Peugeot Citroën in der Krise Frankreich plant Staatshilfe für Autoindustrie

Die Wirtschaftskrise in Südeuropa trifft den französischen Autohersteller PSA Peugeot Citroën hart: Im ersten Halbjahr verbuchte der Konzern einen Verlust von mehr als 800 Millionen Euro - nach einem Gewinn in selber Höhe im Vorjahr. Frankreichs Regierung kündigte einen Hilfsplan an.

Demonstration von PSA-Arbeitern in Paris: 8000 Stellen sollen wegfallen
AFP

Demonstration von PSA-Arbeitern in Paris: 8000 Stellen sollen wegfallen


Paris - Gerade erst hat der französische Autohersteller PSA Peugeot Citroën angekündigt, 8000 Stellen zu streichen und sein Werk in Aulnay bei Paris in zwei Jahren zu schließen - und schon muss der Konzern ein desaströses Halbjahresergebnis veröffentlichen. Unter dem Strich stand ein Verlust von 819 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Mittwoch in Paris mitteilte. Im Vorjahreszeitraum hatte der Konzern noch 806 Millionen Euro Gewinn gemacht. Der Umsatz rutschte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als fünf Prozent ab auf knapp 30 Milliarden Euro.

"Der Konzern befindet sich in schwierigen Zeiten", sagte Vorstandschef Philippe Varin. Das Unternehmen will bis 2015 jährlich 1,5 Milliarden Euro einsparen. Dazu sollen auch Investitionen gekürzt und Synergien in der kürzlich vorgestellten Allianz mit General Motors (GM) genutzt werden.

Hintergrund der Probleme bei PSA ist die Absatzkrise in Europa, unter der auch die Konkurrenten Renault, Fiat, Ford und Opel leiden. Allein 2012 fällt die Nachfrage in der EU nach PSA-Einschätzung um acht Prozent, von 2007 bis 2012 um insgesamt 23 Prozent. PSA dürfte dabei im laufenden Jahr wegen der bisherigen Stärke in den Problemländern Spanien, Frankreich und Italien sogar zehn Prozent verlieren. Im ersten Halbjahr setzte der Hersteller noch 1,6 Millionen Autos ab.

Regierung verspricht Subventionen für Öko-Autos

Die französische Regierung kündigte umgehend Hilfen für die schwächelnde Autoindustrie im Land an. Der zuständige Reformminister Arnaud Montebourg sagte in Paris, der Kauf abgasarmer Autos soll stärker als bisher gefördert und der Zugang der Branche zu Krediten erleichtert werden. Der Staat will zudem bei 25 Prozent seiner Neuanschaffungen auf abgasarme Autos setzen.

Der Erwerb eines Elektro-Autos wird künftig mit 7000 statt wie bisher 5000 Euro gefördert, der von Hybridwagen mit 4000 statt wie bisher 2000 Euro - vorausgesetzt die Hersteller drehen nicht an der Preisschraube. Beide Fahrzeugtypen gehören zu den Stärken der heimischen Anbieter Renault sowie des nationalen Marktführers PSA Peugeot Citroën.

Außerdem will Frankreich die EU um Überprüfung eines umstrittenen Freihandelsabkommens mit Südkorea bitten. Aus Sicht der Autoindustrie haben von dem Abkommen vor allem die Südkoreaner mit erheblich erhöhten Exporten in die EU profitiert, die europäischen Hersteller in Gegenrichtung hingegen deutlich weniger.

