Ex-Pleitefirma Prokon umwirbt neue Investoren

2014 musste die Windenergiefirma Prokon Insolvenz anmelden, zehntausende Anleger verloren einen großen Teil ihres Geldes. Nun sucht das neu aufgestellte Unternehmen wieder nach Investoren - als Genossenschaft.
Prokon-Werbung in Hannover (Archivbild)

Prokon-Werbung in Hannover (Archivbild)

Foto: Julian Stratenschulte/ dpa

Zwei Jahre nach der Insolvenz will der Energieanbieter Prokon als Genossenschaft neu durchstarten. In den fünf Monaten von August bis Dezember des vergangenen Jahres habe man in Deutschland bereits knapp 39 Millionen Euro umgesetzt und einen Vorsteuergewinn von 1,6 Millionen Euro erzielt, teilte Prokon am Freitag in Itzehoe mit.

Für das laufende Jahr erwarte das Unternehmen einen Umsatz von 105 bis 115 Millionen Euro und ein positives Vorsteuerergebnis. Die neue Prokon ist in drei Geschäftsfeldern tätig: Dem Betrieb bestehender und der Projektierung neuer Windparks sowie dem Stromhandel.

Vor der Insolvenz hatten rund 75.000 Anleger insgesamt 1,4 Milliarden Euro in Prokon investiert. Sie haben gut 40 Prozent ihres Einsatzes verloren, können aber auf künftige Ausschüttungen der Genossenschaft hoffen, sofern sie dabeigeblieben sind. Heute hat Prokon 38.000 Mitglieder, betreibt 55 kleinere Windparks mit 328 Windkraftwerken und beliefert rund 34.000 Endkunden mit Strom. Prokon ist damit nach eigenen Angaben die größte Energiegenossenschaft in Deutschland.

"Wir wollen in den nächsten drei bis fünf Jahren die Zahl unserer Mitglieder mehr als verdoppeln und 100.000 Genossen erreichen", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Udo Wittler. Eine Genossenschaft kann nicht wie eine Aktiengesellschaft ihr Kapital durch die Ausgabe neuer Aktien erhöhen, sondern erhält neues Kapital durch zusätzliche Mitglieder. Prokon will vor allem jüngere Anleger gewinnen, da die gegenwärtigen Mitglieder im Durchschnitt ziemlich alt sind.

Nach der Insolvenzphase hat die Genossenschaft im vergangenen August ihren Geschäftsbetrieb aufgenommen. Die beiden Interimsvorstände Kai Peppmeier und Andreas Knaup sind nach dem Ablauf der Generalversammlung am Donnerstag aus ihren Ämtern ausgeschieden. Prokon wird nun von Henning von Stechow und Heiko Wuttke geführt.

"Unsere Produktpipeline ist gut gefüllt", sagte Wuttke. So sollen die Windenergie-Kapazitäten in Deutschland noch in diesem Jahr um rund 20 Prozent oder 100 Megawatt steigen. Bereits im Bau sei das bislang größte Prokon-Projekt, der Windpark Gagel in Sachsen-Anhalt mit 16 Windkraftanlagen und einer Leistung von 48 Megawatt.

"Prokon konzentriert sich nunmehr auf das solide und werthaltige Kerngeschäft", sagte von Steckow. Im Sommer gibt Prokon eine Anleihe über 500 Millionen Euro heraus, die mit 3,5 Prozent verzinst wird. Damit wird der Insolvenzplan umgesetzt: Die Anleihe geht an die ehemaligen Inhaber der Genussrechte, sofern sie mit mehr als 1000 Euro investiert waren.

Mit 27 Prozent Eigenkapitalquote ist die neue Prokon nach eigenen Angaben solide finanziert. Im nächsten Jahr will das Unternehmen sogar Ausschüttungen auf die Genossenschaftsanteile erwirtschaften und den Mitgliedern Rabatte beim Stromverkauf einräumen.

ssu/stk/dpa
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