wenn ein Unternehmen mir wöchentlich den Briefkasten zumüllt, gefühlt jeden zweiten Bus und jede zweite Ubahn bekleben lassen und mich von Plakaten aus anbrüllen, muss das doch irgendwoher bezahlt werden. Wenn ich jetzt Werbekosten, Verwaltung und gezahlte Zinsen addiere, bleibt für das eigentliche Geschäft erstaunlich wenig übrig. Das sollte einem potentiellen Investor doch zu denken geben. Aber seit den Zeiten der Tulpenzwiebel-Spekulation (http://de.wikipedia.org/wiki/Tulpenzwiebelspekulation) und IOS (http://de.wikipedia.org/wiki/Investors_Overseas_Services) oder überhaupt schon immer gilt: Gier frisst Hirn. Und jetzt schreien die Geneppten mal wieder nach dem Staat, nachdem sie die erhofften Gewinne in die eigene Tasche zu stecken hofften. Alles wie immer. :-)
Stega 21.01.2014
2. wie bei der Banken-Rettung
Wenn Anleger, die via Genussrecht unternehmerisch tätig waren, nun vom Staat bzw. von der Gesellschaft fordern, "geschützt" und rausgehauen zu werden, dann ist das eigentlich genau so, wie wenn Banken vom Staat gerettet werden wollen. Gewinne will man privat für sich haben, aber das Risiko soll die Allgemeinheit tragen. Daher ist es auch nicht in Ordnung, wenn jetzt nach der BaFin gerufen wird, um die Prokon-Investoren vor ihrem eigenen Risiko zu schützen.
quovadis 21.01.2014
3. 1300 Mitarbeiter?
Werte Redaktion bitte prüfen sie im Handelsregister der Stadt Leipzig die Gesellschafter Verträge drr Firma Hit Holz. diese wird mit ihren 650 Mitarbeitern von Prokon als Unternehmensteil dargestellt inkl. dieser 650 MA. nach Auskunft der beiden Gesellschafter von Hit OHG war on der Vergangenheit eine nie vollzogene Anbindung angedacht. Vielmehr stellt Prokon einen Finanzierungsrahmen von aktuell rund 170 Mio Euro zu 10% Zins. Daher ist es aus meiner Sicht falsch von 1300 Prokon MA zu schreiben, es handelt sich nur um 650. Bemerkenswert dass Prokon kurzfristig kündbares Genussrecht Kapital nutzt um ein anderes Unternehmen sehr langfristig zu finanzieren. Eine weitere von vielen Merkwürdigkeiten.
jupp78 21.01.2014
4.
Im Fall Prokon fehlt mir für die Anleger auch jegliches Mitleid. Da sollte sich die Politik und der Staat schön raushalten. Denn wer in diesem Fall meinte, dass sei eine sichere Anlage ohne großes Risiko, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen.
rolo 21.01.2014
5. Die tricksen schon wieder..
Herr, lass Hirn vom Himmel regnen - das gilt nicht nur für die Anleger, die in Prokon ihr 8%-Sparbuch sehen, sondern auch für diverse Journalisten, die immer wieder auf die Taschenspielertricks von C.R. hereinfallen. Erst die zum Teil als tatsache wiedergegebe Behauptung ein "erfahrener Insolvenzrechtler" hätte erkannt, das womöglich gar keine Insolvenz drohe. Kein einziges Blatt hinterfragt, wer denn diese Koryphäe ist. Spricht doch schon Bände, dass derjenige diese Annahme nicht offen vertreten will(/kann?). Würde mich auch nicht wundern, wenn Herr C.R. sich das einfach aus den Fingern gesogen hätte. Und jetzt die überall zu lesende und nicht hinterfragte Darstellung von der Prokon-Webseite, wonach etwa 100 Mio oder etwa 7-8% des Kapitals gekündigt worden wäre. Da wundert man sich, denn Ende letzter Woche, bevor diese Zahl von Prokon wegen angeblicher Berechnungsschwierigkeiten erstmal vernebelt wurde, lag sie relativ konstant bei deutlich über 200 Mio, also mehr als das Doppelte. Da hat es also über das Wochenende einen riesigen Schub an Kündigungsrücknahmen gegeben..? Nein, man muss nur hinschauen: Die gut 100 Mio jetzt beziehen sich nicht mehr wie zuvor auf das insgesamt gekündigte Kapital, sondern nur auf die eingegangenen Rückmeldungen zur "Anlegerabstimmung". Man kann aber mit Sicherheit davon ausgehen, dass unter den rund 40% Anlegern, die sich nicht daran beteiligt haben, viele sind, die ihre Kündigung trotz oder gerade wegen dieses unzulässigen Erpressungsversuchs kommentarlos aufrecht erhalten. Demzufolge darf man jede Wette eingehen, dass tatsächlich um die 200 Mio bzw knapp 15% an Kapitalrückzahlungen im Raume stehen..
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