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16. Juli 2014, 14:58 Uhr

Schadensersatz

Insolvenzverwalter plant Klage gegen Prokon-Gründer Rodbertus

Die Pleite der Windkraftfirma Prokon könnte deren Gründer Carsten Rodbertus teuer zu stehen kommen: Der Insolvenzverwalter will ihn noch dieses Jahr auf Schadensersatz verklagen. Bei den Ermittlungen gegen Prokon gehe es auch um Betrug und Untreue.

Hamburg/Itzehoe - Dem Prokon-Gründer und langjährigen Chef Carsten Rodbertus droht noch in diesem Jahr eine "umfangreiche" Klage auf Schadensersatz. Das sagte Prokons Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin, der Anfang Juni die Prüfung entsprechender Ansprüche angekündigt hatte. "Die Ermittlungen haben eine Vielzahl an Anhaltspunkten für pflichtwidriges Verhalten von Carsten Rodbertus ergeben, insbesondere aus der ungeprüften Vergabe unbesicherter Kredite in Millionenhöhe", so Penzlin.

Die Ermittlungen gegen Prokon werden Penzlin zufolge auch wegen des Verdachts auf Betrug und Untreue in besonders schweren Fällen geführt. Das habe ihm die zuständige Staatsanwaltschaft in Lübeck auf Nachfrage bestätigt. Zudem verdichteten sich die Anhaltspunkte, dass Rodbertus bereits Monate vor dem Insolvenzantrag von der drohenden Pleite gewusst habe.

Darüber hinaus ermittele die Staatsanwaltschaft auch, weil die grundlegende Finanzierungsstruktur von Prokon ein betrügerisches Schneeballsystem gewesen sein könnte und noch kurz vor dem Insolvenzverfahren neue Genussrechte an Anleger verkauft worden seien, sagte Penzlin. Die Ermittlungsbehörde gehe im Zusammenhang mit der Vergabe unbesicherter Kredite in Millionenhöhe dem Verdacht der besonders schweren Untreue nach. Penzlin warf Rodbertus "fehlendes Rechtsverständnis" vor.

Prokon hatte sich unter der Leitung von Rodbertus durch den Verkauf von Genussrechten im Wert von 1,4 Milliarden Euro an rund 75.000 Anleger am sogenannten grauen Kapitalmarkt finanziert. Nach der Insolvenz des Unternehmens aus Itzehoe müssen die Anleger nun um den Wert ihrer Investitionen bangen.

Die Staatsanwaltschaft Lübeck hatte bislang nur wenige Details zu ihren Ermittlungen bekanntgegeben. Eine Sprecherin hatte lediglich mitgeteilt, es werde wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung und weiterer Wirtschaftsdelikte gegen Ex-Verantwortliche ermittelt. Auch die Namen der Beschuldigten nannte sie nicht.

Streit um Sanierungsplan

Am kommenden Dienstag soll auf einer Gläubigerversammlung ein von Penzlin erarbeiteter und mit drei großen Anlegerschutzvereinigungen abgestimmter Sanierungsplan für das Unternehmen verabschiedet werden. Zugleich versucht Rodbertus, Vollmachten von Privatinvestoren einzuwerben, um bei der Versammlung in Hamburg einen Gegenentwurf durchzusetzen. Dabei argumentiert er, der offizielle Sanierungsplan solle Prokon zerschlagen und führe zu Vermögensverlusten.

Penzlin und die beteiligten Anlegerschutzvereinigungen kritisierten Rodbertus Vorgehen als in hohem Maße unseriös. Penzlin sprach von "wiederholten und aggressiven Falschdarstellungen" und nannte die von Rodbertus aufgestellten Behauptungen zur angeblichen Ertragsfähigkeit von Prokon "reine Phantasiezahlen ohne Bezug zur Realität". Anleger, die auf dessen "Vereinfachungen" hereinfielen und den Sanierungsplan ablehnten, gefährdeten ihr Vermögen.

Rodbertus war für eine Stellungnahme am Mittwoch nicht zu erreichen.

dab/dpa/AFP

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