Prozess gegen Ex-Banker Gribkowsky Ecclestone fürchtete Erpressung

Formel-1-Chef Ecclestone hat Millionenzahlungen an den Ex-Banker Gribkowsky zugegeben. "Wir wollten später auseinanderklamüsern, wofür das Geld gedacht ist", sagte er vor dem Landgericht München - und deutete eine Erpressung an: Gribkowsky hätte ihn beim Finanzamt anschwärzen können.
Bernie Ecclestone vor Gericht in München: "Es wäre ein Desaster für mich gewesen"

Bernie Ecclestone vor Gericht in München: "Es wäre ein Desaster für mich gewesen"

Foto: Christof Stache/ dpa

München - Bernie Ecclestone redete nicht lange drumherum: Gleich zu Beginn seiner Aussage vor dem Landgericht München I räumte er am Mittwoch Millionenzahlungen an den früheren BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky ein. Dabei deutete Ecclestone an, dass er eine Erpressung durch den Banker gefürchtet habe.

"Es lag daran, dass ich zu der Zeit wirklich keine andere Möglichkeit sah", sagte Ecclestone im Strafprozess gegen Gribkowsky. Er habe befürchtet, Gribkowsky hätte den britischen Steuerbehörden Dinge über die Familienstiftung seiner Frau mitteilen können, die ihn teuer zu stehen hätten kommen können. Zwei Milliarden Pfund seien gefährdet gewesen, und ihm "wäre nicht einmal eine Armbanduhr geblieben".

Deshalb habe er Gribkowsky einen zweistelligen Millionenbetrag gezahlt: "Wir sind übereingekommen, dass ich die Zahlung leiste und dass wir später schon auseinanderklamüsern, wofür das gedacht ist." Einen Großteil habe der Rennstall-Chef Flavio Briatore im Auftrag Ecclestones angewiesen.

Später will Ecclestone den Brief eines Anwalts erhalten haben, der einen Nachschlag gefordert habe. Bis dahin habe er Gribkowsky bereits 22 Millionen Dollar gezahlt, sagte der Rennsport-Mogul. Zunächst habe er dem Anwalt eine schroffe Abfuhr erteilt, später aber dann doch noch mehr Geld lockergemacht.

Eine echte Erpressung stecke nicht hinter dem Manöver, sagte der 81-Jährige. "Er hat nie direkt gedroht." Dennoch habe er weiter die Sorge gehabt, Gribkowsky könne ihn bei den Behörden anzeigen. "Es wäre ein Desaster für mich gewesen." Der Gedanke daran sei ständig in seinem Hinterkopf gewesen.

"Ich war wirklich in Sorge"

Gribkowsky habe seinem Eindruck nach den Job bei der BayernLB sattgehabt und sich ein eigenes Geschäft aufbauen wollen. "Es war klar, dass er Geld braucht." Ihm sei daran gelegen gewesen, Gribkowsky "friedlich, freundlich und ruhig" zu halten, "damit er nicht auf dumme Gedanken kommt", sagte Ecclestone. So sei es dann zur Übereinkunft über die Zahlung gekommen. "Ich war wirklich in Sorge", betonte Ecclestone.

Ecclestone wurde in dem Verfahren gegen Gribkowsky als Zeuge befragt. Der frühere Risikovorstand der BayernLB soll von Ecclestone 44 Millionen Dollar kassiert haben. Die Staatsanwaltschaft hält diese Zahlung für Schmiergeld.

Die BayernLB war durch die Pleite des Medienunternehmers Leo Kirch in den Besitz von Formel-1-Anteilen gekommen. Im Jahr 2006 wechselten diese Anteile erneut den Besitzer - sie gingen für insgesamt 840 Millionen Dollar an die Beteiligungsgesellschaft CVC. Das Unternehmen bezahlte damit gut doppelt so viel, wie sich die BayernLB nach eigenen Angaben erhofft hatte. Durch den Deal konnte Ecclestone, der damals im Streit mit mehreren großen Rennställen lag, seinen Job als Formel-1-Chef behalten.

Wegen der versteckten Provisionen soll Gribkowsky die CVC-Offerte durchgeboxt haben, ohne Alternativen zu prüfen. Neben Bestechlichkeit wird dem Ex-Banker Untreue und Steuerhinterziehung zur Last gelegt. Gribkowsky bezeichnet die Zahlung dagegen als gerechtfertigtes Honorar für Beratertätigkeiten. Der Ex-Bankmanager sitzt seit Jahresbeginn in Untersuchungshaft, sein Vermögen ist beschlagnahmt.

dab/dpa/dapd