Insolvente Windkraftfirma Prokon-Insolvenzverwalter stellt Geschäftsführer frei

Keine Verwendung mehr für die ehemaligen Prokon-Chefs: Der Insolvenzverwalter der pleitegegangenen Windkraftfirma trennt sich von Carsten Rodbertus und Rüdiger Gronau. Zu dem Schritt hätten auch ihre jüngsten Äußerungen beigetragen.

Prokon-Geschäftsführer freigestellt: Ex-Chef Rodbertus (r.) mit Insolvenzverwalter Penzlin
DPA

Prokon-Geschäftsführer freigestellt: Ex-Chef Rodbertus (r.) mit Insolvenzverwalter Penzlin


Itzehoe - Die Entscheidung gilt ab sofort. Der Insolvenzverwalter des Windkraftunternehmens Prokon, Dietmar Penzlin, hat den bisherigen Geschäftsführer Carsten Rodbertus und den Vertriebsleiter Rüdiger Gronau von der Arbeit freigestellt. "Die Tätigkeiten von Herrn Rodbertus und Herrn Gronau für die Genossenschaft sowie ihre jüngsten Äußerungen über Prokon haben leider keinen Raum mehr für eine konstruktive Zusammenarbeit gelassen", sagte der Hamburger Rechtsanwalt am Dienstag. Penzlin bestätigte, sämtliche Mitarbeiter in einer Mail informiert zu haben.

Prokon-Gründer Rodbertus wird demnach auch in sämtlichen Tochtergesellschaften der Prokon Regenerative Energien als Geschäftsführer abberufen. In der Mail Penzlins heißt es, er bedauere diesen Schritt, er sei aber erforderlich, "um wieder die für die Sanierung erforderliche Ruhe ins Unternehmen zu bringen".

Rodbertus hatte jüngst die Gründung einer Genossenschaft auf den Weg gebracht mit der Hoffnung, Geschäftsbereiche von Prokon wie zum Beispiel den Vertrieb dort weiterführen zu können. Gronau hatte im "Weser-Kurier" gesagt, mindestens 150 Prokon-Mitarbeiter müssten mit einer Entlassung rechnen.

Penzlin versicherte erneut, dass die Kernbereiche Projektierung von Windkraftanlagen und Betrieb von Windparks auch im Fall einer Insolvenz gesichert seien. "Die Perspektiven im Vertrieb sind schwierig und zumindest ein Teil der dortigen Arbeitsplätze wird nicht erhalten werden können", sagte er.

Die Firma Prokon, 1995 gegründet, hatte mit hohem Werbeaufwand im Fernsehen, auf Bussen und Straßenbahnen oder durch Postwurfsendungen Käufer für seine Papiere angelockt. Die Stiftung Warentest hatte vor den Genussscheinen gewarnt. Trotzdem gelang es dem Unternehmen, insgesamt 1,4 Milliarden Euro bei gut 75.000 Anlegern einzusammeln. Das Geld steckte Prokon in Windkraftanlagen. Jährlich erhielten die Anleger sechs bis acht Prozent Zinsen. Als viele Anleger ihre Papiere kündigten und das Investment zurückforderten, meldete Prokon im Januar Insolvenz an. Betroffen sind 1300 Mitarbeiter.

