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19. Februar 2014, 08:24 Uhr

PSA-Konzern

Einstieg von Dongfeng besiegelt

Frisches Kapital, Wechsel an der Spitze, neue Machtverhältnisse bei den Anteilseignern: Der Einstieg von Dongfeng sorgt im PSA-Konzern bereits für Bewegung, bevor er überhaupt vollzogen ist - und weckt Hoffnungen auf ein Comeback des traditionsreichen Autobauers.

Paris - Nach monatelangen Verhandlungen ist der Vertrag endlich besiegelt. Der chinesische Partner Dongfeng und der französische Staat steigen bei dem angeschlagenen französischen Traditionskonzern PSA Peugeot Citroën ein, weiteres Geld soll von den Alt-Aktionären kommen. Insgesamt beträgt die Kapitalspritze drei Milliarden Euro. Die Peugeot-Familie stellt zwar auch weiteres Geld zur Verfügung, verliert aber ihre starke Machtbasis zugunsten der neuen Miteigentümer. Mit weiteren Modellen soll nun der Absatz massiv gesteigert werden.

Im Rahmen der neuen Finanzhilfen investieren die französische Regierung und Dongfeng jeweils 800 Millionen Euro in Peugeot und erhalten dafür einen Anteil von je 14 Prozent. Das Paket der Peugeot-Familie schrumpft auf ebenfalls 14 Prozent. In der Familie war der Plan bis zuletzt umstritten. Bislang hielt der Clan 25 Prozent der Anteile und kontrollierte 38 Prozent der Stimmrechte.

Noch immer leiden die Franzosen extrem unter der Krise in Europa. Im vergangenen Jahr fiel ein Nettoverlust von 2,32 Milliarden Euro an, der Umsatz sank um 2,4 Prozent auf gut 54 Milliarden Euro. Beobachter sehen die Zahlen allerdings als Lichtblick, denn 2012 hatte der Konzern wegen hoher Abschreibungen noch fünf Milliarden Euro verbrannt. Auch das operative Geschäft lief vergangenes Jahr nicht so schlecht wie befürchtet. Im Kerngeschäft machte PSA 177 Millionen Euro Verlust - Experten hatten mit fast 250 Millionen gerechnet.

Absatz in China soll wachsen

Der Trend soll sich nach dem Einstieg von Dongfeng verstärkt fortsetzen. Die Forschung und Entwicklung sollen erweitert und die Zusammenarbeit in dem gemeinsamen Joint Venture in China intensiviert werden. Über eine eigens gegründete Exportfirma sollen die Autos aus diesem Joint Venture in der asiatisch-pazifischen Region und insbesondere in der südostasiatischen Asean-Region verkauft werden. Der Jahresabsatz soll sich in den kommenden acht bis zehn Jahren auf insgesamt 1,5 Millionen Wagen verdreifachen.

Auch an der Führungsspitze tut sich einiges. Schon von Donnerstag an soll der künftige Chef Carlos Tavares das Steuer bei Europas zweitgrößtem Autobauer übernehmen und Philippe Varin ablösen In Europa hat die Wirtschaftskrise in den vergangenen Jahren dafür gesorgt, dass deutlich weniger neue Autos gekauft wurden. Während die deutschen Premium-Hersteller BMW und Audi dies in Asien und Amerika mehr als ausgleichen konnten, kamen viele Hersteller für den Massenmarkt unter die Räder, darunter Opel und Peugeot. Die Franzosen haben darauf mit Kostensenkungen reagiert.

Hintergrund der neuen Finanzhilfen für Peugeot ist das Auslaufen der Staatsgarantien über sieben Milliarden Euro im nächsten Jahr, die den Renault -Rivalen bislang über Wasser halten.

mik/dpa-AFX

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