Prozess gegen Drogeriekönig Ehemaliger Vertrauter schiebt Verantwortung auf Schlecker

Er galt als Anton Schleckers rechte Hand: Nun hat der ehemalige Prokurist der pleitegegangenen Drogeriekette vor Gericht ausgesagt. Seinem früheren Chef dürfte das kaum weiterhelfen.

Anton Schlecker (Mitte) mit Kindern Meike und Lars
DPA

Anton Schlecker (Mitte) mit Kindern Meike und Lars


Ein Schlüsselzeuge hat den ehemaligen Drogeriemarktkönig Anton Schlecker im Bankrottprozess kaum entlastet. "Das letzte Wort hatte der Herr Schlecker", sagte der heute 90 Jahre alte Prokurist und frühere Vertraute Schleckers am Dienstag vor Gericht.

Wegen seines gesundheitlichen Zustands war die Verhandlung am Landgericht Stuttgart ins gut 80 Kilometer entfernte Ehingen verlegt worden. In der gut anderthalbstündigen Vernehmung machte der Zeuge deutlich, dass Schlecker auch wichtige Entscheidungen für die eigentlich eigenständige Logistikfirma LDG mit beeinflusst habe, die offiziell seinen beiden Kindern Meike und Lars gehörte.

"Da gab es keine richtigen Entscheidungen, die hatten ja ihre Vorgaben", sagte der Zeuge mit Blick auf die beiden Kinder und deren Gesellschaft. Bei großen Investitionen - etwa bei der Beschaffung einer neuen Maschine - sei Schlecker gefragt worden, weil die Logistikfirma LDG erst später Reserven habe aufbauen können.

Die LDG spielt eine große Rolle in dem Prozess. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat den Verdacht, dass Anton Schlecker über sie Millionen Euro zu Gunsten der Familie aus seinem Unternehmen gezogen hat, bevor dieses 2012 in die Pleite rutschte.

Den Anklägern sind vor allem die hohen Stundensätze suspekt, die die LDG Schlecker in Rechnung stellte. Der damalige Prokurist hatte ab 2004 geholfen, die Logistikgesellschaft aufzubauen - zunächst um den Online-Versand von Drogerieartikeln zu organisieren. Später betrieb die LDG die gesamte Lieferkette von der Warenannahme im Zentrallager bis zur Belieferung der Filialen. Auch die LDG ging nach dem Aus für Schlecker in die Insolvenz.

Schlecker wollte die Insolvenz nicht wahrhaben

Der Prokurist, der bis 2009 für Schlecker gearbeitet hatte, zeichnete vor Gericht ein widersprüchliches Bild von der Zusammenarbeit mit der LDG. Einerseits bestätigte er, dass die Arbeitszeitabrechnungen der LDG-Mitarbeiter durch die Schlecker-Buchhaltung gingen. Andererseits habe er nicht gewusst, dass die LDG zumeist eine ungewöhnlich hohe Gewinnspanne von 50 Prozent und mehr erwirtschaftet habe. "Das war nicht meine Sache."

Die LDG habe in großem Stil Leiharbeiter eingesetzt, sagte der Prokurist. Rückblickend sieht er darin den Grund für die hohen Gewinne der Gesellschaft. Dabei seien die Fehler der Leiharbeiter im Versand an die Drogerie-Filialen aber zulasten von Schlecker gegangen. "Die Leiharbeiter waren das Teuerste, was Schlecker passieren konnte." Doch ein anderer Anbieter, der die Logistik hätte organisieren wollen, habe sich nicht gefunden.

Der Zeuge hatte 1950 in der Metzgerei von Schleckers Vater in Ehingen angefangen und den Aufstieg und Niedergang des Handels-Imperiums 59 Jahre lang verfolgt. Mit Anton Schlecker sei er per Du gewesen. Dass das Unternehmen vor der Insolvenz stehe, habe dieser aber bis zuletzt nicht wahrhaben wollen. "Der Herr Schlecker war nie der Meinung, dass es das Ende ist." Sogar als schon der Insolvenzverwalter im Haus gewesen sei, habe Schlecker gehofft, sein Lebenswerk retten zu können

stk/Reuters/dpa

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