Schwaches TV-Geschäft Aktie von ProSiebenSat.1 stürzt ab

Miese Aussichten im Werbegeschäft lassen die Aktien von ProSiebenSat.1 einbrechen. Der Börsenschock könnte ein Zeichen für einen grundlegenden Wandel in der TV-Branche sein.

Logo von ProSiebenSat.1
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Schwache Einnahmen mit TV-Werbung und ein sich abzeichnender Konzernumbau: ProSiebenSat.1 Chart zeigen hat die Anleger verprellt. Nur drei Wochen nach dem letzten Zwischenbericht senkte der Konzern in der Nacht zum Dienstag seinen Ausblick für den TV-Werbemarkt in Deutschland.

Er dürfte in diesem Jahr nicht wachsen, sondern in etwa stagnieren - unter der Annahme, dass es eine Belebung zum Jahresende geben wird. Bislang deute alles darauf hin, dass sich das dritte Quartal unter den Erwartungen entwickeln werde, teilte ProSiebenSat.1 mit.

An der Börse sorgte das für einen regelrechten Ausverkauf: Die im Dax gelisteten Aktien der Sendergruppe stürzten zeitweise um fast 15 Prozent auf 27,86 Euro ab und notierten damit so niedrig wie zuletzt im Juli 2013. "Das ist die dritte Senkung des Ausblicks im Werbegeschäft in diesem Jahr", kritisierte Analystin Laurie Davison von der Deutschen Bank. Auch andere gelistete Medienunternehmen verloren deutlich.

Um die Abhängigkeit von der sehr schwankungsanfälligen TV-Werbung zu verringern, baut ProSiebenSat.1 seit Jahren sein Onlinegeschäft aus. Im ersten Halbjahr hatte der Konzern bereits die Hälfte seiner Erlöse aus anderen Quellen erwirtschaftet. Die Umsatz- und Gewinnprognose für 2017 steht deshalb vorerst unverändert: Der Konzernumsatz soll demnach mindestens in einem hohen einstelligen Prozentbereich steigen, der bereinigte Überschuss über dem Vorjahr liegen. Für einen außerordentlichen Gewinn von 319 Millionen Euro im laufenden Quartal sorgt der Verkauf des Flugreiseportals Etraveli an den Finanzinvestor CVC.

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Um wieder in die Offensive zu kommen, spielt ProSiebenSat.1-Chef Thomas Ebeling nun einen Konzernumbau durch. Kern der Überlegungen ist die Schaffung einer neuen Unterhaltungssparte. So könnte die Sendergruppe mit dem Bereich Digital Entertainment zusammengelegt werden, zu dem etwa die Online-Videothek Maxdome gehört. Zudem will ProSiebenSat.1 in den Bereichen Content Production und Commerce schneller wachsen. Dafür könnte sich der Konzern nach eigenen Angaben Investoren an Bord holen und auch über Zusammenschlüsse sprechen. "Die Überprüfung beinhaltet auch die Möglichkeit für potenzielle künftige Börsennotierungen", erklärte das Unternehmen. Details sollen am 9. November vorgestellt werden.

Der Bereich Content Production ist etwa für die Vermarktung von Fernsehsendungen zuständig. So kümmert sich die Tochter Red Arrow um den weltweiten Vertrieb der US-Krimiserie "Bosch", die vom Onlinehändler Amazon in Auftrag gegeben wurde. Der Bereich Commerce umfasst verschiedene Internetdienste und -händler, darunter das Vergleichsportal Verivox, den Erotikartikelversand Amorelie oder den Onlineoptiker Brille 24. Nach Informationen des manager magazin erwägt der Konzern zudem, sein Digitalgeschäft mit Parship und Verivox abzuspalten und an die Börse zu bringen.

Grundlegender Wandel?

Die Angst vor einem schwachen Werbegeschäft lastet schon länger auf der Branche. Dabei wird der Rückgang bei den TV-Umsätzen oftmals mit saisonalen Effekten erklärt. Nun verdichten sich die Hinweise, dass die Probleme struktureller Natur sind. So sieht DZ-Bank-Analyst Harald Heider den Grund des schwachen TV-Werbegeschäfts in der Abwanderung vieler Werbetreibender in die Onlinemedien. Die negativen Auswirkungen begännen sich nun zu zeigen.

Das allgemeine Raunen rund um die TV-Werbebranche setzte in den vergangenen Monaten nicht nur die ProSiebenSat.1-Papiere unter Druck. Nach einer Umsatzwarnung des britischen Werbekonzerns WPP hatten auch die Papiere von RTL und des Außenwerbe-Spezialisten Ströer bereits gelitten.

Die Papiere von ProSiebenSat.1 sind der schlechteste Wert des Jahres im deutschen Leitindex Dax mit einem Verlust von 22 Prozent - bei einem insgesamt mit 4 Prozent im Plus liegenden Markt. RTL-Aktien verloren seit Jahresanfang 13 Prozent und sind damit der sechstschlechteste Wert im MDax, dem Index der mittelgroßen deutschen Konzerne. Dieser hat im bisherigen Jahresverlauf um fast 10 Prozent zugelegt.

ssu/mg/dpa-AFX/Reuters



insgesamt 37 Beiträge
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Seite 1
cih 29.08.2017
1. ist das ein Wunder?
Auf Pro7 den ganzen Tag BigBangTheory, 2BrokeGirls, Taahm, TheMiddle ..... kein Wunder das es den Bach runter geht
Pfaffenwinkel 29.08.2017
2. Po 7 & Co.
schalte ich nie ein, das ist unterstes Nieveau. Von mir aus könnte man diese Sender auch ganz streichen.Oder endlich mal mehr Qualität bringen, dann läuft der Laden auch wieder.
perser1987 29.08.2017
3. Ist doch klar
wenn man den ganzen Tag nur Mist sendet und dann als bonus nochmal alle Wiederholungen von dem Mist. gut so! Freut mich, vielleicht wachen die ja mal auf.
m.mueller 29.08.2017
4. Kein Wunder
Serien und Filme schauen immer mehr Menschen und vor allem jüngere (=Zielgruppe der Privaten) online und on demand. Dass sich dieser Wandel hin zu Netflix, Amazon und Co auch irgendwann auf das TV Werbegeschäft auswirkt sollte nun wirklich keinen überraschen. Dazu kommen dann noch die Nachteile des linearen Fernsehens in Bezug auf die Privaten wie die nervige und viele Werbung, Extrakosten und zusätzliche Restriktionen für HD und das immer schlechter werdende Programm (Wiederholungen, Serienabsezungen mitten unter der Staffel, Scripted Reality....).
ersatzaccount 29.08.2017
5.
Zitat von cihAuf Pro7 den ganzen Tag BigBangTheory, 2BrokeGirls, Taahm, TheMiddle ..... kein Wunder das es den Bach runter geht
Diese Wiederholungen sind vermutlich noch das profitabelste.
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