Insolvente Windkraftfirma Prokon-Gründer Rodbertus drohen Millionenforderungen

Lange Jahre führte Carsten Rodbertus Prokon unangefochten - nun prüft der Insolvenzverwalter Schadensersatzansprüche gegen den Firmengründer in Millionenhöhe. Dabei geht es auch um den Kauf eines Flugzeugs auf Firmenkosten.
Penzlin, Prokon-Gründer Rodbertus: Schäden von über einer halben Milliarde Euro

Penzlin, Prokon-Gründer Rodbertus: Schäden von über einer halben Milliarde Euro

Foto: Carsten Rehder/ dpa

Itzehoe/Hamburg - Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin prüft Schadensersatzansprüche gegen den Gründer und langjährigen Chef des insolventen Windenergie-Unternehmens Prokon, Carsten Rodbertus. Dessen Geschäftsführung habe bei den Gläubigern Schäden von mehr als einer halben Milliarde Euro verursacht, teilte Penzlin mit.

"In diesem Zusammenhang lasse ich Schadensersatzansprüche gegen ihn prüfen, schwerpunktmäßig wegen unzureichend besicherter Darlehensvergaben", sagte Penzlin. Aber auch andere Sachverhalte wie der Kauf einer Cessna auf Firmenkosten für das von dem heute 53-jährigen Rodbertus privat betriebene Fallschirmspringen könnten Ansprüche auf Schadensersatz begründen.

Das Amtsgericht Itzehoe hatte am 1. Mai das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Prokon Regenerative Energien GmbH eröffnet, weil das Unternehmen überschuldet und zahlungsunfähig ist. Für rund 75.000 Anleger, die Prokon mit 1,4 Milliarden Euro über Genussscheine finanziert haben, bedeutet das den Verlust von 30 bis 60 Prozent ihrer Einlagen.

Gläubigerversammlung Ende Juli

"Wir befinden uns mit den wesentlichen Gläubigergruppen in einem regen, teils auch kontroversen, aber insgesamt sehr sanierungsorientierten Austausch über die wesentlichen Eckpunkte des angestrebten Insolvenzplans", teilte Penzlin zum Stand des Verfahrens mit.

Bis Mitte des Monats sollen die Anleger vom Insolvenzverwalter ein Formular erhalten, mit dem sie ihre Ansprüche anmelden können. Am 22. Juli ist eine Gläubigerversammlung einberufen, bei der Penzlin ein Konzept für einen Insolvenzplan vorstellen will. Für die Ausarbeitung des Plans muss die Versammlung dann einen Auftrag erteilen.

Penzlin zufolge errichtet Prokon auch in der Insolvenz zwei kleinere Windparkprojekte in Sachsen-Anhalt und Polen planmäßig. Der Personalabbau sei abgeschlossen, mittelfristig sollen 300 Arbeitsplätze bei Prokon erhalten bleiben. 100 Mitarbeiter haben gekündigt oder ihre Verträge sind ausgelaufen, weitere 70 wechseln für acht Monate in eine Transfergesellschaft.

fdi/dpa
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