yes/dpa



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tobiash 01.04.2014
1.
... Windkraftanlagen"!? Wenn es denn so gewesen wäre! Leider hat die gerade freigestellte Geschäftsführung das Geld nicht (nur) in Windkraftanlagen gesteckt! Ein ordentlicher Teil dürfte in die schon fast penetrante Werbung geflossen sein, ein weiterer, nicht unwesentlicher Teil in die Zinszahlungen für Altanleger (bzw. Ablösungen der Kommanditisten), dann noch stark ausfallgefährdete Kredite an die HIT-Torgau, Investitionen in ein Pflanzenölwerk in Magdeburg und dubiose Geschäfte mit rumänischen Waldbesitzern (oder solche, die es gerne wären). Interessant, dass ein so wenig charismatischer Mensch wie Rodbertus es geschafft hat, derart viel Geld einzusammeln um dann eine kaufmännische Fehlentscheidung nach der anderen zu treffen. Noch interessanter der Versuch, sich durch die Bildung einer Kommanditgesellschaft als Vorläufer einer Genossenschaft die Rechte der Genussrechtsinhaber abtreten zu lassen. Damit würde Rodbertus gegenüber dem Insolvenzverwalter Dr. Penzlin als Vertreter derjenigen fungieren, die er jahrelang verarscht hat. Da wird dann wirklich der Bock zum Gärtner gemacht. Da es aber selbst die Freunde von Prokon verstanden haben, dürfte die Übertragungsrate ähnlich hoch sein wie das kaufmännische Verständnis von Rodbertus: ganz nahe NULL!
nachtmacher 01.04.2014
2. @tobiash...
na ja, Herr Rodbertus wollte doch nur das Gleiche machen wie diverse Leute beim Berliner Flughafen... die sitzen auch noch immer oder schon wieder an den Hebeln der macht. Prokon erfüllt halt mehr merkmale eines klassichen Schneeballsytems als die eines Wirtschaftsunternehmens. Wer früh dabei war hat Geld gemacht, wer später eingestiegen ist hat eben genau die Früher investoren ausbezahlt und schaut jetzt in die Röhre. Das ganze sah durch die staatlich garantierten Supersubventionen halt nach einem lukrativen idiotensicheren Geldanlagemodell aus. Gier frisst Hirn.
heiner_peters 01.04.2014
3. Das deutete sich wohl seit Tagen an
Auf der Internetseite der "Freunde von Prokon" kann da so verschiedene Stellungnahmen lesen, z. B. diese hier: http://www.freunde-von-prokon.de/news/55/123/Warum-die-ploetzliche-Distanz-zwischen-den-Freunden-von-Prokon-und-Carsten-Rodbertus Carsten Rodbertus scheint wohl nicht so ganz begriffen zu haben, dass mit dem Einstieg des Insolvenzverwalters er nicht mehr schalten und walten kann, wie es ihm beliebt. Und als ihm das dann doch klar geworden ist, wollte er mit der Gründung einer Genossenschaft sozusagen durch die Hintertüre wieder das Kommando übernehmen. Überdies scheint bei den Prokon-Freunden wohl auch mehr und mehr Realismus Einzug zu halten, was die Person Rodbertus angeht: http://www.freunde-von-prokon.de/news/61/136/Die-Freunde-von-Prokon-und-Carsten-Rodbertus-gehen-getrennte-Wege Lang, lang hat es gedauert. Aber die Ernüchterung fällt dann um so härter aus.
tillion 01.04.2014
4.
Die Werbung hatte ohnehin nur hoch ideologisierte Menschen angesprochen. Es wurde ein Wohlfühlinvestment mit attraktiver Verzinsung geboten. Das Wohlgefühl haben sie bekommen.
tobiash 01.04.2014
5. Es hat sogar sehr lang gedauert,...
Zitat von heiner_petersAuf der Internetseite der "Freunde von Prokon" kann da so verschiedene Stellungnahmen lesen, z. B. diese hier: http://www.freunde-von-prokon.de/news/55/123/Warum-die-ploetzliche-Distanz-zwischen-den-Freunden-von-Prokon-und-Carsten-Rodbertus Carsten Rodbertus scheint wohl nicht so ganz begriffen zu haben, dass mit dem Einstieg des Insolvenzverwalters er nicht mehr schalten und walten kann, wie es ihm beliebt. Und als ihm das dann doch klar geworden ist, wollte er mit der Gründung einer Genossenschaft sozusagen durch die Hintertüre wieder das Kommando übernehmen. Überdies scheint bei den Prokon-Freunden wohl auch mehr und mehr Realismus Einzug zu halten, was die Person Rodbertus angeht: http://www.freunde-von-prokon.de/news/61/136/Die-Freunde-von-Prokon-und-Carsten-Rodbertus-gehen-getrennte-Wege Lang, lang hat es gedauert. Aber die Ernüchterung fällt dann um so härter aus.
... bis die FvP (Freaks von Prokon) gemerkt haben, dass die Geschichten ums Geldeinsammeln eben nur Geschichten ums Geldeinsammeln sind. "Hetze der Medien", "Unternehmen ohne Großbanken", "Energiewende gestalten" usw. usw.! *Wat hebt wi lacht!" * Und jetzt, wo Rodbertus sein wahres Gesicht zeigt, sind sie alle ganz entsetzt und auch ein bisschen traurig! So als hätte er unüberlegt ein böses Wort gesagt! Meine Güte, liebe FvP: Ihr wurdet hofiert, so lange ihr für Rodbertus einen Vorteil darstelltet. Jetzt, wo ihr anfangt, wirklich kritisch zu sein, seid ihr ein Ärgernis - ein Klotz am Bein, Unrat, einfach nur Abfall. Genauso übrigens wie alle anderen Menschen oder Institutionen, die sich in irgendeiner Form kritisch über Prokon/Rodebrtus geäußert hatten: Banken, Kommanditisten, Anlegerschützer, Mitarbeiter, Zeitungen! Entweder für Rodbertus und gut, oder aber kritisch und böse! Kein Wunder, dass das in die Hose ging. So wurden vor 100 Jahren Eisdielen geführt, aber keine Unternehmen in dieser Größenordnung. Selbst altgediente Familienunternehmen haben adäquate Aufsichtsgremien, und das aus gutem Grund. Ich bin aber wirklich gespannt, wie viele Menschen ihm noch immer vertrauen und in die Genossenschaft eintreten!
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