nck/dpa/afp

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juergw. 25.07.2012
1. Erstaunlich....
Zitat von sysopAFPDie Wirtschaftskrise in Südeuropa trifft den französischen Autohersteller PSA Peugeot Citroën hart: Im ersten Halbjahr verbuchte der Konzern einen Verlust von mehr als 800 Millionen Euro - nach einem Gewinn in selber Höhe im Vorjahr. Frankreichs Regierung kündigte einen Hilfsplan an. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,846348,00.html
Präsidente Hollande hat noch Geld in der Staatskasse gefunden?Mal sehen,wer da alles noch Hilfe beantragt.Da müssen wir wohl einen neuen Rettungsschirm einrichten. Den HFMA.(HilfsfondfürmarodeAutoherrsteller) Schleusen auf-für weitere Milliarden.
chrimirk 25.07.2012
2. PSA kann es eben nicht (mehr)!
Zitat von sysopAFPDie Wirtschaftskrise in Südeuropa trifft den französischen Autohersteller PSA Peugeot Citroën hart: Im ersten Halbjahr verbuchte der Konzern einen Verlust von mehr als 800 Millionen Euro - nach einem Gewinn in selber Höhe im Vorjahr. Frankreichs Regierung kündigte einen Hilfsplan an. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,846348,00.html
Weder kann man bei denen die extravaganten Citroens, wie ehemals, noch solide Peugeots kaufen. Alle Fahrzeuge des PSA-Konzerns haben ein monotones Soap-Styling oder sind Nachbauten der Asiaten. Ohne Lob und Tadel. Aber nur wollen (wie der franz. Staatspräsident so tönt), reicht nicht, man muss auch können, z. B. wenigstens Allianzen mit richtigen Partnern schliessen und nicht egal mit wem, wie neuerdings Opel/Peugeot.
r.bock 25.07.2012
3. Es fragt sich …
… ob es sinnvoll ist, dass der Staat überhaupt eingreift, wenn große Unternehmen in Nöte geraten. Insbesondere die Automobilindustrie, die gerade in Deutschland immer mit Arbeitsplatzverlusten droht, sobald ihr (Umwelt-)Auflagen gemacht werden sollen, hält an einem nicht mehr zeitgemäßen Mobilitätskonzept –wenn man es so nennen kann –fest. Natürlich ist es tragisch, wenn Arbeitsplätze verloren gehen, aber es kann doch nicht sein, dass letzten Endes immer alles am Steuerzahler hängen bleibt, wenn die vermeintliche Elite in der Wirtschaft es nicht wirklich kann.
secretsurf 25.07.2012
4. tja Bundesmutti
nun sehen wir die weiteren Probleme der EU... bricht der Absatz ein im Süden des Kontinents, fängt der Norden an zu bibbern und bremst. Aber erstmal hunderte Milliarden in Griechenland und sowie den spanischen Banken versenken anstatt mal für Arbeit zu sorgen damit die Menschen in diesen Ländern wieder Geld zur Verfügung steht für den Konsum. Nur da durch verdient ein Staat nämlich seine Brötchen ( an Mehr- und Einkommensteuer) und nicht durch Rettung irgendwelcher maroder spanischer Banken die sich 2008 schon als Rückversicherer diverser "Häuslebauer" Kredite in den USA in den Ruin getrieben haben und den finalen Schlag mit Einbruch der Wirtschaft in Spanien in den Folgejahren erleiden mussten... Einfuhrsteuern für asiatische Produkte rauf. Binnenmarkt fördern. Mehrwertsteuer in der EU vereinheitlichen auf 20% und rigoros mal endlich bei der Bankenpolitik und dem Geldwesen durchgreifen.... das hilft alles andere ist Makulatur und verlängert nur das Leiden. Am Ende zahlt eh der deutsche Steuerzahler die Zeche und dann aber 10 mal mehr als es bisher dargestellt wird. Wetten?
king_pakal 26.07.2012
5.
Zitat von sysopAFPDie Wirtschaftskrise in Südeuropa trifft den französischen Autohersteller PSA Peugeot Citroën hart: Im ersten Halbjahr verbuchte der Konzern einen Verlust von mehr als 800 Millionen Euro - nach einem Gewinn in selber Höhe im Vorjahr. Frankreichs Regierung kündigte einen Hilfsplan an. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,846348,00.html
Ist es nicht viel mehr so, dass PSA Peugeot Citroën aufgrund von Sanktionen ggü dem Iran in die Schwierigkeiten geraten ist, nicht zuletzt weil Iran der zweitgrößte Absatzmarkt für PSA PC war? Dabei entspricht der Verlust von 800 Millionen in etwa dem Wert der vorher in Iran verkuften Fahrzeugen. Das wird natürlich nicht angesprochen, dass die Sanktionierer sich selbst ins Knie geschossen haben.
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