Geplante Fusion von Fiat Chrysler und PSA Das Milliardenversprechen

Der Opel-Mutterkonzern PSA und Fiat Chrysler wollen zu einem der größten Autokonzerne weltweit fusionieren. Oberstes Ziel des Zusammenschlusses: Einsparungen in Milliardenhöhe. Arbeitnehmer müssen um ihre Jobs fürchten.
Opel-Produktion in Eisenach: Gewerkschaft fordert Eigenständigkeit

Opel-Produktion in Eisenach: Gewerkschaft fordert Eigenständigkeit

Foto: Martin Schutt/zb/dpa

E-Antrieb, autonomes Fahren, Dieselskandal: Die Herausforderungen der Autobranche sind groß. Mit PSA und Fiat Chrysler suchen nun zwei ganz große Unternehmen eine Zukunft im Zusammenschluss.

Durch die Fusion könnten einer gemeinsamen Erklärung zufolge pro Jahr Synergien im Wert von 3,7 Milliarden Euro gehoben werden. Von einer Zusammenlegung unter Gleichen ist die Rede.

Das Gleichgewicht in der Autobranche würde eine Fusion allerdings erschüttern. Es entstünde, gemessen an der Zahl der verkauften Fahrzeuge, der weltweit viertgrößte Autokonzern. Rund 400.000 Mitarbeiter wären dort beschäftigt. Für den italienisch-amerikanischen Fiat-Chrysler-Konzern dürften unter anderem PSAs Fortschritte bei neuen Antriebstechniken interessant sein. Für den französischen PSA-Konzern, zu dem neben Peugeot unter anderem auch der deutsche Hersteller Opel gehört, könnte sich zudem ein Zugang zum wichtigen US-amerikanischen Markt ergeben. Denn auf ihm ist Fiat Chrysler traditionell stark und hat ein großes Verkaufsnetz.

"Frankreich muss stolz sein"

Dementsprechend hat Frankreich die Gespräche über eine Zusammenlegung auch begrüßt. Die beabsichtigte Fusion sei eine Antwort "auf die Notwendigkeit für die Autobranche, sich zu konsolidieren", teilte der französische Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire mit. "Frankreich muss stolz sein auf seine Autoindustrie, die ihre Fähigkeit zur Forschung und zur technischen Erneuerung unter Beweis gestellt hat." Die Aktien des bei emissionsarmen Technologien im Vergleich zu Fiat Chrysler überlegenen PSA-Konzerns gaben an der Börse dennoch stark nach - während die Papiere des italienisch-amerikanischen Konzerns im Wert deutlich stiegen.

Die Verhandlungen über die Zusammenlegung waren am Mittwoch bekannt geworden. "Es gibt laufende Diskussionen, die darauf abzielen, eine der führenden Mobilitätsgruppen der Welt zu schaffen", schrieben die Konzerne. Fiat Chrysler hatte sich erst im Frühjahr mit dem französischen Hersteller Renault verbinden wollen, die Gespräche scheiterten jedoch. Mitte September hatte PSA-Chef Tavares auch noch angekündigt, sich erst mal auf sich selbst konzentrieren zu wollen. Doch diese Zeit scheint schnell vorbei zu sein.

Die aktuellen Fusionspläne sorgen auch in Deutschland für Unruhe. Die Gewerkschaft IG Metall hat gefordert, Opels Eigenständigkeit auch nach einem Zusammenschluss beizubehalten. Dafür werde man sich einsetzen, erklärte Jörg Köhlinger, Bezirksleiter des IG -Metall-Bezirks Mitte. Er verwies auch auf den 2018 mit Opel ausgehandelten Tarifvertrag, der betriebsbedingte Kündigungen bis zum 31. Juli 2023 ausschließt.

PSA-Werk nahe Paris: Rollen Peugeot-Autos bald vermehrt auch in den USA?

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Foto: Thomas SAMSON / AFP

Ob und falls ja in welchem Ausmaß durch die Fusion Arbeitsplätze bedroht sind, ist aktuell noch unklar. Experten zufolge besteht die Gefahr von Überkapazitäten - auch bei Opel.

PSA hatte die Rüsselsheimer Marke vor gut zwei Jahren vom US-Hersteller General Motors übernommen und saniert. In den deutschen Werken unterzeichneten während des Sparprogramms mehr als 6000 Beschäftigte Verträge zu Altersteilzeit, Vorruhestand oder Abfindungen. Ursprünglich hatte die IG Metall nur einem Abbau von 3700 Stellen zugestimmt. Die Nachrichtenagentur AFP berichtete jedoch, die Fusion solle "ohne Werksschließungen" auskommen. Was genau das bedeutet, ist offen.

Zu dem fusionierten Konzern würden neben Opel unter anderen folgende Marken gehören: Peugeot, Citroën, Alfa Romeo, Chrysler und Maserati. Nur die Autokonzerne Volkswagen, die Herstellerallianz von Renault, Nissan und Mitsubishi sowie der japanische Autobauer Toyota verkaufen weltweit mehr Autos als PSA und Fiat Chrysler zusammen. Ihre Pläne sehen vor, dass die Aktionäre beider Seiten jeweils 50 Prozent des Kapitals der neuen Gruppe halten und entsprechend die "Früchte dieser Annäherung" gleichberechtigt aufteilen sollen. Die fusionierte Gruppe soll ihren Sitz in den Niederlanden haben.

Carlos Tavares: Aktuell PSA-Chef, künftig wohl noch mächtigerer Generaldirektor

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Foto: REUTERS/Christian Hartmann

Der neue Verwaltungsrat soll den Plänen zufolge aus elf Mitgliedern bestehen: Fünf würden von Fiat Chrysler und fünf von PSA nominiert. Generaldirektor soll der jetzige PSA-Chef Carlos Tavares werden. Bei der Fusion dürften auch die Anteilseigner noch mitbestimmen wollen: Die Peugeot-Familie und der chinesische Hersteller Dongfeng halten große Anteile an PSA. Und auch der französische Staat ist beteiligt - und hält über eine Förderbank 12,23 Prozent der Anteile und 9,75 Prozent der Stimmrechte.

apr/dpa/AFP/Reuters
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