Protest gegen Opel-Deal Autobauer isolieren Magna

Die Opel-Übernahme wird für Magna zum immer größeren Risiko. VW und BMW drohen nach Informationen von manager magazin akut, Großaufträge an den österreichischen Zulieferer zu kappen. Begründung: Der Konzern sei jetzt ein Konkurrent.
Opel-Werk: Die Kritik an der Rettung des Autobauers reißt nicht ab

Opel-Werk: Die Kritik an der Rettung des Autobauers reißt nicht ab

Foto: Virginia Mayo/ AP

Hamburg/Düsseldorf - Die Opel-Übernahme könnte den österreichischen Autozulieferer Magna Großaufträge aus der Industrie kosten. So überlegt der VW-Konzern, den Porsche Boxster ab 2012 doch nicht im Magna-Werk in Graz bauen zu lassen. Dies sagten VW-Insider dem manager magazin.

Der Boxster-Auftrag könnte nun statt an Magna an den insolventen Osnabrücker Konkurrenten Karmann gehen. Für neue Karmann-Aufträge hat sich nach Informationen von manager magazin auch der niedersächsische Ministerpräsident und VW-Großaktionär Christian Wulff stark gemacht. Damit zieht Volkswagen erste Konsequenzen aus Magnas Bestrebungen, sich in einen Automobilkonzern zu wandeln.

Schon früher hätten hochrangige VW-Manager Magna vor den Folgen einer Opel-Übernahme gewarnt. Inzwischen habe VW beschlossen, strategisch wichtige Teile nicht mehr bei dem österreichisch-kanadischen Konzern zu bestellen.

Auch bei BMW hieß es, es sei schwer vorstellbar, dass Magna künftig noch Aufträge für systemrelevante Teile erhalten werde. Grund dafür sei die Sorge, dass technologisch bedeutsame Entwicklungen in die Opel-Produktion einfließen könnten.

Beratergremium watscht Bundesregierung ab

Auch die Bundesregierung hat schon wieder Ärger wegen der Rettung von Opel, denn jetzt kritisiert auch die Monopolkommission die Milliardenhilfen. Justus Haucap, der Vorsitzende des Gremiums, das die Bundesregierung in Wettbewerbsfragen berät, sagte den "VDI nachrichten": "Es ist dramatisch, wenn nicht lebensfähige Unternehmen im Markt bleiben, statt das Feld zu räumen. Die Staatshilfen für Opel sind eine Fehlentscheidung."

Der Ökonom verwies darauf, dass die Zulassungszahlen von Opel seit Jahren sinken: "Offenbar baut man nicht die Produkte, die die Leute kaufen wollen." Die Rettung Opels schädige andere Unternehmen, die kundengerechte Autos bauen. "Ihnen wird der Erfolg geklaut. Jeder gekaufte Opel ist ein nicht gekaufter VW oder Ford. Dort wären vielleicht auch Arbeitsplätze für Opelaner entstanden."

Für die Bundesregierung ist die Kritik der Monopolkommission peinlich. Zuletzt wurde sie Mitte September von ihren beiden Vertretern im Opel-Treuhandrat abgewatscht, die einen Verkauf an den österreichisch-kanadischen Autozulieferer Magna ablehnten. Der Ex-Vorstandsvorsitzende von Continental, Manfred Wennemer, bezweifelte damals, dass sich Opel am Markt durchsetzen und wettbewerbsfähig sein werde.

böl/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.